Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Wettbewerbsfähigkeit Lesezeit 2 Min.

Viel Arbeitszeit für Bürokratie

Trotz mehrerer Entlastungsgesetze sieht sich jeder dritte Beschäftigte in Deutschland stärker mit Berichts- und Dokumentationspflichten beschäftigt als noch vor zwei Jahren. Der Staat muss den Bürokratieabbau endlich konsequent angehen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Rund ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland hat das Gefühl, ihr Arbeitsaufwand zur Erfüllung von Berichts- und Dokumentationspflichten habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen.
  • Vor allem Führungskräfte fühlen sich stärker durch die bürokratischen Pflichten in Beschlag genommen. Im Durchschnitt gaben sie an, rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür aufzuwenden; für Beschäftigte ohne Führungsverantwortung lag der Wert bei gut 23 Prozent.
  • Die Regierung sollte neben den Berichts- und Dokumentationspflichten auch konsequent Genehmigungsprozesse verschlanken sowie bestehende Regulierungen prüfen und gegebenenfalls lockern.
Zur detaillierten Fassung

Die deutsche Wirtschaft ächzt zunehmend unter der ausufernden Bürokratie. Mittlerweile sieht die Mehrheit der Unternehmen den Abbau von Regulierung und Berichtspflichten als eine der dringendsten Aufgaben der Bundesregierung an (siehe "Was die Unternehmen von der neuen Bundesregierung erwarten").

Zwar verabschiedeten die jeweiligen Koalitionen zwischen 2015 und 2024 insgesamt vier Bürokratieentlastungsgesetze, diese hatten aus Sicht der Unternehmen jedoch kaum eine Wirkung – unter anderem, weil gleichzeitig die Zahl der Bundesgesetze und EU-Verordnungen stark zunahm. Auch die Arbeitnehmer fühlen sich durch den Bürokratieaufwand stärker be- als entlastet, wie die aktuelle IW-Beschäftigtenbefragung zeigt (Grafik):

Rund ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland hat das Gefühl, ihr Arbeitsaufwand zur Erfüllung von Berichts- und Dokumentationspflichten habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Dagegen empfinden weniger als 8 Prozent, dass diese Pflichten weniger geworden seien.

So viel Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben das Gefühl, ihr Arbeitsaufwand zur Erfüllung von Berichts- und Dokumentationspflichten habe sich von 2023 bis 2025 so entwickelt Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Vor allem Führungskräfte – die besonders die Verantwortung tragen, auf die Einhaltung von Regelungen beispielsweise im Arbeits- oder Datenschutz zu achten – fühlen sich stärker durch die bürokratischen Pflichten in Beschlag genommen. So nehmen 41 Prozent von ihnen dafür einen höheren Zeitaufwand wahr als noch vor zwei Jahren. Im Durchschnitt gaben sie an, rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür aufzuwenden; für Beschäftigte ohne Führungsverantwortung lag der Wert bei gut 23 Prozent.

Trotz der Bürokratieentlastungsgesetze hat rund ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland das Gefühl, ihr Arbeitsaufwand zur Erfüllung von Berichts- und Dokumentationspflichten habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen.

Die Bundesregierung scheint den Handlungsbedarf zwar erkannt zu haben, in der Praxis ist davon bislang allerdings wenig zu spüren. So sollten der angekündigte „Herbst der Reformen“ umfassende Maßnahmen zum Bürokratieabbau beinhalten und die Bürokratiekosten für die Wirtschaft laut Koalitionsvertrag um 25 Prozent sinken. Bislang fehlen dafür aber bis auf den Bau-Turbo – ein Gesetzentwurf, der den Wohnungsbau durch einfachere und schnellere Genehmigungsverfahren beschleunigen soll – konkrete Schritte. Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, sollte die Regierung neben den Berichts- und Dokumentationspflichten auch konsequent Genehmigungsprozesse verschlanken sowie bestehende Regulierungen prüfen und gegebenenfalls lockern.

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