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Von den Besten lernen

Auch in Deutschland zieht es immer mehr Menschen in die Metropolen. Dort treffen sie oft auf Extreme: Hohes Wachstum und Wohlstand gehen einher mit Armut und Verschuldung. Aber es gibt auch positive Ausnahmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Auch in Deutschland zieht es immer mehr Menschen in die Metropolen, dort treffen sie oft auf Extreme: Hohes Wachstum und Wohlstand gehen einher mit Armut und Verschuldung.
  • In deutschen Großstädten ist die Kaufkraft je Einwohner ebenso überdurchschnittlich wie die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, und der Anteil an Abiturienten ragt genauso heraus wie die Quote der Schulabbrecher.
  • Von 2007 bis 2012 ist der Anteil der Arbeitslosen in Jena um 30 Prozent gesunken – doppelt so stark wie im Durchschnitt aller Großstädte.
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Auf dem Land regiert die Abrissbirne, in den Großstädten mangelt es an Wohnraum – die gegenläufige Bevölkerungsentwicklung wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten intensiv beschäftigen (vgl. iwd 3/2014).

Um herauszufinden, welche Herausforderungen vor allem die Großstädte meistern müssen, hat die IW Consult 62 deutsche Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die typische Großstadt ist – verglichen mit dem bundesdeutschen Durchschnitt – ein Ort der Gegensätze (Grafik):

In deutschen Großstädten ist die Kaufkraft je Einwohner ebenso überdurchschnittlich wie die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, und der Anteil an Abiturienten ragt genauso heraus wie die Quote der Schulabbrecher.

Dass dieses Auseinanderdriften zu sozialen Spannungen führt, versteht sich von selbst. Was aber können die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dagegen tun? Da die meisten Probleme einen ökonomischen Hintergrund haben, bietet es sich förmlich an, sich einmal die Wirtschaftsstruktur jener Großstädte anzuschauen, die deutlich besser abschneiden. Drei Beispiele zeigen, worauf es heute besonders ankommt – auf Forschung und Vernetzung:

Jena. Die „Lichtstadt“ in Thüringen beheimatet 13 Forschungs- und Wissenschaftsinstitute sowie zwei Hochschulen. Da die Schwerpunkte von Wissenschaft und Forschung mit denen der ansässigen Unternehmen übereinstimmen und beide Seiten gut vernetzt sind, hat sich Jena besonders dynamisch entwickelt:

Von 2007 bis 2012 ist der Anteil der Arbeitslosen in Jena um 30 Prozent gesunken – doppelt so stark wie im Durchschnitt aller Großstädte.

Jena glänzt vor allem mit seiner Schwerpunktbranche Optik – aber nicht nur: Auch die Bioanalytik, die Medizintechnik und die Präzisionstechnik sind inzwischen tragende Säulen der Wirtschaft.

Braunschweig. In der „Stadt der Wissenschaft“ (2007) arbeiten 15.000 Menschen in Hochtechnologie-Unternehmen oder in Forschungseinrichtungen. Auch Braunschweig zeichnet sich durch eine intensive Netzwerkarbeit aus. So besteht die 2013 gegründete „Allianz für die Region“ aus 16 gleichberechtigten Gesellschaftern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden. Und das „Gründungsnetzwerk Braunschweig“ wird von 18 Institutionen, Verbänden und Wirtschaftsunternehmen getragen.

Erlangen. Die Stadt in Franken zählt nur rund 100.000 Einwohner, hat aber von allen Großstädten die höchste Ingenieursdichte, den größten Anteil an Hochqualifizierten sowie die höchsten Quoten bei der Personalausstattung im Bereich Forschung und Entwicklung. Zudem leben in der „Siemensstadt“ pro 100 Einwohner nur drei Hartz-IV-Empfänger – so wenig wie in keiner anderen deutschen Großstadt.

Die Studie "Zukunftschancen für Großstädte" erhalten Sie unter www.iwconsult.de/regional.

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