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Vollzeit-Berlinerinnen

In Deutschland sind die Jobs regional höchst unterschiedlich verteilt. In vielerlei Hinsicht läuft es im Süden am besten, bei der Integration von Frauen in Vollzeitbeschäftigungen liegt jedoch der Osten vorn.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 1998 gingen erst 56 Prozent der Frauen einer Arbeit nach, 2013 waren es bereits mehr als zwei Drittel.
  • Der Anteil der Frauen in Teilzeitbeschäftigung ist zwischen 1998 und 2013 von 18 auf 30 Prozent gestiegen.
  • Die höchsten Vollzeitquoten haben Frauen in Berlin und in den neuen Bundesländern.
Zur detaillierten Fassung

Frauen sind heute wesentlich häufiger erwerbstätig als noch vor 15 Jahren: 1998 gingen erst 56 Prozent der Frauen im Erwerbsalter einer Arbeit nach, 2013 waren es bereits mehr als zwei Drittel. Diese Ausweitung ist vor allem auf die vielen neuen Teilzeitstellen zurückzuführen. Während sich der Anteil der Frauen in Vollzeit an der weiblichen Erwerbsbevölkerung zwischen 1998 und 2013 kaum verändert hat, ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten von 18 auf 30 Prozent gestiegen.

Zum Teil ist diese Entwicklung auf die Gesetzgebung zurückzuführen. Im Jahr 2001 hat die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder ein Recht auf Teilzeit eingeführt, das unter anderem auch die Gleichstellung fördern sollte. Seitdem kann der Wunsch auf Teilzeit vom Arbeitgeber nur dann abgewiesen werden, wenn wichtige betriebliche Gründe dagegen sprechen.

In einer kuriosen Umkehrung der Argumentation erklären heute manche Skeptiker Teilzeit jedoch zu einem arbeitsmarkt- und gleichstellungspolitischen Problem. Sie unterstellen, dass die meisten Frauen unfreiwillig in Teilzeit arbeiteten. Tatsächlich geben aber nur 14 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen an, keine Vollzeitbeschäftigung gefunden zu haben (vgl. iwd 17/2015). Die meisten Frauen mit Teilzeitjobs wollen schlichtweg keine Vollzeitstelle, entweder wegen persönlicher Verpflichtungen (24 Prozent) oder aus anderen Gründen (24 Prozent).

Dass es eben nicht die fehlenden Vollzeitstellen sind, die der Teilzeit den Weg ebnen, zeigt ein regionaler Vergleich: Denn wäre das so, dann müssten Frauen vor allem dort Vollzeit arbeiten, wo der Arbeitsmarkt die besten Voraussetzungen dafür bieten würde – etwa in Bayern (Grafik). Tatsache ist aber:

Die höchsten Vollzeitquoten haben Frauen in Berlin und in den neuen Bundesländern – obwohl es dort in Relation zur Zahl der Arbeitslosen die wenigsten Vollzeitstellen gibt.

Dafür gibt es mindestens zwei Ursachen: Zum einen ist die Kinderbetreuung im Osten besser ausgebaut als im Westen. In Frankfurt an der Oder zum Beispiel werden 63 Prozent der unter Dreijährigen in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut, in Mönchengladbach dagegen nur 16 Prozent. Aber auch kulturelle Unterschiede dürften eine Rolle spielen. Die Frauen in Ostdeutschland gingen schon vor der Wende deutlich häufiger einer Arbeit nach als die Frauen im Westen.

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