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Außenhandel Lesezeit 3 Min.

USA und EU: Ein unrealistischer Energie-Deal

Im Zollabkommen zwischen der EU und den USA haben beide Seiten massive europäische Energieimporte aus den Vereinigten Staaten vereinbart. Praktisch lässt sich die Abmachung aber nicht umsetzen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Neben der Einigung über Importzölle enthält das Abkommen zwischen der EU und den USA auch das Versprechen der Europäer, bis 2028 US-Energie im Wert von 750 Milliarden Euro zu importieren.
  • Zwar sind die USA einer der wichtigsten Energielieferanten Europas, die Einfuhren müssten sich allerdings fast verdreifachen, um auf das angestrebte Volumen zu kommen.
  • Auch Kapazitätsgründe sprechen gegen die Umsetzbarkeit der Vereinbarung. Sie dient daher eher als politisches Zeichen: Trump demonstriert Verhandlungsstärke, die EU Entgegenkommen.
Zur detaillierten Fassung

Medienwirksam reichten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump am 27. Juli dieses Jahres die Hand und beendeten so (vorläufig) den Handelskonflikt zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Neben der Einigung über Importzölle enthält das Abkommen auch das Versprechen der EU, bis 2028 US-Energie im Wert von 750 Milliarden Euro zu importieren. Dies soll einen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Staatengemeinschaft liefern und der endgültigen Abkehr von russischen Energielieferungen dienen, die sich im vergangenen Jahr immerhin noch auf 28 Milliarden Euro beliefen.

Kritiker sehen in der Vereinbarung eine Gefahr für die Energiewende in der EU sowie das Risiko neuer Abhängigkeiten, wie sie etwa gegenüber Russland vor dem Ukraine-Krieg bestanden. Um die Tragweite abschätzen zu können, lohnt ein genauerer Blick auf die Umsetzbarkeit des Energie-Deals.

Zunächst lässt sich festhalten, dass die USA auch ohne die zusätzlichen Investitionen einer der wichtigsten Partner Europas im Energiesektor sind. Zuletzt kam vor allem fossile Energie aus Übersee (Grafik):

Im Jahr 2024 stammte fast ein Drittel aller Kohleimporte der EU aus den USA.

Anteil der US-Energieimporte an allen Energieimporten der EU im Jahr 2024 in Prozent Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Beim Erdgas und beim Öl lag der Anteil jeweils bei gut 16 Prozent.

Schaut man sich die absoluten Werte an, dreht sich die Reihenfolge zugunsten von Erdöl (Grafik):

Im Jahr 2024 importierten die EU-Staaten Erdöl aus den Vereinigten Staaten im Wert von knapp 49 Milliarden Dollar.

Energielieferungen aus den USA in die EU im Jahr 2024 in Milliarden Dollar Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Das komplette Importvolumen aus den Vereinigten Staaten im Energiesektor betrug zuletzt annähernd 77 Milliarden Dollar.

Um die Vorgaben aus der jüngsten Vereinbarung umzusetzen und bis 2028 insgesamt 750 Milliarden Dollar in US-Energie zu investieren, müsste sich dieser Wert in den kommenden drei Jahren mehr als verdreifachen. Zur Einordnung: Im vergangenen Jahr importierte die EU aus allen Teilen der Welt zusammengenommen Energieträger für rund 440 Milliarden Dollar.

Die EU-Kommission kann zu importierende Energiemengen nicht zentral festlegen

Diese Zahlen verdeutlichen bereits, wie unrealistisch der ausgehandelte Deal ist. Dazu kommen praktische Probleme:

Die USA können ihre Exporte kurzfristig nicht beliebig erhöhen. Viele Flüssiggas-Terminals waren bereits 2024 an ihrer Kapazitätsgrenze. Neue Exportanlagen befinden sich zwar im Bau, werden aber voraussichtlich erst nach 2028 in Betrieb gehen.

Unterm Strich dient die Absprache zwischen der EU und den USA für den Energiesektor eher als politisches Zeichen. Praktisch umsetzen lässt sich die Vereinbarung nicht.

Zudem dürften US-Investoren von der Vereinbarung mit der EU wenig beeindruckt sein: Öl- und Gasproduzenten richten ihre Investitionsvorhaben an langfristiger Nachfrage und erwarteten Renditen aus. Eine vage und rechtlich nicht bindende Absichtserklärung über drei Jahre dürfte kaum Einfluss auf ihre Produktionsentscheidungen haben.

Die EU-Kommission kann ihrerseits nicht zentral zu importierende Energiemengen festlegen. Über Einfuhren entscheiden private europäische Unternehmen, die sich an Angebot, Nachfrage und den globalen Marktpreisen orientieren.

Politische Absichtserklärungen setzen allenfalls Rahmensignale, haben aber keinen direkten Einfluss auf das tatsächliche Handelsvolumen.

Und auch für die in die Vereinbarung aufgenommene Kernenergie gibt es praktische Schwierigkeiten. Im Jahr 2024 importierte die EU aus den USA Kernbrennstoffe im Wert von rund 800 Millionen Dollar. Größere Einfuhren sind unwahrscheinlich, da die USA den Großteil ihres Urans bereits heute selbst importieren müssen. Zudem hat Präsident Trump angekündigt, die heimische Kernkraft weiter auszubauen, was die inländische Nachfrage zusätzlich erhöhen dürfte.

Der Import sogenannter Small Modular Reactors (SMR) wird auf absehbare Zeit ebenfalls keine Rolle spielen: Weltweit sind bislang nur zwei SMR in Betrieb –einer in China, einer in Russland. Bis US-Modelle markt-reif und exportfähig sind, dürften noch mehrere Jahre vergehen.

Unterm Strich dient die Absprache zwischen der EU und den USA folglich eher als politisches Zeichen. Trump nutzt die Zahl, um seine Verhandlungsstärke gegenüber seinen Wählern und der amerikanischen Öffentlichkeit zu demonstrieren. Die EU wiederum zeigt im Handelsstreit Entgegenkommen.

Abgeschlossen ist die Debatte um die transatlantischen Handelsbeziehungen im Energiesektor damit freilich nicht. Während die EU sukzessive ihren Bedarf an fossilen Energieträgern zurückfahren will, möchten die Vereinigten Staaten ihren Export eben jener Produkte ausbauen. Weitere Spannungen zwischen beiden Seiten sind daher durchaus wahrscheinlich.

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