Entgeltfortzahlung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Teure Pille für Unternehmen

Seit dem Jahr 2006 sind die Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ungebremst auf 47 Milliarden Euro gestiegen – aus unterschiedlichen Gründen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit dem Jahr 2006 sind die Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ungebremst auf 47 Milliarden Euro gestiegen.
  • Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schätzt die Kosten, die den Unternehmen durch die Fortzahlung der Entgelte entstehen, für 2013 auf 40 Milliarden Euro.
  • Außerdem zahlen die Unternehmen während der sechswöchigen Abwesenheit auch den Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Sozialversicherung weiter.
Zur detaillierten Fassung

Wer sich als Arbeitnehmer den Knöchel verstaucht, sich erkältet oder schwerer erkrankt, muss sich zunächst einmal keine Sorgen um seinen Lebensunterhalt machen. Denn sein Arbeitgeber zahlt während der ersten sechs Krankheits­wochen das volle Bruttogehalt weiter. Erst ab dem 43. Tag ersetzt das Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen die Arbeitgeberzahlung. Das beträgt zwar nur noch 70 Prozent des letzten regelmäßigen Bruttoentgelts, aber ins Bodenlose fällt man damit selbst bei einer langwierigen Erkrankung nicht.

Die Sechswochenfrist für die ungekürzte Entgeltfortzahlung bezieht sich auf ein und dieselbe Diagnose: Wer nach einer schweren Grippe vorzeitig arbeiten geht, dann aber rückfällig wird, für den beginnt die Frist nicht erneut zu laufen, vielmehr addieren sich die Fehlzeiten. Umgekehrt gilt, dass nach dem mehrwöchigen Auskurieren einer schweren Infektion die Fortzahlung erneut für sechs Wochen gesichert ist, wenn man danach etwa wegen einer Sportverletzung ausfällt.

Diese Absicherung der Mitarbeiter im Krankheitsfall kostet die Arbeitgeber viel Geld:

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schätzt die Kosten, die den Unternehmen durch die Fortzahlung der Entgelte entstehen, für 2013 auf 40 Milliarden Euro.

Die während der Krankheitszeiten gezahlten Bruttoentgelte machten immerhin 3,4 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttolohn- und -gehaltssumme aus.

Außerdem zahlen die Unternehmen während der sechswöchigen Abwesenheit auch den Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Sozialversicherung weiter. Deshalb drohen den Erkrankten keine Rentenkürzungen aufgrund der Fehlzeiten. Für diesen Posten mussten die Arbeitgeber zuletzt insgesamt 6,9 Milliarden Euro aufwenden, sodass sich die Kosten der Entgeltfortzahlung im Jahr 2013 auf insgesamt 47 Milliarden Euro summierten (Grafik).
Ausgaben der Unternehmen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Die Arbeitgeberleistungen für die Entgeltfortzahlung und die Sozialversicherungsbeiträge sind seit 2006 um mehr als die Hälfte gestiegen. Das hat drei Gründe:

1. Höherer Krankenstand. Im Jahr 2006 waren im Durchschnitt jeden Tag nur 3,3 Prozent der gesetzlich Pflichtversicherten krankgeschrieben, im Jahr 2013 waren es bereits 3,8 Prozent.

2. Beschäftigungsboom. Seit 2005 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 3,1 Millionen gewachsen. Mehr Jobs bedeuten auch, dass mehr Menschen erkranken können und dann einen Lohnfortzahlungsanspruch haben.

3. Gehaltssteigerungen. Die Verdienste steigen Jahr für Jahr – und somit die daran gekoppelte Entgeltfortzahlung.

Damit die Kosten der Entgeltfortzahlung nicht aus dem Ruder laufen, investieren die Unternehmen seit Jahrzehnten erfolgreich in den Arbeitsschutz. Angefangen bei der Kennzeichnung von Gefahrstoffen über die Mitarbeiterschulung im Umgang mit technischen Geräten bis hin zum ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz – die Maßnahmen der Arbeitssicherheit tragen dazu bei, das Ausfallrisiko zu minimieren. Gegen Grippe oder Sportunfälle aber sind die Arbeitgeber machtlos.

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