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Vieles geht, aber längst nicht alles

Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudien­gänge sollten auch die Möglichkeiten des lebenslangen Lernens erweitert werden. Zurzeit kann man in Deutschland rund 2.700 Studiengänge parallel zum Beruf absolvieren, meist in Teilzeit. Flexiblere Angebote mit Präsenzphasen am Wochenende und Internetvorlesungen sind noch eher selten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Zurzeit kann man in Deutschland rund 2.700 Studiengänge parallel zum Beruf absolvieren.
  • An den privaten Universitäten und Fachhochschulen ist fast die Hälfte der Studienangebote neben dem Beruf studierbar.
  • Bei den staatlichen Hochschulen liegt dieser Anteil bei 20 Prozent.
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Um neben dem Job zu studieren, braucht es nicht nur entsprechend flexible Angebote. Auch die Zugangsmöglichkeiten sollten von der Bildungspolitik entsprechend gestaltet werden. Tatsächlich benötigt man heute nicht mehr zwingend das Abi­tur, um zu studieren.

Seit 2009 gelten berufliche Fortbildungsabschlüsse wie Meister oder Fachwirt als allgemeine Hochschulreife. Und auch Absolventen einer Berufsausbildung stehen nach wenigen Jahren Berufserfahrung die Hochschulen offen, ohne einen Meis­ter oder Fachwirt vorweisen zu müssen. Ihnen können sogar bis zu 50 Prozent der im Studium erforderlichen Credit Points durch Lernleis­tungen aus dem Berufsbildungssys­tem angerechnet werden.

Der Hochschulrektorenkonferenz zufolge gibt es vier Varianten, um neben dem Beruf zu studieren: berufsbegleitend, berufsintegrierend, in Teilzeit oder als Fernstudium. Die Suchmaschine der Hochschulrektorenkonferenz, der Hochschulkompass, listet insgesamt rund 3.300 solcher Studiengänge auf. Allerdings ist diese Zahl zu groß, denn viele Hochschulen ordnen ihre Studiengänge mehreren Kategorien zu.

Berücksichtigt man jeden genannten Studiengang nur einmal, so kommt man aktuell auf 2.723 Studiengänge, die sich mit dem Beruf vereinbaren lassen.

Das entspricht einem Anteil von 17 Prozent an allen Bachelor- und Masterstudiengängen, wobei rund 20 Prozent der Masterstudiengänge und 15 Prozent der Bachelorstudiengänge für Berufstätige geeignet sind. Nicht einbezogen in diese Zählung sind die rund 1.100 dualen Studiengänge, von denen sich nur 127 Masterstudiengänge auch an Berufstätige richten.

Die vier Studienarten im Detail (Grafik):

  1. Das Teilzeitstudium ist die am weitesten verbreitete Studienmöglichkeit für Berufstätige – mehr als die Hälfte der berufsbegleitenden Studiengänge entfällt auf diese Studienform. Beim Teilzeitmodell können Berufstätige das Studium mit einem Zeitaufwand von 50 Prozent des sonst üblichen Stundenplans erfüllen – entsprechend verlängert sich also die Studienzeit. Da von Teilzeitstudenten erwartet wird, dass sie bei Seminaren und Vorlesungen anwesend sind, müssen diese meist ihre Arbeitszeit für die Dauer des Studiums reduzieren.
  1. Berufsbegleitende Studienmöglichkeiten sind anders als das Teilzeitstudium auch neben einer Vollzeitberufstätigkeit realisierbar, da die Präsenzanteile geringer sind. Studiert wird größtenteils in Eigenregie unter Nutzung von Onlineseminaren und -vorlesungen. Berufsbegleitende Studiengänge machen gut ein Viertel des Angebots aus.
  1. Das Fernstudium ist die Studienform, die sich vor allem als Selbststudium eignet. Denn die Studieninhalte können zeitlich und räumlich unabhängig vom Lehrbetrieb der Hochschule durchgearbeitet werden. Beim Fernstudium wird intensiv mit virtuellen Vorlesungen und Seminaren gearbeitet. Noch sind lediglich gut 12 Prozent der Angebote für Berufstätige aus der Ferne studierbar. Das Interesse, am akademischen Leben aus dem heimischen Wohnzimmer heraus teilzuhaben, wächst allerdings deutlich (vgl. iwd 38/2014).
  1. Berufsintegrierende Studiengänge richten sich an Interessenten mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung. Der Zugang ist auch ohne Fachhochschulreife oder allgemeine Hochschulreife möglich und wird mit einer beruflichen Teilzeittätigkeit kombiniert, die einen inhaltlichen Bezug zum Studium hat. Hochschule und Betrieb treffen dabei eine Vereinbarung über die Freistellung des Mitarbeiters. Lediglich 4 Prozent des Angebots für Berufstätige zählen zu dieser Studienform, die im Unterschied zu den drei anderen Varianten eine Koordination von Hochschule und Unternehmen erfordert.

Besonders eifrig bemühen sich die privaten Hochschulen um Berufstätige mit Studienambitionen:

An den privaten Universitäten und Fachhochschulen ist nahezu die Hälfte des Studienangebots neben dem Beruf studierbar.

Bei den staatlichen und den kirchlichen Hochschulen liegt dieser Anteil unter 20 Prozent.

Während die staatlichen Angebote zu zwei Dritteln darin bestehen, Vollzeitstudiengänge auch in Teilzeit anzubieten, setzen die privaten Hochschulen stärker auf eine Reduzierung der Anwesenheitspflichten. Bei ihnen ist der Anteil an berufsbegleitenden Studiengängen (45 Prozent) sowie an Fernstudiengängen (20 Prozent) deutlich höher als bei den staatlichen Hochschulen (22 beziehungsweise 9 Prozent).

Zugleich machen berufsintegrierende Studienmöglichkeiten, die an die inhaltlichen Erfahrungen von Studenten ohne Hochschulzugangsberechtigung anknüpfen, annähernd 10 Prozent des Angebots der Privaten aus, bei den staatlichen Hochschulen erst gut 2 Prozent.

Besonders viele Studienoptionen für Berufstätige gibt es in den Gesundheitswissenschaften (Grafik):

Vier von zehn Studiengängen sind flexibel organisiert, rund zwei Drittel davon als Fernstudium oder berufsbegleitend.

Etwa 5 Prozent der Studiengänge in den Gesundheitswissenschaften haben als berufsintegrierende Angebote einen inhaltlichen Bezug zu den beruflichen Erfahrungen. Damit bieten sich für Bildungsaufsteiger aus dem berufsbildenden System in den Gesundheitswissenschaften die meisten Chancen, zu akademischen Weihen zu kommen – in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern beträgt das berufsintegrierende Angebot gerade einmal 0,5 Prozent.

Insgesamt sind in den Ingenieurwissenschaften 16 Prozent der Studienangebote neben dem Beruf machbar. Immerhin die Hälfte dieser Studiengänge gehört zu den besonders eigenverantwortlich gestaltbaren Varianten wie dem Fern- oder dem berufsbegleitenden Studium.

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