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Tarifpolitik Lesezeit 2 Min.

Tarifverhandlungen: Kurze Entspannung

Im zweiten Halbjahr 2025 gab es in Deutschland nur wenige Tarifverhandlungen. Insgesamt verlief das Tarifjahr vergleichsweise harmonisch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Schnitt erreichten die Tarifverhandlungen 2025 eine Konfliktintensität von 6,4 Punkten. Damit lagen sie um 1,5 Punkte unter dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre.
  • Die Verhandlungen eskalierten dabei im Schnitt bis zur Stufe 2,5 auf der bis Stufe 7 reichenden IW-Konfliktskala.
  • Im Jahr 2026 dürfte es aber wieder konfliktreicher zugehen. Unter anderem steht eine der größten Tarifrunden in der Metall- und Elektro-Industrie an.
Zur detaillierten Fassung

Ruhe nach dem Sturm – während es im ersten Halbjahr 2025 in den Tarifverhandlungen noch intensiv zur Sache ging (siehe “Intensives Ringen um Tarifabschlüsse”), verlief die zweite Jahreshälfte wesentlich entspannter. In Summe war das vergangene Tarifjahr damit relativ konfliktarm (Grafik):

Im Schnitt erreichten die Tarifverhandlungen 2025 eine Konfliktintensität von 6,4 Punkten. Damit lagen sie um 1,5 Punkte unter dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre.

Durchschnittliche Konfliktintensität der Tarifverhandlungen in Deutschland in Punkten Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Die Verhandlungen eskalierten dabei im Schnitt bis zur Stufe 2,5 auf der bis Stufe 7 reichenden IW-Konfliktskala.

Das Tarifjahr 2025 verlief vergleichsweise harmonisch. Die Konfliktintensität der Tarifverhandlungen lag um 1,5 Punkte unter dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre.

Unüblich harmonisch gingen in der zweiten Jahreshälfte die Gespräche in der Eisen- und Stahlindustrie über die Bühne. Angesichts hoher Energiepreise, gestiegener Zölle und Konkurrenzdruck aus dem Ausland verzichtete die IG Metall auf eine konkrete Gehaltsforderung und die sonst üblichen Warnstreiks. Stattdessen schnürten die Tarifpartner gemeinsam ein Paket, das die Sicherung von Arbeitsplätzen in den Vordergrund stellt – unter anderem durch flexible Regelungen zur Wochenarbeitszeit und Altersteilzeit.

Ähnlich unkompliziert verliefen die jüngsten Tarifverhandlungen für das Kabinenpersonal bei Eurowings. Das Ergebnis: ein zweistufiger Anstieg der Entgelte um insgesamt 5,4 Prozent, eine höhere Gewinnbeteiligung und eine Einmalzahlung von 1.000 Euro.

Deutlich ruppiger ging es in den Verhandlungen für die Piloten der Deutschen Lufthansa zu – die Auseinandersetzung dauert dort nach wie vor an. Und auch im öffentlichen Dienst der Länder kam es nach mehreren Warnstreiks erst Mitte Februar 2026 zu einer Einigung – für den noch kürzlich bestreikten kommunalen Nahverkehr wird gesondert verhandelt.

Voraussichtlich mehr Tarifkonflikte im Jahr 2026

Die beiden Konflikte deuten bereits an, dass es mit der vorübergehenden Ruhe 2026 schon wieder vorbei sein dürfte. So blieben die im Januar gestarteten Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie und beim Bodenpersonal der Lufthansa bislang ergebnislos, nur die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer kamen Ende Februar zu einer Übereinkunft. Im vierten Quartal steht zudem eine der größten Tarifrunden in der Metall- und Elektro-Industrie an.

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