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Von der Tütensuppe bis zur Hähnchenkeule

Die deutschen Verbraucher leben im sprichwörtlichen Schlaraffenland: Die industrielle Nahrungsmittelproduktion bietet ihnen mehr als 170.000 unterschiedliche Lebensmittel. Seit Mitte Dezember 2014 soll zudem eine neue EU-Verordnung für mehr Transparenz auf den Verpackungen sorgen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche Ernährungsindustrie setzte 2014 mehr als 172 Milliarden Euro um.
  • Mit diesem Umsatz und mehr als 550.000 Beschäftigten ist die Ernährungsindustrie der viertgrößte Industriezweig Deutschlands.
  • Zwei Drittel der Bundesbürger bringen der Lebensmittelindustrie nur wenig oder gar kein Vertrauen entgegen.
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Tiefkühlpizza, Tütensuppe, Tortenguss: Die Erzeugnisse der industriellen Nahrungsmittelproduktion sind aus den allermeisten Haushalten nicht mehr wegzudenken. Verbraucher können in Supermärkten und Discountern regelrecht aus dem Vollen schöpfen: Zu den 170.000 Produkten zählen nicht nur hochautomatisiert hergestellte Fertiggerichte, sondern schlichtweg jedes Lebensmittel, das verarbeitet worden ist – also auch Sprudelwasser, bereits gewaschener und geschnittener Salat oder Hähnchenkeulen.

Die Verbraucher nehmen dieses Warenangebot gerne an (Grafik):

Im Jahr 2014 erzielte die deutsche Ernährungsindustrie einen Umsatz von mehr als 172 Milliarden Euro – zehn Jahre zuvor waren es erst knapp 132 Milliarden Euro.

Der größte Anteil des Umsatzes – knapp 117 Milliarden Euro – entfiel 2014 auf die Nachfrage im Inland. Rund 56 Milliarden Euro setzte die industrielle Nahrungsmittelproduktion im Ausland um, davon annähernd 45 Milliarden Euro in den EU-Ländern.

Mit diesen Verkaufszahlen und mehr als 550.000 Beschäftigten ist die Ernährungsindustrie der viertgrößte Industriezweig Deutschlands. Die rund 5.800 heimischen Unternehmen, die Lebensmittel oder Getränke herstellen oder verarbeiten, sind zumeist kleine oder mittelständische Betriebe – die wenigen deutschen Großkonzerne erzielen gerade einmal 12 Prozent des Branchen­umsatzes.

Obwohl die meisten der 80 Millionen Bürger in Deutschland mehr oder minder regelmäßig industriell produzierte Nahrungsmittel einkaufen, hat die Branche ein Imageproblem. Zwar zeigten sich bei einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums Anfang 2013 rund 91 Prozent der heimischen Verbraucher zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der Qualität der Lebensmittel. Zugleich gaben aber fast zwei Drittel der Befragten an, dass sie der Lebensmittelindustrie nur wenig oder gar kein Vertrauen entgegenbrächten.

Die Ursache für diese Skepsis sieht das Landwirtschaftsministerium in den Lebensmittelkrisen und -skandalen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Insbesondere der Gammelfleischskandal und die EHEC-Epidemie hatten vielen Verbrauchern den Appetit verdorben.

Für mehr Transparenz soll die Mitte Dezember in Kraft getretene Lebensmittelinformationsverordnung sorgen. Diese EU-Verordnung regelt die Angaben auf Lebensmittelverpackungen: Künftig muss das Verzeichnis der Zutaten auch technisch hergestellte Nanopartikel auflisten, und die Menge bestimmter Zutaten sowie eine Nährwerttabelle müssen ebenfalls angegeben werden. Außerdem müssen allergene Zutaten optisch hervorgehoben werden.

Ganz stringent ist die neue Kennzeichnungspflicht allerdings nicht: Während beim Rindfleisch der Geburtsort des Tieres angegeben werden muss, gilt diese Pflicht bei Schweinen, Hühnern und anderen Tieren nicht. Auch für Milch und Milchprodukte gibt es keine verbindlichen Herkunftsangaben.

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