Frankreich Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Vive la Trance

Eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit, eine schwächelnde Industrie und eine hohe Staatsverschuldung – die Wirtschaft in Frankreich strauchelt. Die stolze Nation muss sich dringend reformieren, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit, eine schwächelnde Industrie und eine hohe Staatsverschuldung – die Wirtschaft in Frankreich strauchelt.
  • Zwar ist die Kauflaune der Franzosen immer noch gut, aber die Investitionen sind bereits seit mehreren Quartalen rückläufig.
  • Eine Arbeitsstunde in Frankreich ist inzwischen rund 6 Euro teurer als im Durchschnitt der Euroländer.
Zur detaillierten Fassung

In der vergangenen Woche musste Frankreichs Staatschef François Hollande bereits zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten sein Kabinett umbauen, nachdem Premierminister Manuel Valls den Rücktritt der Regierung erklärt hatte. Grund dafür waren Äußerungen des bisherigen französischen Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg, der den harten Sparkurs der EU – und damit vor allem Deutschland – kritisiert hatte.

Die Regierungskrise ist mit dem Umbau des Kabinetts zwar zunächst abgewendet, denn der neue Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gilt als wirtschaftsfreundlich und als Unterstützer des Sparkurses. Allerdings ist es höchste Zeit für umfassende Reformen in Frankreich, denn die jüngsten Anstrengungen reichen bei weitem nicht aus, um eine Krise abzuwenden:

Im Jahr 2013 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um magere 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und in der ersten Jahreshälfte 2014 trat die französische Wirtschaft sogar auf der Stelle.

Selbst die größten Pessimisten unter den Prognostikern hatten zu Jahresbeginn wenigstens ein Miniwachstum vorausgesagt. Stattdessen spitzen sich die wirtschaftlichen Probleme des westlichen Nachbarlands zu. Zwar ist die Kauflaune der Franzosen immer noch gut, aber die Investitionen sind bereits seit mehreren Quartalen rückläufig.

Durch den Anstieg der industriellen Arbeitskosten um knapp ein Drittel in den vergangenen zehn Jahren verliert Frankreich zugleich auch als Produktionsstandort an Attraktivität:

Eine Arbeitsstunde in Frankreich ist inzwischen rund 6 Euro teurer als im Durchschnitt der Euroländer.

Rund ein Drittel der Arbeitskos­ten entfällt allein auf die Sozialbeiträge und andere Lohnnebenkosten – in Deutschland sind es dagegen nur rund 21 Prozent.

Die französische Industrie ist allerdings nicht nur teuer, sie steckt auch in einer existenziellen Krise: Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung hat sich von 20 Prozent Anfang der 1980er Jahre auf gerade mal 10 Prozent halbiert.

Auch im nächsten Jahr wird es Frankreich wohl nicht schaffen, das Haushaltsdefizit unter den EU-Grenzwert von 3 Prozent des BIP zu bringen – dabei hatte die EU-Kommission dem Land bereits zwei Jahre zusätzlich eingeräumt, dieses Ziel zu erreichen. Die Staatsverschuldung ist mittlerweile fast so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de