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„Trump wird keinen harten Kurs einschlagen“

IW-Konjunkturforscherin Galina Kolev glaubt nicht, dass der neue amerikanische Präsident all seine Wahlkampfankündigungen auch in die Tat umsetzen wird. Dabei wären manche von Donald Trumps Ideen ökonomisch sinnvoll.

Kernaussagen in Kürze:
  • Von einer Politik der Isolation würde auch die US-Wirtschaft selbst nicht profitieren.
  • Ein Teil von Donalds Trumps Ankündigungen war sicherlich nur Wahlkampftaktik.
  • Einige seiner Ideen wie die Infrastrukturprojekte könnten auch positive Effekte haben.
Zur detaillierten Fassung

Die Welt ist derzeit geprägt von isolationistischen und protektionistischen Tendenzen – kann das wirtschaftlich gutgehen?

Die Bürger haben mit ihren Entscheidungen gezeigt, dass sie auf der Suche nach unkonventionellen Lösungen sind. Es ist nun Aufgabe der Wirtschaft und der Politik, den Bürgern in Erinnerung zu rufen, wie viel Wohlstand wir auf der ganzen Welt der Globalisierung verdanken.

Ein Teil von Trumps Ankündigungen war sicherlich nur Wahlkampftaktik.

Der US-Wahlsieger Donald Trump ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Trotzdem will er Zölle einführen, Mauern bauen und Freihandelsverträge kündigen – wie passt das zusammen?

Das verwundert mich auch. Ich glaube nicht, dass er als Präsident einen harten Kurs Richtung Protektionismus einschlagen wird. Denn schließlich würde auch die US-Wirtschaft selbst von einer Politik der Isolation nicht profitieren. Ein Teil von Trumps Ankündigungen war also sicherlich nur Wahlkampftaktik.

Allerdings könnten einige seiner Ideen auch positive Effekte haben – wenn etwa ältere Freihandelsabkommen auf den Prüfstand kommen und vertieft werden. Auch Infrastrukturprojekte dürften die wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln.

Trotz aller Unwägbarkeiten rechnen Sie für das kommende Jahr damit, dass das weltweite Wirtschaftswachstum leicht steigt. Woher kommt Ihr Optimismus?

Zum einen hatten wir in diesem Jahr eine gedämpfte wirtschaftliche Entwicklung in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt. Im nächsten Jahr wird das US-Wachstum ein wenig an Tempo gewinnen. Zum anderen entwickeln sich viele große Schwellenländer weiterhin gut, Indien zum Beispiel. Auch in Russland rechnen wir mit einer Erholung der Konjunktur.

Prognosen haben in diesem Jahr nur eine bedingte Aussagekraft. Könnte es nicht genauso gut sein, dass die Weltwirtschaft 2017 schrumpft?

Dass die Weltwirtschaft 2017 schrumpft, ist wenig wahrscheinlich. Doch ich würde nicht ausschließen, dass sie weniger stark expandiert als 2016, da die wirtschaftlichen und politischen Risiken im Moment sehr hoch sind. Die potenziellen Auswirkungen des Brexit oder ein Tempoverlust der US-Wirtschaft können allein schon ausreichen, damit dies passiert.

Das IW Köln sieht angesichts der aktuellen Entwicklungen die EU als stabilisierendes und einendes Element in der Pflicht. Für wie groß halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Brüssel und die Mitgliedsstaaten das hinbekommen?

Es ist einfach wichtig und notwendig, dass wir in Europa mit einer Stimme sprechen und wieder handlungsfähig sind. Nötig dazu wäre eine Reihe von Reformen. In der Handelspolitik beispielsweise müssten Entscheidungen zum Zollabbau allein von den EU-Institutionen getroffen werden können, ohne dass jedes Mitgliedsland sein Veto einlegen kann.

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