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Übertriebene Ängste

Durch den Einsatz neuer Technologien verändert sich die Arbeitswelt grundlegend. Die Arbeitnehmer müssen sich zwar anpassen, doch um ihre Jobs müssen sie sich keine Sorgen machen, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Analyse.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der digitale Wandel hat derzeit keinen nachweisbaren negativen Einfluss auf den Arbeitsmarkt.
  • Weniger als jeder zehnte Arbeitnehmer hat einen befristeten Arbeitsvertrag.
  • Zeitarbeiter machen nur rund 2 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland aus.
Zur detaillierten Fassung

Der digitale Wandel macht in vielen Branchen die Arbeit effizienter und schneller, schürt aber auch Ängste. Politik und Gewerkschaften fürchten durch Automatisierung und Beschleunigung weniger Jobsicherheit und mehr Belastungen für die Arbeitnehmer – aufgerieben zwischen Homeoffice und Industrierobotern.

Doch noch lässt die Revolution auf sich warten: Aktuelle Daten zeigen, dass der Arbeitsmarkt stabil ist und sich in den vergangenen Jahren trotz digitalen Wandels strukturell kaum verändert hat.

Deutlich wird dies zum Beispiel bei den befristeten Arbeitsverträgen:

Weniger als jeder zehnte Arbeitnehmer – ohne Auszubildende – in Deutschland hat einen befristeten Vertrag.

Der Wert ist seit 1998 nahezu unverändert.

Gerade Branchen, die stark vom digitalen Wandel betroffen sind, liegen sogar noch unter dem Durchschnitt: In der Verkehrs- und Kommunikationsbranche sind nur 8 Prozent der Arbeitnehmer befristet beschäftigt, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern sind es weniger als 4 Prozent. Der Bereich Öffentliche und Private Dienstleistungen, zu dem unter anderem Gesundheits- und soziale Dienste gehören, weist mit 13 Prozent den höchsten Wert auf.

Jobsicherheit ist nicht gefährdet

Insgesamt wird mehr als jeder zweite Arbeitnehmer weiterhin direkt unbefristet eingestellt – eine Quote, die seit 2004 stabil ist. Die Sorge, mehr Digitalisierung führe zu mehr prekären Arbeitsverhältnissen, ist also nicht begründet.

Auch die Zeitarbeit nimmt nicht weiter zu. Lediglich 2 Prozent aller Arbeitnehmer sind davon betroffen. Damit hat sich der Wert gegenüber 2007 nicht verändert.

Im Jahr 2014 wurden rund 175.000 Roboter in der deutschen Industrie eingesetzt – ein Plus von 9 Prozent gegenüber 2012.

Zwar gibt es einzelne Branchen, in denen die Zeitarbeit zugenommen hat – so stieg beispielsweise die Zahl der Zeitarbeiter in der Rohstoffgewinnung von 2013 bis 2015 um rund 23 Prozent. Doch ein Zusammenhang mit der Digitalisierung lässt sich nicht erkennen. Mit Blick auf die Selbstständigen bestätigt sich die Stabilität des Arbeitsmarktes. Die Zahl der Selbstständigen ohne Mitarbeiter hält sich in Deutschland seit Jahren bei unter 2,5 Millionen und nimmt nicht weiter zu.

Keine Angst vor technischem Fortschritt

Eine wesentliche Rolle beim digitalen Wandel innerhalb der Industrie spielt der Einsatz von Robotern (Grafik):

Im Jahr 2014 wurden rund 175.000 Roboter in der deutschen Industrie eingesetzt – ein Plus von 9 Prozent gegenüber 2012.

Weltweit ist das Wachstum sogar noch größer. Schon zwischen 2012 und 2014 ist die Zahl der global eingesetzten Industrieroboter um 20 Prozent auf 1.480.000 gestiegen. Und Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2018 noch einmal mehr als 50 Prozent hinzukommen.

Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland glaubt, dass sich die eigene Leistung durch den Einsatz neuer Technologien erhöht hat.

Diese Entwicklung schürt in der Politik die Befürchtung, die Konkurrenz zwischen Mensch und Maschine könnte zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Doch die meisten Arbeitnehmer teilen diese Bedenken nicht; lediglich 5 Prozent machen sich Sorgen, durch den technischen Fortschritt ersetzbar zu werden.

Dagegen glaubt mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland, dass sich die eigene Leistung durch den Einsatz neuer Technologien erhöht hat.

Ähnlich viele hoffen, ihr Arbeitsleben durch den digitalen Wandel flexibler gestalten zu können sowie Familie und Beruf leichter miteinander zu vereinbaren.

IW-Analysen Nr. 108

Oliver Stettes: Arbeitswelt der Zukunft – Wie die Digitalisierung den Arbeitsmarkt verändert

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