Klimawandel Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Unternehmen müssen sich wappnen

Jedes siebte deutsche Unternehmen klagt bereits heute über negative Folgen der Klimaveränderung – bis 2030 werden immer mehr Betriebe von höheren Temperaturen, stärkeren Stürmen sowie häufigerem und extremerem Hochwasser betroffen sein. Um sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, müssen die Firmen die nötigen finanziellen und personellen Kapazitäten bereitstellen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Jedes siebte deutsche Unternehmen klagt bereits heute über negative Folgen der Klimaveränderung.
  • Im Jahr 2011 sahen sich lediglich 15 Prozent der befragten Unternehmendirekt vom Klimawandel negativ betroffen – für 2030 erwarten dies jedoch fast 29 Prozent.
  • Fast sechs von zehn Unternehmen halten ihre finanziellen Ressourcen,die zur Anpassung an den Klimawandel nötig wären, für gering.
Zur detaillierten Fassung

Der internationale Klimagipfel in Doha Ende vergangenen Jahres hat nur einen Minimalkompromiss zustande gebracht – zu wenig jedenfalls, um die sich abzeichnenden dauerhaften Klimaveränderungen zu begrenzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat gut 1.000 deutsche Unternehmen gefragt, in welchem Maße sie sich vom Klimawandel betroffen fühlen und wie sie ihre Anpassungsmöglichkeiten einschätzen.

Relevanz des Klimawandels. Veränderungen des Klimas können Unternehmen direkt treffen – etwa wenn vermehrt sommerliche Hitzeperioden die Klimatisierung der Werkhallen verteuern oder häufigere Hochwasser den Gütertransport per Schiff im Inland erschweren. Die Firmen halten solche Risiken für zunehmend relevant:

Im Jahr 2011 sahen sich lediglich 15 Prozent der befragten Unternehmen direkt vom Klimawandel negativ betroffen – für 2030 erwarten dies jedoch fast 29 Prozent.

Besonders stark dürften sich die Klimaveränderungen dann auf die Betriebe der Metallbranche, der Bauwirtschaft und des Logistiksektors auswirken.

Darüber hinaus hat der Klimawandel auch indirekte Folgen für die Wirtschaft. Staatliche Verordnungen zum Klimaschutz wie das Emissionshandelsgesetz können die Produktionskosten in die Höhe treiben. Bereits heute sehen sich 24 Prozent der Unternehmen von solchen Regulierungen negativ betroffen – im Jahr 2030 werden es voraussichtlich sogar fast 36 Prozent sein.

Allerdings bietet der Klimawandel den Betrieben auch Chancen – vor allem dann, wenn sie Güter herstellen, die (besser) vor den Folgen von Hitze, Stürmen und ähnlichen Klimaextremen schützen. Gerade die Firmen der Elektroindustrie, des Fahrzeug- und des Maschinenbaus sowie der Bauwirtschaft rechnen mit positiven Geschäftsimpulsen. Insgesamt registrierten zuletzt bereits rund 18 Prozent der Unternehmen solche vorteilhaften Auswirkungen durch Klimaveränderungen – für 2030 erwartet sogar ein Viertel entsprechende Effekte.

Alles in allem werden die klimatischen Veränderungen künftig immer bedeutsamer (Grafik):

Waren im Jahr 2011 erst 20 Prozent der Unternehmen vom Klimawandel an ihren heimischen Standorten direkt oder indirekt negativ und 11 Prozent positiv betroffen, steigen diese Anteile bis 2030 auf 43 bzw. 19 Prozent.

Anpassungsmöglichkeiten. Um mit den negativen Folgen des Klimawandels fertigzuwerden, müssen die Unternehmen reagieren – indem sie beispielsweise in Hitzeschutzmaßnahmen investieren oder den Versicherungsschutz gegen Sturmschäden erhöhen. Für all dies müssen jedoch ausreichend Ressourcen vorhanden sein. In puncto notwendigen Wissens und technologischer Kompetenz sind die vom IW Köln befragten Firmen recht optimistisch (Grafik). Doch es gibt auch Probleme:

Fast sechs von zehn Unternehmen halten ihre finanziellen Ressourcen, die zur Anpassung an den Klimawandel nötig wären, für gering.

Auch fehlt es in gut jedem zweiten Unternehmen an Personal, das sich um solche Anpassungsmaßnahmen kümmert.

Da jedoch die Folgen des Klimawandels für die Unternehmen derzeit noch sehr begrenzt sind, reichen die Kapazitäten in allen Branchen momentan unterm Strich aus, um notwendige Anpassungen vorzunehmen. Allerdings müssen die Firmen künftig mehr Ressourcen bereitstellen, sonst könnte es im Jahr 2030 anders aussehen. Kritisch würde die Situation dann vor allem in der Logistikbranche, aber auch anderen Industriesparten wie der Energie- und Wasserversorgung könnte es schwerfallen, den Klimawandel zu meistern.

Mahammad Mahammadzadeh / Ester Chrischilles / Hendrik BiebelerKlimaanpassung in Unternehmen und Kommunen - Betroffenheiten, Verletzlichkeiten und AnpassungsbedarfIW-Analysen Nr. 83, Köln 2013, 186 Seiten, 26,90 EuroVersandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop

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