Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Fachkräfte Lesezeit 3 Min.

Viele baldige Rentner üben Engpassberufe aus

In den kommenden zehn bis 15 Jahren gehen Millionen von Erwerbstätigen in Rente. Ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt wird viele heute schon bestehende Fachkräfteengpässe weiter verstärken.

Kernaussagen in Kürze:
  • In den kommenden zehn bis 15 Jahren scheiden altersbedingt mehr als 8,5 Millionen Erwerbstätige aus dem Arbeitsmarkt aus, von diesen üben 3,6 Millionen einen Engpassberuf aus.
  • Gut 4,6 Millionen der Erwerbstätigen über 55 Jahre sind aktuell als Fachkraft tätig.
  • Innerhalb der kommenden zehn bis 15 Jahre werden mehr als 60.000 Bus- und Straßenbahnfahrer altersbedingt den Arbeitsmarkt verlassen. Zu Knappheiten dürfte es auf Fachkraftniveau unter anderem auch bei Lkw-Fahrern und in der Überwachung des Eisenbahnverkehrs kommen.
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Es gibt viele Ansätze, dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen: mehr Frauen in Vollzeit-Arbeitsplätze bringen, die Einwanderung von qualifizierten Arbeitskräften fördern, künstliche Intelligenz einsetzen. Doch was liegt näher, als ältere Beschäftigte, die über viel Berufserfahrung und reichlich Spezialwissen verfügen, länger im Arbeitsmarkt zu halten?

Von den insgesamt 33,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland zählen rund 8,5 Millionen zur Altersgruppe 55 plus – das heißt, sie werden den Arbeitsmarkt innerhalb der kommenden zehn bis 15 Jahre verlassen.

Tatsächlich hat genau dieser Ansatz in den vergangenen Jahren schon einigen Erfolg gezeigt: So ist der Anteil an Menschen ab 55 Jahren, die bis zum Rentenalter einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, an der gesamten Altersgruppe innerhalb eines Jahrzehnts stetig gestiegen – von 46,6 Prozent im Jahr 2016 auf 60,3 Prozent im Jahr 2025.

Allerdings wird das nicht reichen, um die Löcher zu stopfen, die die große Gruppe der künftigen Neurentner reißen wird. Ein Blick in die Arbeitsmarktstatistik offenbart, wie immens das Problem ist: Von den insgesamt 33,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland zählen rund 8,5 Millionen zur Altersgruppe 55 plus – das heißt, sie werden den Arbeitsmarkt innerhalb der kommenden zehn bis 15 Jahre verlassen. Der Anteil der Demnächst-Rentner macht derzeit 25,4 Prozent aus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag ihr Anteil erst bei 18,9 Prozent.

Ein Großteil dieser Personen geht Jobs nach, bei denen die Unternehmen bereits heute Schwierigkeiten haben, freie Arbeitsplätze nachzubesetzen:

Von denjenigen, die in den nächsten zehn bis 15 Jahren altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, üben 3,6 Millionen einen Engpassberuf aus.

Sie arbeiten also in Bereichen, in denen jetzt schon zu wenig Fachkräfte verfügbar sind.

Besonders hart wird die bevorstehende Welle von Verrentungen Jobs treffen, die in der Regel eine berufliche Ausbildung erfordern (Grafik):

4,6 Millionen der 8,5 Millionen Erwerbstätigen über 55 Jahre sind aktuell als Fachkraft tätig.

So viel Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten im Jahresdurchschnitt zwischen Juli 2024 und Juni 2025 in Berufen mit diesem Anforderungsniveau Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Doch was heißt das konkret? Dass beispielsweise in absehbarer Zeit mehr als 60.000 Bus- und Straßenbahnfahrer altersbedingt den Arbeitsmarkt verlassen – ein Beruf, der für die Infrastruktur und die Verkehrswende zentral ist. Zu Knappheiten dürfte es auf Fachkraftniveau unter anderem auch bei Lkw-Fahrern und in der Überwachung des Eisenbahnverkehrs kommen.

Auf Spezialisten- und Expertenniveau ist ebenfalls mit großen Lücken zu rechnen (Grafik):

Vier von zehn Personen, die als Aufsicht im Hochbau beschäftigt sind – dazu zählen Hochbaupolierer, Beton- und Stahlbetonmeister sowie Meister im Hochbau –, sind 55 Jahre und älter.

So viel Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen Engpassberufen waren im Jahresdurchschnitt zwischen Juli 2024 und Juni 2025 älter als 54 Jahre Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Auch in der Elektrotechnik, in der Aufsicht im Rettungsdienst und in der Bauplanung sind die Beschäftigtenanteile Älterer vergleichsweise hoch. Und selbst in jenen Berufen, die aktuell noch keine Engpässe aufweisen, kann der demografische Wandel dazu führen, dass es dort künftig zu einem Fachkräftemangel kommt.

Unternehmen können dazu beitragen, ältere Beschäftigte länger im Arbeitsleben zu halten

Um die Engpässe durch das altersbedingte Austreten der geburtenstarken Jahrgänge abzumildern, sollten Unternehmen und Politik deshalb alles dafür tun, um sie länger im Arbeitsleben zu halten:

Betriebe sollten beispielsweise eine altersgerechte Personalstrategie entwickeln, um ältere Beschäftigte länger gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten. Das gelingt etwa durch altersgerechte Arbeitsbedingungen wie flexible Arbeitszeiten und mobile Arbeitsmöglichkeiten, reduzierte Stundenumfänge und ergonomisch optimal gestaltete Arbeitsplätze. Damit Expertenwissen von älteren Beschäftigten nicht verloren geht, sollten zudem verstärkt altersgemischte Teams gebildet werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Aus- und Weiterbildungen so zu öffnen und zu gestalten, dass sie auch den Bedürfnissen älterer Beschäftigter entsprechen.

Die Politik sollte Maßnahmen ergreifen, die einen freiwilligen längeren Verbleib im Erwerbsleben erleichtern. Die Flexirente ist ein solches Instrument, da sie flexible Übergänge und individuelle Entscheidungen unterstützt. Darüber hinaus braucht es eine Bildungsoffensive, die eine frühzeitige und praxisnahe Berufsorientierung beinhaltet, um mehr junge Leute für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen.

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