EU-Osterweiterung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Viele Sorgen sind passé

Die Aufnahme von acht mittel- und osteuropäischen Ländern – plus Malta und Zypern – in die Europäische Union 2004 sahen viele Unternehmen in Deutschland eher skeptisch. Sie rechneten unter anderem mit einem höheren Konkurrenzdruck. Eine aktuelle IW-Umfrage zeigt aber, dass die Auswirkungen der Erweiterung auf die deutsche Wirtschaft überschaubar geblieben sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Aufnahme von acht mittel- und osteuropäischen Ländern – plus Malta und Zypern – in die Europäische Union 2004 sahen viele Unternehmen in Deutschland eher skeptisch.
  • Knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen befürchtete vor zehn Jahren, dass der Konkurrenzdruck durch die EU-Osterweiterung deutlich zunehmen würde.
  • Von den im Frühjahr 2014 befragten Unternehmen gab nur rund jedes zehnte an, durch in Deutschland tätige Firmen aus Mittel- und Osteuropa oder durch Importe aus diesen Ländern stark unter Druck geraten zu sein.
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Am 1. Mai 2004 bekam die europäische Staatenfamilie so viel Zuwachs wie nie zuvor (vgl. iwd 15/2014). Auch wenn die neuen Mitglieder offiziell herzlich begrüßt wurden, so waren doch in den bisherigen EU-Staaten auch pessimistische Stimmen zu hören. Die Sorgen galten vor allem der Wirtschaft, schließlich bedeutete der vergrößerte Binnenmarkt auch mehr Wettbewerb.

Viele Unternehmen in Deutschland zählten damals ebenfalls zu den Skeptikern, wie die IW-Konjunktur­umfrage vom Frühjahr 2004 belegt. In deren Rahmen sollten sich die Firmen zu möglichen Auswirkungen der EU-Beitritte äußern – wobei Malta und Zypern unberücksichtigt blieben. Und das kam heraus:

Knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen befürchtete vor zehn Jahren, dass der Konkurrenzdruck durch die EU-Osterweiterung deutlich zunehmen würde.

Die Firmen gingen zum einen von mehr Importen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern aus, zum anderen von Verdrängungseffekten durch von dort stammende Betriebe, die ihre Leistungen in Deutschland erbringen würden – etwa Baufirmen.

Ein weiteres Drittel der Befragten rechnete mit geringen Wettbewerbs­effekten infolge der vergrößerten EU, die übrigen Unternehmen erwarteten keine Veränderung.

Schon ein Jahr später hatten sich viele Sorgen offenbar zerstreut. Als das IW Köln in seiner Frühjahrsumfrage 2005 nach einer ersten Bilanz der EU-Osterweiterung fragte, gaben zum Beispiel nur 16 Prozent der Unternehmen an, durch Importe aus Mittel- und Osteuropa in erheblichem Maße unter Druck geraten zu sein. Mehr als die Hälfte der Firmen konnte keine entsprechenden Auswirkungen feststellen.

Inzwischen sind zehn Jahre seit der Osterweiterung der EU vergangen – Anlass für das IW Köln, die Betriebe in Deutschland nochmals um eine Bilanz zu bitten. Das Ergebnis (Grafik):

Von den im Frühjahr 2014 befragten Unternehmen gab nur rund jedes zehnte an, durch in Deutschland tätige Firmen aus Mittel- und Osteuropa oder durch Importe aus diesen Ländern stark unter Druck geraten zu sein.

Fast zwei Drittel der Befragten verneinten dagegen die Frage nach solchen Auswirkungen. Auch andere frühere Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet.

Beim Blick auf einzelne Wirtschaftssektoren zeigt sich, dass die Industrie und das Baugewerbe insgesamt stärker von der EU-Erweiterung beeinflusst worden sind als die Dienstleister. Immerhin 44 Prozent der Industriefirmen berichten von einem geringfügig oder sogar deutlich höheren Rationalisierungsdruck. Und 54 Prozent der Bau­unternehmen sagen, Firmen aus Mittel- und Osteuropa würden ihnen hierzulande etwas oder sogar erheblich mehr Konkurrenz machen.

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