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Trend ist ungebrochen

Der Trend zum Vorruhestand ist ungebrochen – fast jeder zweite Neurentner ist mittlerweile Frührentner. Immerhin verabschieden sich die Vorruheständler deutlich später vom Arbeitsmarkt als noch vor einigen Jahren. Zudem zahlen sie einen Teil der Zeche selbst: Seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts führt das vorzeitige Ausscheiden zu Abschlägen bei der Rente.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Trend zum Vorruhestand ist ungebrochen – fast jeder zweite Neurentner ist mittlerweile Frührentner.
  • Jeder, der vorzeitig in Rente geht, muss seit dem Jahr 2001 einen Abschlag auf seinen Rentenanspruch hinnehmen – und zwar 0,3 Prozent für jeden Monat.
  • Die meisten Frührentner sind Frauen - nämlich fast 60 Prozent beziehungsweise 195.000.
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Noch nie sind in Deutschland so viele Menschen frühzeitig in Rente gegangen: Von den knapp 700.000 Neurentnern schieden im Jahr 2011 rund 337.000 vor Erreichen der Altersgrenze aus dem Arbeitsleben aus – das entspricht einer Frühverrentungsquote von 48 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es gerade mal 30 Prozent. Die meisten Frührentner sind Frauen - nämlich fast 60 Prozent beziehungsweise 195.000.Sollte der Trend zur Frühverrentung weiter anhalten, hätte dies Folgen für die gesetzliche Rentenversicherung und die Beitragszahler. Denn in den kommenden Jahrzehnten müssen in Deutschland aufgrund des demografischen Wandels immer weniger Arbeitnehmer eine immer größere Zahl von Rentnern versorgen. Der vorzeitige Wechsel vom Erwerbsleben in den Ruhestand verschärft diese Finanzierungslücke.

Jeder, der vorzeitig in Rente geht, muss seit dem Jahr 2001 einen Abschlag auf seinen Rentenanspruch hinnehmen – und zwar 0,3 Prozent für jeden Monat, den er oder sie vor Erreichen der regulären Altersgrenze in den Ruhestand geht. Wer also zwölf Monate vor der Regelaltersgrenze – derzeit liegt sie bei 65 Jahren und zwei Monaten – in Rente geht, hat nicht nur wegen der kürzeren Beitragszeit einen geringen Rentenanspruch, sondern muss für den Rest seines Lebens auf diesen auch noch einen Abschlag von 3,6 Prozent in Kauf nehmen.Nicht zuletzt hat der seit 2001 geltende Abschlag dazu geführt, dass Männer heute später in den Vorruhestand gehen. Begann er im Jahr 2004 noch durchschnittlich 36,5 Monate vor dem gesetzlichen Rentenalter, sind es mittlerweile nur noch 28,5 Monate. Frauen lassen sich von den Abschlagszahlungen weniger abschrecken – Frührentnerinnen scheiden im Schnitt fast 42 Monate vorher aus dem Berufsleben aus. Eine Rolle könnte dabei der Altersunterschied von Ehepaaren spielen: Wechselt der - meist etwas ältere - Ehemann in den Ruhestand, ist manchem Paar die Aussicht auf gemeinsame Freizeit womöglich mehr wert als die Rentenabschläge, die es dafür in Kauf nehmen muss.

Die Tatsache, dass Frührentner seit 2001 Abschläge auf ihre Rentenansprüche hinnehmen müssen, hat nicht nur dazu geführt, dass die Vorruheständler später in Rente gehen, sondern auch, dass das Renteneintrittsalter insgesamt steigt. Männer bezogen 2011 in Deutschland mit durchschnittlich 63,8 Jahren zum ersten Mal Rente, Frauen mit 63,2 Jahren.Einerseits könnte die steigende Zahl von Frührentnern zu einem Problem für die Rentenkasse werden, denn die Beitragszahler müssen die vorzeitige Inanspruchnahme zunächst vorfinanzieren, bevor in späteren Jahren die Entlastung durch dauerhaft verringerte Rentenansprüche wirkt. Andererseits hat der Trend zum späteren Vorruhestand auch eine entlastende Wirkung: Zum einen zahlt der einzelne Versicherte etwas länger in die Rentenkasse ein, so dass in der Summe mehr Beitragseinnahmen erzielt werden. Zum anderen wird die Rentenkasse weniger beansprucht. Auch deshalb konnte der Beitragssatz zur Rentenversicherung auf 18,9 Prozent sinken – vor zwei Jahren betrug er noch 19,9 Prozent.

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