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Vom Glück im Wohlstand

Altersarmut, Niedriglöhne, prekäre Beschäftigung – wenn Ausländer diese Schlagworte im Zusammenhang mit Deutschland lesen, könnten sie meinen, die Deutschen lebten am Rande des Existenzminimums. Tatsächlich aber nimmt der Wohlstand hierzulande zu – gleichwohl sind die Bundesbürger nicht glücklicher geworden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Wohlstand nimmt hierzulande zu – gleichwohl sind dieBundesbürger nicht glücklicher geworden.
  • Die persönliche Zufriedenheit steigt zwar mit zunehmendem Einkommen, aber dennoch sind die Menschen nicht glücklicher geworden.
  • Man geht davon aus, dass zwischen Einkommen und Zufriedenheit nur so lange eine wechselseitige Beziehung besteht, bis ein gewisser Lebensstandard erreicht ist.
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"Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm" – dieser Ausspruch aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht gilt mittlerweile für die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung.

Viele Indikatoren signalisieren, dass es den Bundesbürgern kontinuierlich besser geht – sie haben immer größere Wohnungen, die Zahl der Jobs wächst, parallel dazu sinkt die Arbeitslosigkeit, die Menschen werden von mehr Ärzten umsorgt als früher und – last, not least – die rea­len Einkommen steigen und damit der Lebensstandard. Und trotzdem: In den vergangenen 20 Jahren hat die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Leben und mit ihrer Arbeit nicht zugenommen.

Einer der Ersten, der dieses Phänomen thematisiert hat, ist der US-Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer Richard Ainley Easterlin. Er hat in seinen Untersuchungen festgestellt, dass die persönliche Zufriedenheit mit zunehmendem Einkommen zwar steigt, aber im Zeitverlauf die Menschen in entwickelten Staaten nicht glücklicher geworden sind.

Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist am Ende doch plausibel: So steigt die Zufriedenheit des Einzelnen zwar tendenziell mit dem Einkommen. Wichtiger ist aber häufig, wie das eigene Einkommen im Vergleich mit jenen von Freunden, Kollegen und Co. abschneidet, die in ähnlichen Verhältnissen leben, und welche Erwartungen und Ansprüche man daraufhin an sein eigenes Salär stellt.

Allerdings gilt dieser Zusammenhang von Einkommen und Glück nicht für Entwicklungs- und Schwellenländer. Denn dort sind Einkommenssteigerungen häufiger auch mit Zufriedenheitsgewinnen verbunden. Daher geht man davon aus, dass zwischen Einkommen und Zufriedenheit nur so lange eine wechselseitige Beziehung besteht, bis ein gewisser Lebensstandard erreicht ist. Kurzum: Glück kann man zwar kaufen – aber nur bis zu einem gewissen Grad.

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