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Ungebremster Solar-Boom

Damit regenerativ erzeugter Strom überhaupt wettbewerbsfähig ist, wird er in Deutschland großzügig durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. Insbesondere der starke Ausbau der Photovoltaik ist dabei zum Kostentreiber geworden – doch alle Versuche, den Solar-Boom zu bremsen, sind bislang gescheitert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Damit regenerativ erzeugter Strom überhaupt wettbewerbsfähig ist, wird er in Deutschland großzügig durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert.
  • Ab einer bestimmten Kapazitätserweiterung sinkt die Einspeisevergütung für Solarstrom stärker als ohnehin geplant.
  • Obwohl die obere Ausbaugrenze im Jahr 2012 noch einmal auf 3.500 Megawatt erhöht wurde, lag der tatsächliche Photovoltaik-Ausbau mehr als 100 Prozent darüber.
Zur detaillierten Fassung

Der Ausbau der erneuerbaren ­Energien ist eine der Hauptsäulen der Energiewende. Bis zum Jahr 2050 sollen 80 Prozent des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden – beispielsweise durch Solarenergie. Diese liefert bereits heute einen nennenswerten Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Im Jahr 2012 deckte die Photo­voltaik mit 28,5 Terawattstunden rund 5 Prozent des Bruttostromverbrauchs.

Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben, wird die Photovoltaik im Rahmen des EEG durch die sogenannte Einspeisevergütung gefördert. Das heißt, dass Betreibern von Solaranlagen 20 Jahre lang ein Festpreis garantiert wird, der über dem marktüblichen Strompreis liegt.

Grundsätzlich legt das EEG nicht genau fest, wie viele Photovoltaik-Anlagen gebaut werden. In den vergangenen Jahren gab es allerdings einen Boom dieser besonders teuren Technologie. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2009 ein Mechanismus im EEG verankert, der diese Entwicklung bremsen soll:

Ab einer bestimmten Kapazitätserweiterung sinkt die Einspeisevergütung für Solarstrom stärker als ohnehin geplant.

Der Erfolg dieser Maßnahme hält sich jedoch in Grenzen: Schon im Jahr 2009, als die Preise für Solaranlagen deutlich sanken und die Anlagenbetreiber so satte Renditen realisieren konnten, betrug der Ausbau rund das 2,5-Fache der vorgesehenen Kapazitätserweiterung von 1.500 Megawatt. Ein Jahr später wurden mehr als viermal so viele Anlagen installiert – im EEG waren 1.700 Megawatt veranschlagt.

Im Jahr 2011 überstieg der Ausbau der Photovoltaik den avisierten Wert von 1.900 Megawatt um fast das Vierfache (Grafik). Auch aus diesem Grund wurde noch einmal nachgebessert: Seit April 2012 wird der Vergütungssatz sogar alle drei Monate angepasst.

Obwohl die obere Ausbaugrenze im Jahr 2012 noch einmal auf 3.500 Megawatt erhöht und damit nahezu verdoppelt wurde, lag der tatsächliche Photovoltaik-Ausbau mehr als 100 Prozent darüber.

Was zum Teil als Erfolg des EEG gefeiert wird, ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kritisch zu sehen. Schließlich wird Solarstrom besonders hoch vergütet und beansprucht etwa 46 Prozent der gesamten Subventionen. Das macht sich über die EEG-Umlage auch in steigenden Strompreisen bemerkbar. Ihr Anteil an der tatsächlich im Rahmen des EEG erzeugten Strommenge beträgt dagegen nur etwa 21 Prozent.

In der letzten EEG-Novelle wurde nun eine Exit-Option für die Förderung von Solarstrom verankert. So soll es bei einer installierten Leistung von mehr als 52.000 Megawatt einen Vergütungsstopp geben. Es ist allerdings fraglich, ob diese Obergrenze, die voraussichtlich Ende 2015 erreicht ist, aufrechterhalten wird. Umso wichtiger ist es bis dahin, die Förderung grundlegend zu reformieren und den Strommarkt an neue Erzeugungsstrukturen anzupassen.

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