Bosnien und Herzegowina Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Viel zu tun

Mitte Februar hat der Balkanstaat die Mitgliedschaft in der EU beantragt. Die Voraussetzungen für einen Beitritt erfüllt das Land aber noch lange nicht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bosnien und Herzegowina hat die Mitgliedschaft in der EU beantragt, die Beitrittsvoraussetzungen erfülltder Balkanstaat aber noch lange nicht.
  • Er ist derzeit kaum in der Lage, dem Wettbewerbsdruck in der EU standzuhalten - mit einer hohen Arbeitslosigkeit von schätzungsweise 27 Prozent und einer niedrigen Erwerbsquote von knapp 60 Prozent.
  • Kritik gibt es zudem an der reformbedürftigen Verfassung.
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Gut 20 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs in Bosnien und Herzegowina hat der Mehrvölkerstaat nun den Beitrittsantrag gestellt. Damit ist das Land noch kein offizieller Kandidat, es hat aber eine Beitrittsperspektive.

Wirtschaftlich befindet sich Bosnien und Herzegowina nach Einschätzung der EU-Kommission „in einem frühen Stadium“ des Aufbaus einer funktionierenden Marktwirtschaft. Das Land ist zudem derzeit kaum in der Lage, dem Wettbewerbsdruck in der EU standzuhalten. Ein Indikator dafür ist die sehr hohe Arbeitslosigkeit von schätzungsweise 27 Prozent (Grafik).

Noch viel höher ist die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-jährigen Erwerbspersonen – 63 Prozent von ihnen hatten 2014 keinen Job. Der EU-Durchschnitt lag bei 22 Prozent.

Zugleich ist die Erwerbsquote, also der Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige plus Arbeitslose) an der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren, mit knapp 60 Prozent relativ niedrig. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der 28 EU-Staaten liegt die Quote bei rund 77 Prozent.

Die meisten Beschäftigten – etwas mehr als die Hälfte – arbeiten im Dienstleistungssektor, gefolgt von der Industrie mit 22 Prozent. In der Landwirtschaft sind gut 17 Prozent tätig und auf das Baugewerbe entfallen 8 Prozent der Beschäftigten.

Um die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, empfiehlt die EU-Kommission, die starren Arbeitsmarktstrukturen zu lockern und die Steuer- und Abgabenbelas­tung der Arbeit zu senken. Einer Studie des Internationalen Währungsfonds zufolge könnten die Geldüberweisungen von im Ausland arbeitenden Verwandten mitverantwortlich sein für die hohe Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2014 beliefen sich diese Überweisungen auf fast 2 Milliarden Euro, also gut 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Gemessen am EU-Durchschnitt liegt das BIP je Einwohner – um Kaufkraftunterschiede bereinigt – gerade mal bei gut einem Viertel. Bosnien und Herzegowina zählt damit neben Albanien und dem Kosovo zu den ärmsten Ländern des Westbalkans.

Etwas besser fällt das Urteil der EU-Kommission hinsichtlich einiger politischer Kriterien aus: Beim Jus­tizsystem und der Bekämpfung der Korruption seien die Vorbereitungen auf den EU-Beitritt immerhin auf „einem gewissen Stand“.

Deutliche Kritik gibt es an der Verfassung des Landes: Bereits 2009 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt, die bosnische Verfassung verstoße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Die geforderte Reform kam aber nicht zustande. Denn Bosniaken (sie stellen 48 Prozent der Bevölkerung), Serben (33 Prozent) und Kroaten (15 Prozent) haben ganz unterschiedliche Interessen – zum Beispiel wenn es darum geht, wie politische Kompetenzen auf die verschiedenen staatlichen Ebenen verteilt werden sollen.

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