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Unruhen belasten auch die Wirtschaft

Seit die gewalttätigen Auseinandersetzungen durch den Sturz von Präsident Mohammed Mursi erneut entflammt sind, bleiben die Touristen fern: Die ägyptischen Hotels sind leer, die Strände verwaist. Doch der Tourismus ist nicht der einzige Wirtschaftsbereich, der unter den politischen Tumulten leidet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit die gewalttätigen Auseinandersetzungen durch den Sturz von Präsident Mohammed Mursi erneut entflammt sind, bleiben die Touristen Ägypten fern.
  • Aus ägyptischer Sicht ist Deutschland nach China und den USA der drittgrößte Handelspartner.
  • Dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag zufolge sind 80 deutsche Unternehmen in Ägypten vertreten - mit insgesamt rund 24.000 Mitarbeitern.
Zur detaillierten Fassung

Nach einer kurzen Erholung im Jahr 2012 ist der ägyptische Tourismus nun wieder eingebrochen. Für Ägypten ist dies ein wichtiger Handelszweig – laut Deutsch-Arabischer Industrie- und Handelskammer hängt immerhin jeder achte Arbeitsplatz vom Tourismussektor ab.

Besonders wichtig für die Branche sind die Besucher aus Deutschland: Im Jahr 2012 kamen fast 1,2 Millionen Menschen aus der Bundesrepublik. Sie trugen ein Zehntel zum gesamten Umsatz der ägyptischen Tourismusbranche bei. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fuhren knapp 0,6 Millionen Deutsche in den Urlaub nach Ägypten. Nach der Reisewarnung des Auswärtigen Amts werden viele Touristen die Reise nicht antreten.

Auch in anderen Wirtschaftsbereichen haben sich die deutsch-ägyptischen Handelsbeziehungen in den vergangenen Jahren intensiviert. Zwar gingen 2012 nur 0,2 Prozent der deutschen Ausfuhren nach Ägypten und nur 0,1 Prozent der deutschen Importe kamen von dort. Die Handelsumsätze sind in den vergangenen Jahren aber mit zweistelligen Wachstumsraten gestiegen und haben Ägypten nach den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Libyen zum wichtigsten deutschen Handelspartner aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum gemacht.

Deutschland exportiert vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge nach Ägypten; die Importe bestehen hauptsächlich aus Erdöl, Textilien und Bekleidung sowie Nahrungsmitteln (Grafik).

Aus ägyptischer Sicht ist Deutschland nach China und den USA der drittgrößte Handelspartner: 6,7 Prozent der ägyptischen Importe kamen 2012 aus der Bundesrepublik. Umgekehrt gingen 2,2 Prozent der ägyptischen Exporte nach Deutschland.

Auch als Investitionsziel hat Ägypten zuletzt an Bedeutung gewonnen. Die deutschen Direktinves­titionen in Ägypten haben sich von 2000 bis 2011 mehr als verdreifacht.

Dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag zufolge sind 80 deutsche Unternehmen in Ägypten vertreten. Insgesamt beschäftigen sie vor Ort rund 24.000 Mitarbeiter.

Derzeit ist aber an einen normalen Betriebsalltag nicht zu denken: Wegen der Ausschreitungen haben viele Unternehmen ihre Produktion gestoppt und ihre Mitarbeiter in den Urlaub geschickt.

Internationale Unternehmen wie Metro, General Motors und Electrolux haben Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. In vielen Fällen können Mitarbeiter selbst entscheiden, ob sie zur Arbeit kommen oder von Hause aus arbeiten – das gilt zumindest für die Beschäftigten in Kairo. Andere Unternehmen haben ihren Mitarbeitern ein Reiseverbot erteilt. Noch ist ein Rückzug ausländischer Betriebe nicht in Sicht. Doch entscheidend ist, dass die Lage in Ägypten nicht weiter eskaliert und sich möglichst schnell wieder beruhigt.

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