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Verlustgeschäft private Altersvorsorge

Was lohnt sich, was lohnt sich nicht? Wer privat fürs Alter vorsorgt, kann am Ende eine böse Überraschung erleben, wie eine IW-Studie zeigt. Denn von vielen Vorsorgeprodukten bleibt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben mitunter nur die Hälfte der Ansparsumme übrig.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bei vielen Produkten der privaten Altersvorsorge bleibt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben nur die Hälfte der Ansparsumme übrig.
  • Für Geringverdiener ist die Riester-Rente die vorteilhafteste Anlage.
  • Für Normalverdiener lohnt sich die Riester-Rente am Ende nur, wenn sie mindestens zwei Kinder haben.
Zur detaillierten Fassung

Ginge es nach Arbeitsministerin Andrea Nahles, bekäme jeder Arbeitnehmer automatisch eine betriebliche Zusatzversorgung – es sei denn, er oder sie spricht sich dagegen aus. Mithilfe dieser Opt-out-Regelung und anderen staatlichen Eingriffen will Nahles die private Altersvorsorge weiter stärken. Grundsätzlich ist dies eine gute Idee – gleichwohl ist der Vorstoß problematisch, denn der Staat ist nicht per se der beste Anlageberater. Schon heute ist die staatliche Förderkulisse für die private Altersvorsorge nicht nur äußerst komplex, sondern sie kann auch zu erheblichen Marktverzerrungen führen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

Aufgrund der aktuellen Förderung der privaten Altersvorsorge investieren viele Anleger in Produkte, die sich zwar aus steuerlicher Sicht zu lohnen scheinen, sich aber nachträglich oft als wenig rentabel erweisen.

Aufgrund unterschiedlicher steuerlicher Behandlungen sowie abweichender Förderungen und Regulierungen scheinen einige private Altersvorsorgeformen zunächst attraktiver zu sein als andere. Mitunter lenkt der Staat Anleger so in Produkte, die sich auf lange Sicht jedoch als wenig rentabel erweisen (Grafik):

So langt der Staat beispielsweise bei nicht zertifizierten Fondssparplänen unter anderem aufgrund der Abgeltungs- und Einkommenssteuer so kräftig zu, dass in Niedrigzinsphasen weniger als 100 Prozent vom eingezahlten Kapital übrigbleiben – der Anleger macht also Verluste.

Besserverdienende bekommen nach Steuern laut IW-Simulation bei einer Anlage in nicht zertifizierte Fondssparpläne rund 67 Prozent ihrer Ansparsumme heraus, Normalverdiener kommen auf knapp 80 Prozent und selbst Geringverdiener erhalten netto weniger Geld zurück, als sie brutto eingezahlt haben.

Riester-Rente lohnt sich meist nur für Geringverdiener

Für Geringverdiener ist die Riester-Rente die steuerlich rentabelste Anlage, doch bereits für einen Normalverdiener mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 35.000 Euro bleibt bei sehr niedrigen Zinsen von der Riester-Rente nach Steuern nur dann mehr als das angesparte Bruttokapital übrig, wenn er mindestens zwei Kinder hat.

Berücksichtigt man außer den steuerlichen Regeln auch noch die zur Sozialversicherungspflicht, ändert sich das Bild erneut. Für Normalverdiener ist dann die betriebliche Altersversorgung die steuerlich rentabelste Anlage. Bei anderen Produkten wie Lebensversicherungen oder nicht geförderten Fondssparplänen bleibt nach allen Abgaben gerade einmal die Hälfte oder sogar noch weniger übrig. Für Geringverdiener lohnt sich unter Steuer- und Abgabenaspekten neben der betrieblichen Altersversorgung noch die Riester-Rente sowie – wenn auch mit weitaus geringeren Erträgen – die Rürup-Rente.

Beschränkung auf die nachgelagerte Besteuerung sinnvoll

Die gegenwärtige Förderkulisse der privaten Altersvorsorge führt dazu, dass viele Anleger in Produkte investieren, die zwar aus steuerlicher Sicht als lohnend erscheinen, die sich aber nachträglich als wenig rentabel erweisen können. Der Staat sollte deshalb nicht nur einige wenige Rentenprodukte steuerlich fördern, sondern deutlich mehr. Statt bestimmte Vorsorgeprodukte explizit zu benennen (Positivauswahl), wäre es sinnvoll, künftig nur auf diejenigen Anlageformen hinzuweisen, die für die Altersvorsorge ungeeignet sind und die deshalb nicht gefördert werden (Negativauswahl). Die Förderung selbst sollte sich auf die nachgelagerte Besteuerung beschränken, da diese – im Gegensatz zur Doppelbesteuerung – entscheidende Vorteile für die Anleger bietet.

IW-Report 23/2016

Susanna Kochskämper: Die Förderkulisse der privaten Altersvorsorge – Status quo und Reformoptionen

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