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Tarifverträge: Auf die Qualifikation kommt es an

Für immer weniger Arbeitnehmer in Deutschland gilt noch ein Tarifvertrag. Ein wichtiges Kriterium für die Tarifbindung ist die Qualifikation der Beschäftigten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mitte der 1990er wurden über 70 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nach Tarif bezahlt, heute sind es nur noch 48 Prozent.
  • Während die Tarifbindung bei den Angestellten mit steigender Qualifikation sinkt, ist es bei den Arbeitern umgekehrt.
  • Die Unternehmen brauchen hochqualifizierte Mitarbeiter – und die werden durch eine außertarifliche Bezahlung motiviert.
Zur detaillierten Fassung

Wurden Mitte der 1990er Jahre noch mehr als 70 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland nach einem Tarifvertrag bezahlt, sind es heute nur noch 48 Prozent (Tabelle):

Für knapp 38 Prozent der Beschäftigten gilt ein Flächentarifvertrag, auch Branchentarif genannt, und für etwas mehr als ​
10 Prozent ein Haustarifvertrag.

Der große Rest von 52 Prozent unterliegt keinem Tarifvertrag – allerdings arbeiten gut 9 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb, der sich trotzdem am jeweiligen Branchentarifvertrag orientiert, und knapp 6 Prozent sind zwar in einem tarifgebundenen Betrieb beschäftigt, werden aber außertariflich bezahlt.

Bezogen auf die berufliche Stellung gibt es nur geringe Unterschiede: Während von den Arbeitern knapp 48 Prozent nach Tarif entlohnt werden, sind es von den Angestellten rund 47 Prozent.

Unternehmen brauchen hochqualifizierte Mitarbeiter – und die werden unter anderem durch eine außertarifliche Bezahlung motiviert.

Werden beide Gruppen jedoch nach den Qualifikationen aufgeschlüsselt, ergeben sich eher entgegengesetzte Muster: Während die Tarifbindung bei den Angestellten mit steigender Qualifikation sinkt, ist es bei den Arbeitern umgekehrt.

Der Anteil der außertariflich Bezahlten legt allerdings generell mit der Qualifikation zu: In der Gruppe der Arbeiter von 1 Prozent bei Ungelernten auf 10 Prozent bei Meistern, in der Gruppe der Angestellten von 2,4 Prozent bei jenen mit einfachen Tätigkeiten bis zu 23,9 Prozent bei jenen mit umfassenden Führungsaufgaben.

Der überdurchschnittlich hohe Anteil der außertariflich bezahlten Arbeitnehmer auf den höchsten Qualifikationsstufen ist vermutlich auf die gestiegenen Anforderungen in Sachen Flexibilität zurückzuführen. Der technologische Wandel hat dazu geführt, dass von den Arbeitnehmern mehr Eigenverantwortung und ein breiteres Wissen verlangt werden. Die Unternehmen brauchen also hochqualifizierte Mitarbeiter – und die werden durch eine außertarifliche Bezahlung motiviert.

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