Unternehmen werben mit Benefits um Azubis
Um ihre Ausbildungsplätze besetzen zu können, bieten immer mehr Unternehmen potenziellen Auszubildenden eine Reihe zusätzlicher Leistungen an. Einige dieser Benefits kommen bei jungen Menschen gut an – bei der Wahl einer passenden Ausbildungsstelle sind allerdings andere Kriterien wichtiger.
- Ein Weg, mit dem Unternehmen versuchen, mehr Auszubildende zu gewinnen, sind sogenannte Benefits – seit 2019 hat sich die Zahl der in Online-Ausbildungsannoncen angebotenen Zusatzleistungen verdrei- bis vervierfacht.
- Im Jahr 2025 wiesen fast 37 Prozent aller Lehrstellenanzeigen mindestens auf einen entgeltähnlichen Benefit wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hin, in gut der Hälfte aller Anzeigen warben Unternehmen mit zusätzlichen Qualifizierungsangeboten.
- Bei der letztlichen Entscheidung für einen Ausbildungsplatz zählen für junge Menschen allerdings andere Kriterien mehr, beispielsweise ein gutes Betriebsklima, spannende Aufgaben während der Ausbildung sowie gute Übernahmeaussichten.
Die schwache Konjunktur hinterlässt auch auf dem Ausbildungsmarkt ihre Spuren – während die Nachfrage nach Lehrstellen steigt, ist das Angebot rückläufig. Dennoch haben viele Unternehmen nach wie vor große Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen – beispielsweise, weil die Berufswünsche der Jugendlichen vor Ort nicht zum Bedarf des Betriebs passen. Ende September 2025 waren entsprechend 54.000 Ausbildungsstellen als unbesetzt gemeldet. Das ist für die Firmen fatal, da sie dringend qualifizierten Nachwuchs benötigen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Ein Weg, mit dem Betriebe mehr Jugendliche zu gewinnen versuchen, sind sogenannte Benefits – finanzielle, aber auch nicht monetäre Extras, mit denen die Unternehmen in ihren Anzeigen für Ausbildungsplätze werben.
2025 wiesen fast 37 Prozent aller Online-Ausbildungsannoncen mindestens auf eine entgeltähnliche Zusatzleistung wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hin.
Laut einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung unter Beteiligung des IW hat sich die Zahl der in Online-Ausbildungsannoncen angebotenen Benefits seit 2019 verdrei- bis vervierfacht. Im Einzelnen:
Entgeltähnliche Leistungen. Hier sticht ein Klassiker unter den Sonderzahlungen hervor (Grafik):
Im Jahr 2025 warben fast 24 Prozent aller Anzeigen für Ausbildungsplätze mit Urlaubs- oder Weihnachtsgeld – 2019 war dies erst in 7,5 Prozent der Annoncen der Fall.
An zweiter Stelle der entgeltähnlichen Leistungen steht mittlerweile das Jobticket, das in 12 Prozent der Anzeigen beworben wird, gefolgt von den vermögenswirksamen Leistungen. Insgesamt wiesen im vergangenen Jahr fast 37 Prozent aller Lehrstellenanzeigen mindestens auf eine entgeltähnliche Zusatzleistung hin.
Andere Benefits. Besonders viele Betriebe betonen, dass die Ausbildung bei ihnen über die definierten Mindeststandards hinausgeht:
In gut der Hälfte aller Ausbildungsanzeigen warben Unternehmen im Jahr 2025 mit zusätzlichen Qualifizierungsangeboten.
Sechs Jahre zuvor betrug dieser Anteil nur etwa ein Drittel.
Deutlich zugelegt hat auch die Bedeutung von Benefits zum Thema Gesundheit – wie vergünstigte Mitgliedschaften in Fitnessstudios. Aber auch Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge sind inzwischen in gut jeder fünften Ausbildungsstellenanzeige ein Thema. Dies legt nahe, dass die Unternehmen über die Ausbildungszeit hinaus denken und die jungen Mitarbeiter über einen möglichst langen Zeitraum als Fachkräfte an sich binden wollen.
Junge Menschen finden finanzielle Extraleistungen in der Ausbildung wichtig
Generell gilt es bei der Interpretation der bisher genannten Zahlen zu bedenken, dass Stellenannoncen nicht unbedingt alles bewerben, was das jeweilige Unternehmen seinen künftigen Mitarbeitern tatsächlich bietet. Dennoch müssen die Unternehmen allem Anschein nach bei einigen Benefits noch eine Schippe drauflegen, wenn sie den Wünschen der jungen Generation entsprechen wollen. Beispiel finanzielle Extras (Grafik):
Mehr als neun von zehn der 14- bis 25-Jährigen finden es sehr oder eher wichtig, dass Unternehmen im Rahmen einer Berufsausbildung monetäre Zusatzleistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld zahlen.
Auch bei Angeboten zur betrieblichen Altersvorsorge, denen junge Menschen einen hohen Stellenwert einräumen, gibt es für die Unternehmen noch Luft nach oben. Deutlich besser zu den Wünschen der 14- bis 25-Jährigen passt das Ausmaß, in dem die Betriebe Angebote zur Weiterqualifizierung machen.
Ausbildungsbenefits sollten Teil einer ganzheitlichen Marketingstrategie sein
Verbeißen sollten sich die Unternehmen beim Thema Benefits allerdings nicht. Denn wenn es konkret darum geht, was eine Ausbildungsstelle attraktiv macht, rangieren andere Kriterien für die Jugendlichen ganz oben:
Am wichtigsten ist jungen Menschen, dass das Betriebsklima am Ausbildungsplatz gut ist, die Aufgaben während der Ausbildung spannend sind und am Ende die Aussicht besteht, übernommen zu werden und dann ein gutes Gehalt zu beziehen.
Für die Unternehmen heißt das schlussendlich, dass das Bewerben von Benefits zwar sinnvoll sein kann, aber immer in eine ganzheitliche Marketingstrategie für den Bereich Ausbildung einzubetten ist. Wichtig ist, dass die Unternehmen nicht nur in den Stellenanzeigen authentisch und glaubwürdig über ihr Ausbildungspaket informieren und dabei Unterstützungsangebote und die künftigen beruflichen Perspektiven für die Azubis in den Mittelpunkt stellen.
Um möglichst viele passende Bewerber zu gewinnen, gilt es für die Firmen darüber hinaus, mit Klischees und Vorurteilen – etwa über „typisch männliche“ oder „typisch weibliche“ Ausbildungsgänge – aufzuräumen.