Unternehmen wollen zur Deregulierung beitragen
Die Bundesregierung hat sich den Abbau bürokratischer Vorschriften auf die Fahne geschrieben. Nach Meinung der Unternehmen in Deutschland hat der Papierkram allerdings bis zuletzt weiter zugenommen. Wie sich dieser Trend umkehren und der bürokratische Aufwand verringern ließe, dazu haben die Firmen klare Vorstellungen.
- Im Herbst 2025 gaben fast 80 Prozent der vom IW befragten Unternehmen an, der Aufwand zur Erfüllung gesetzlicher Berichts- und Dokumentationspflichten sei in den vergangenen drei Jahren gestiegen.
- Dass sich Deutschland mit dem Bürokratieabbau so schwertut, liegt laut 94 Prozent der Firmen am Wunsch nach Rechtssicherheit. Aber auch die fehlende systematische Überprüfung von Gesetzen und Verordnungen auf ihren Nutzen spiele eine Rolle.
- Fast 93 Prozent der Befragten sagen zudem, die bürokratische Belastung könne durch schlankere EU-Vorgaben reduziert werden. Und viele Gesetze ließen sich durch Selbstverpflichtungen der Unternehmen ersetzen.
Die aktuelle Regierung unter Kanzler Friedrich Merz hat ein neues Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung geschaffen, um den Bürokratieabbau voranzutreiben. An hehren Zielen mangelt es nicht: Unter anderem sollen Bürger und Unternehmen künftig mit dem EUDI-Wallet ihre Behördenkontakte umfassend online abwickeln können. Außerdem soll eine One-in-two-out-Regelung – für jede neue Vorschrift müssen zwei alte entfallen – dafür sorgen, dass der Berg an bürokratischen Regelungen tatsächlich allmählich abgetragen wird.
Mehr statt weniger Bürokratie in Deutschland
Konkret umgesetzt wurden aber bisher nur kleinere Vorhaben wie die Verringerung der Zahl der Sicherheitsbeauftragten in den Betrieben sowie der sogenannte Bauturbo – ein Erbe der Ampelkoalition. Und so ist es verständlich, dass die Firmen keine echte Entlastung verspüren – sondern eher das Gegenteil, wie eine IW-Befragung zeigt (Grafik):
Im Herbst 2025 gaben fast 80 Prozent der befragten Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleister an, der Aufwand zur Erfüllung gesetzlicher Berichts- und Dokumentationspflichten sei in den vergangenen drei Jahren gestiegen.
Um mit der Vorschriftenflut fertig zu werden, mussten in den vergangenen drei Jahren fast drei Viertel aller Unternehmen ab 250 Mitarbeitern und knapp die Hälfte der Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten neue Stellen schaffen.
Doch warum tut sich Deutschland mit dem Bürokratieabbau so schwer? Auch dazu hat das IW die Unternehmen befragt:
Allen voran führt für 94 Prozent der Firmen der Wunsch nach Rechtssicherheit zu immer detaillierteren gesetzlichen Vorgaben.
Es ist plausibel, dass in Zeiten des Umbruchs – etwa durch die künstliche Intelligenz – auch die Unternehmen selbst sich klare Vorgaben wünschen. Doch die wenig aufeinander abgestimmten EU-Rechtsakte zur Digitalisierung wie die Datenschutzgrundverordnung, der Data Act und der AI Act haben in der Wirtschaft bislang eher zu größerer Verunsicherung geführt als für Klarheit gesorgt.
Ein Bürokratieabbau in Deutschland wäre durch schlankere EU-Vorgaben möglich – das sagen 93 Prozent der vom IW befragten Unternehmen. Zwei Drittel sind zudem der Meinung, viele Gesetze ließen sich durch Selbstverpflichtung der Unternehmen ersetzen.
Etwa je 90 Prozent der Befragten stimmen des Weiteren den Thesen zu, der Bürokratieabbau käme nicht voran, weil in Deutschland bestehende Gesetze und Verordnungen nicht systematisch auf ihren Nutzen geprüft würden und weil die deutsche Gesetzgebung dazu neige, EU-Vorgaben überzuerfüllen.
Die Firmen fassen sich allerdings auch an die eigene Nase:
Knapp acht von zehn Unternehmen sagen, der Bürokratieabbau werde dadurch be- oder verhindert, dass einzelne Branchen ihre speziellen Interessen beim Staat durchzusetzen versuchen, was zu komplexeren Gesetzen führe.
Das IW hat aber nicht nur die Kritik der Unternehmen eingeholt, sondern auch wissen wollen, wie die Firmen Maßnahmen bewerten, die zum Bürokratieabbau beitragen könnten. Ein Weg ist dabei aus Sicht der Wirtschaft besonders erfolgversprechend (Grafik):
Insgesamt fast 93 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, die bürokratische Belastung könnte durch schlankere EU-Vorgaben reduziert werden.
In dieses Bild passt auch, dass 81 Prozent der Unternehmen eine Chance zum Bürokratieabbau sähen, wenn die verschiedenen EU-Richtlinien besser aufeinander abgestimmt wären, sodass die Berichtspflichten für die Betriebe vereinheitlicht werden könnten und weniger Widersprüche enthielten.
Generell wollen die Firmen mit mehr Eigenverantwortung zum Bürokratieabbau beitragen. So sind fast zwei Drittel der Meinung, ein erheblicher Teil der in den vergangenen Jahren verabschiedeten Gesetze könne durch Selbstverpflichtungen der Unternehmen ersetzt werden.