Lohnstückkosten Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Teure deutsche Industrie

Obwohl die Lohnstückkosten im deutschen Verarbeitenden Gewerbe im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent gesunken sind, lagen sie noch immer deutlich höher als 2007. Die internationale Konkurrenz war 2011 im Schnitt um 8 Prozent preiswerter als die hiesige Industrie.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wer im globalen Exportgeschäft erfolgreich sein will, muss neben Qualität und Service vor allem eines bieten: konkurrenzfähige Preise.
  • Von 2007 bis 2011 sind die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie jahresdurchschnittlich um 2,1 Prozent gestiegen.
  • Im Vergleich mit 25 anderen Ländern hatte die deutsche Industrie im Jahr 2011 die siebthöchsten Lohnstückkosten – der Kostenvorteil der Konkurrenz beträgt damit im Schnitt 8 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

Wer im globalen Exportgeschäft erfolgreich sein will, muss neben Qualität und Service vor allem eines bieten: konkurrenzfähige Preise. Daher sind die Lohnstückkosten, also das Verhältnis von Arbeitskosten zur Produktivität, ein wichtiger Indikator für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Viele Länder haben auf diesem Feld in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht und sind auf die Lohnstückkostenbremse getreten (Grafik).

Zu diesen Staaten gehört auch das krisengeschüttelte Griechenland. Dort kannten die Lohnstückkosten viele Jahre lang nur eine Richtung, nach oben. 2010 und 2011 sind sie indes jeweils um fast 3 Prozent gesunken. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Industrie hat sich damit deutlich verbessert. Das Verarbeitende Gewerbe in Spanien hat seine Lohnstückkosten im vergangenen Jahr sogar um 4 Prozent reduziert und damit unter das Niveau von 2007 gedrückt.

Doch nicht alle Euro-Krisenstaaten zeigten sich so diszipliniert – in Italien etwa sind die Arbeitskos­ten je Produkteinheit seit dem Jahr 2007 besonders stark in die Höhe geschossen.

Dennoch steht es Deutschland nicht zu, zu kritisch zu sein:

Von 2007 bis 2011 sind die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie jahresdurchschnittlich um 2,1 Prozent gestiegen.

Dies ist allerdings nicht übermäßigen Lohnerhöhungen zuzuschreiben. Vielmehr brach während der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 die Produktivität ein, weil die Betriebe trotz schlechter Geschäfte ihr Personal weitgehend gehalten haben. Mittlerweile ist die deutsche Industrie wieder so produktiv wie 2007 – mehr aber auch nicht. Arbeitskostensteigerungen schlagen somit voll auf die Lohnstückkosten durch.

Dass überhaupt so viele Beschäftigte in der Krise ihren Job behalten konnten, lag daran, dass die deutsche Wirtschaft zuvor ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert hatte. Von 2000 bis 2007 gingen die Lohnstückkosten im Jahresdurchschnitt um 2,2 Prozent zurück. Das schaffte kein anderes Euroland. Die USA und Japan allerdings senkten ihre Kosten noch stärker.

Nach dieser durchwachsenen Entwicklung steht für das hiesige Verarbeitende Gewerbe nach wie vor ein hohes Kostenniveau zu Buche (Grafik):

Im Vergleich mit 25 anderen Ländern hatte die deutsche Industrie im Jahr 2011 die siebthöchsten Lohnstückkosten – der Kostenvorteil der Konkurrenz beträgt damit im Schnitt 8 Prozent.

Zwar kann Deutschland mit Platz sechs im Produktivitäts-Ranking punkten. Dies macht jedoch das große Arbeitskosten-Handicap nicht wett – im Durchschnitt haben die anderen Industrieländer um 23 Prozent niedrigere Arbeitskosten.

Christoph SchröderProduktivität und Lohnstückkosten der Industrie im internationalen VergleichIW-Trends 4/2012

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de