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So fassen Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt Fuß

Die Wirtschaft spielt bei der Integration von Flüchtlingen eine wichtige Rolle: Viele Unternehmen bieten den Zuwanderern Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze. Der Staat könnte das Engagement der Firmen durch passende Unterstützungsmaßnahmen und eine bessere Informationspolitik noch stärken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast ein Viertel der Unternehmen in Deutschland beschäftigt derzeit Flüchtlinge oder hat dies in den vergangenen drei Jahren getan.
  • Rund 86 Prozent der vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung befragten Unternehmen sehen mangelnde Deutschkenntnisse als größtes Hindernis, Flüchtlinge einzustellen.
  • Einige staatliche Hilfsangebote, die die Beschäftigung von Flüchtlingen fördern könnten, sind den Unternehmen gar nicht bekannt.
Zur detaillierten Fassung

Flüchtlinge sind in deutschen Betrieben schon längst keine Ausnahme mehr. Insgesamt haben mehr als 400.000 Unternehmen in Deutschland in den vergangenen drei Jahren Flüchtlinge qualifiziert und beschäftigt.

Wie aktiv die Betriebe an der Integration der Menschen aus Ländern wie Syrien, Irak und Somalia beteiligt sind, zeigt auch eine Umfrage des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA), das vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln betrieben und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Demnach beschäftigt fast ein Viertel der Unternehmen in Deutschland derzeit Flüchtlinge oder hat dies in den vergangenen drei Jahren getan (Grafik). Im Handwerk beträgt der Anteil sogar rund ein Drittel. Und von den Unternehmen, die bereits zuvor Mitarbeiter mit Migrationshintergrund hatten, haben 42 Prozent zuletzt Flüchtlinge eingestellt.

Am häufigsten sind Flüchtlinge als Praktikanten beschäftigt –​ 17 Prozent aller Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren Praktikumsplätze an Menschen vergeben, die nach Deutschland geflohen sind.

Immerhin gut 10 Prozent der befragten Firmen beschäftigen Flüchtlinge in regulären Jobs. Am seltensten absolvieren Flüchtlinge eine betriebliche Ausbildung – nur in 7,2 Prozent der Unternehmen hat dies bislang geklappt.

Fast ein Viertel der Unternehmen in Deutschland beschäftigt derzeit Flüchtlinge oder hat dies in den vergangenen drei Jahren getan.

Von den Betrieben, die bereits Flüchtlinge beschäftigen oder beschäftigt haben, fühlen sich fast alle durch positive Erfahrungen bestätigt. Neun von zehn Unternehmen berichten von einer hohen Einsatzbereitschaft und Motivation sowie einem großen Lerneifer der Flüchtlinge.

Sprache ist größtes Beschäftigungshemmnis

Es gibt allerdings auch einige Faktoren, die die Beschäftigung von Flüchtlingen erschweren. Dazu zählt zuvorderst die Sprachbarriere (Grafik):

Rund 86 Prozent der vom KOFA befragten Unternehmen sehen mangelnde Deutschkenntnisse als größtes Hindernis, Flüchtlinge einzustellen.

Oft fehlen den Flüchtlingen aber auch die nötigen Fachkenntnisse – für fast zwei Drittel der Unternehmen ist dies eine relevante Hürde. Und selbst wenn die Zuwanderer einen Abschluss mitbringen, hilft das vielen Firmen nicht – mehr als 60 Prozent können diese Qualifikationen nur schwer einschätzen. Hinzu kommt für gut sechs von zehn Unternehmen der hohe bürokratische Aufwand, der mit der Einstellung von Flüchtlingen verbunden ist.

Trotz dieser Hemmnisse wollen sich viele Betriebe laut KOFA-Umfrage künftig noch stärker engagieren:

Rund ein Drittel aller Unternehmen plant, in diesem Jahr Flüchtlinge einzustellen.

Von den Firmen mit 50 bis 250 Mitarbeitern will sogar rund jede Zweite in diesem Jahr Flüchtlingen einen neuen Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsplatz anbieten.

Trotz des erfreulichen Trends kann der Staat durchaus etwas tun, um das Engagement der Wirtschaft noch weiter zu stärken – vor allem, indem er gezielter unterstützt:

Gut 76 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen drei Jahren keine Flüchtlinge beschäftigt haben, wären eher bereit, Flüchtlinge einzustellen, wenn es passende staatliche Unterstützungsangebote gäbe.

Hierbei steht wiederum das Thema Sprachkenntnisse im Mittelpunkt – 85 Prozent der Betriebe wünschen sich eine berufsbezogene Sprachförderung, die die Flüchtlinge neben dem Job in Anspruch nehmen können. Rund 84 Prozent fänden es zudem gut, wenn sie einen festen Ansprechpartner – etwa bei den Industrie- und Handelskammern – hätten, der alle benötigten Informationen zur Beschäftigung von Flüchtlingen bereithält.

Doch auch finanzielle Unterstützung könnte helfen – für drei Viertel der Betriebe, die zuletzt keine Flüchtlinge in ihren Reihen hatten, wären Lohnkostenzuschüsse ein Einstellungsanreiz.

Informationsfluss verbessern

Auffällig ist: Einige der gewünschten staatlichen Hilfen gibt es in der einen oder anderen Form bereits – nur wissen viele Unternehmen nichts davon. So kennt lediglich eine von zehn Firmen die sogenannte Assistierte Ausbildung, bei der Flüchtlinge von einem Ausbildungsbegleiter vor und während der Ausbildung intensiv betreut werden – also genau das, was viele Unternehmen fordern. Offenbar muss der Staat hier noch mehr tun, damit die Informationen über verfügbare Angebote auch bei den Betrieben ankommen.

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