Ausländische Berufsabschlüsse Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Vom Mehaničar zum Mechatroniker

Seit 2012 kann jeder, der im Ausland einen Berufsabschluss erworben hat, diese Qualifikation in Deutschland anerkennen lassen. Die Nachfrage nach diesem Verfahren steigt kontinuierlich – auch dank geänderter Zuwanderungsregeln.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast 80 Prozent der ausländischen Berufsabschlüsse werden in Deutschland anerkannt.
  • Bis Ende 2014 wurden mehr als 36.000 ausländische Berufsabschlüsse voll oder teilweise anerkannt.
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Vom Anerkennungsgesetz, das 2012 in Kraft getreten ist, hatte man sich viel versprochen: Es sollte einen wichtigen Beitrag zur Schließung der Fachkräftelücke leisten und die Integration der in Deutschland lebenden Migranten verbessern. Hierzulande sind etwa 300.000 Migranten arbeitslos oder arbeiten unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, auch weil sie ihren im Ausland erworbenen Berufsabschluss (noch) nicht anerkennen ließen. Dabei sind die Chancen dafür recht gut (Grafik):

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein ausländischer Berufsabschluss in Deutschland anerkannt wird, betrug zuletzt fast 80 Prozent.

Tatsächlich ist das Interesse, ein Anerkennungsverfahren zu durchlaufen, in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Stellten 2012 rund 11.000 Personen einen Antrag, waren es 2014 schon 20.000. Unterm Strich sind bis Ende 2014 in Deutschland mehr als 36.000 ausländische Berufsabschlüsse voll oder teilweise anerkannt worden.

Ursprünglich war das Anerkennungsverfahren für Migranten gedacht, die schon seit längerem in Deutschland leben. Mittlerweile hat es sich auch zu einem Instrument der Zuwanderungssteuerung entwickelt: Im Juli 2013 ist eine Positivliste eingeführt worden, die 41 Berufsgattungen mit einem Mangel an Fachkräften umfasst. Wer aus einem Drittstaat kommt und in einem der gelisteten Mangelberufe ausgebildet worden ist, hat nun leichter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Bei einer Anerkennung ihres Berufsabschlusses erhalten diese Menschen einen Aufenthaltstitel und können ohne Vorrangprüfung eine Beschäftigung in ihrem erlernten Beruf aufnehmen – eine Möglichkeit, die insbesondere in der Kranken- und Altenpflege genutzt wird.

Etwa die Hälfte der Antragsteller hat den ausländischen Berufsabschluss in einem EU-Staat erworben, allerdings ist diese Zahl leicht rückläufig. Im Gegenzug stellen immer mehr Menschen aus Drittstaaten einen Antrag auf Anerkennung. So hat sich die Zahl der Antragsteller aus Bosnien und Herzegowina sowie Serbien, die häufig einen Metall- und Elektroberuf erlernt haben, zwischen 2013 und 2014 verdoppelt.

Von den außereuropäischen Ländern führt Syrien seit 2014 die Liste der antragstärksten Staaten mit großem Abstand an. Das Anerkennungsverfahren könnte somit künftig verstärkt der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt dienen. Denn mit einem anerkannten Berufsabschluss verbessern sich die Chancen der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutlich.

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