Entgeltfortzahlung Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Viel Kohle für Kranke

Bei Erkrankung eines Mitarbeiters zahlen die Unternehmen nicht nur das Bruttogehalt weiter, sondern auch den Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung. Insgesamt sind die Beträge für die Entgeltfortzahlung seit 2006 stetig gestiegen – aus mehreren Gründen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bei Erkrankung eines Mitarbeiters zahlen die Unternehmen nicht nur das Bruttogehaltweiter, sondern auch den Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung.
  • Das Bundessozialministerium beziffert die Kosten, die den Unternehmen durch die Fortzahlung der Löhne und Gehälter im Krankheitsfall entstehen, für 2011 auf 31 Milliarden Euro.
  • Insgesamt sind die Beträge für die Entgeltfortzahlung seit 2006 stetig gestiegen.
Zur detaillierten Fassung

Egal, ob ein Arbeitnehmer nur ein paar Tage wegen einer Bronchitis fehlt oder ihn ein gebrochenes Bein über Wochen außer Gefecht setzt: Auf sein Gehalt muss er nicht verzichten – die Firma zahlt während der ersten sechs Wochen (Grafik):

Das Bundessozialministerium beziffert die Kosten, die den Unternehmen durch die Fortzahlung der Löhne und Gehälter im Krankheitsfall entstehen, für 2011 auf 31 Milliarden Euro.

Das waren immerhin fast 3 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttolohn- und Gehaltssumme. Hinzu kamen 5,3 Milliarden Euro, die die Arbeitgeber an Sozialversicherungsbeiträgen abführten.

Erst wenn ein Arbeitnehmer länger als sechs Wochen aus ein und demselben Grund ausfällt, übernimmt seine Krankenversicherung das Ruder und zahlt Krankengeld – allerdings nur 70 Prozent des letzten Nettoentgelts. Hierfür gaben AOK und Co. im vergangenen Jahr 8,5 Milliarden Euro aus – Geld, das am Ende auch wieder Arbeitgeber und Beschäftigte durch ihre Sozialbeiträge finanzieren.

Dass die Arbeitgeberzahlungen für erkrankte Mitarbeiter seit dem Jahr 2006 wieder ansteigen, hat mehrere Ursachen:

Mehr Arbeitsplätze.

Seit 2005 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 2,2 Millionen gestiegen. Selbst bei unverändertem Krankenstand bedeutet dies einen höheren finanziellen Aufwand für die Entgeltfortzahlung.

Höherer Krankenstand.

Tatsächlich aber fielen die Arbeitnehmer zuletzt öfter aus – 2011 waren im Jahresdurchschnitt 3,8 Prozent aller gesetzlich Pflichtversicherten krank, gegenüber 3,2 Prozent im Jahr 2007.

Höhere Gehälter.

Aufgrund der Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre müssen die Arbeitgeber auch im Krankheitsfall tiefer in die Tasche greifen.

Die auf die Betriebe entfallenden Beitragssätze zur Sozialversicherung waren 2011 zwar um insgesamt gut 1,2 Prozentpunkte niedriger als in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Geholfen hat das am Ende aber nur wenig. Den Kostenzuwachs für die Entgeltfortzahlung konnte dies allenfalls bremsen, aber nicht ausgleichen.

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