Lohnentwicklung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Tariflöhne: Die Industrie prescht vor

Die IG Metall fordert für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie Lohnsteigerungen von 6 Prozent sowie die Möglichkeit einer reduzierten Vollzeit. Ein Tariflohnvergleich zeigt, dass die M+E-Industrie seit der Jahrtausendwende vielen Branchen davongeeilt ist.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die IG Metall möchte in der anstehenden Tarifrunde sowohl eine kräftige Lohnerhöhung als auch das Recht auf Arbeitszeitreduzierung durchsetzen.
  • Die Metall- und Elektro-Industrie verzeichnet seit dem Jahr 2000 branchenübergreifend den höchsten Anstieg der Tariflöhne.
  • Werden die Lohnunterschiede zwischen der Industrie und dem Dienstleistungssektor noch größer, dann verlieren insbesondere die sozialen Berufe weiter an Attraktivität für Arbeitnehmer.
Zur detaillierten Fassung

In der anstehenden Tarifrunde möchte die IG Metall nicht nur eine kräftige Lohnerhöhung durchsetzen, sondern für die Beschäftigten auch das Recht erkämpfen, die Arbeitszeit für zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren.

Diese Option ist mit einem Rückkehrrecht auf Vollzeit (35 Stunden) verknüpft und soll in bestimmten Fällen auch mit einem Teillohnausgleich versehen werden.

Ein Blick auf die vergangenen Tarifrunden seit dem Jahr 2000 zeigt, dass die M+E-Industrie die höchste Tariflohndynamik aufweist (Grafik):

In den Jahren zwischen 2000 und 2016 sind die tariflichen Stundenlöhne in der M+E-Industrie um insgesamt 51 Prozent gestiegen, im öffentlichen Dienst waren es nur knapp 35 Prozent.

Ähnlich hohe Lohnzuwächse wie in der Metallindustrie gab es nur in der Chemischen Industrie.

Durch diese Tariflohnpolitik erhöht sich die Differenz zwischen Berufen, die eine Arbeit an Maschinen vorsehen, und Berufen, die Arbeit am Menschen verlangen. Laut Statistischem Bundesamt verdiente ein ausgebildeter Maschinenbauer in Vollzeit im Jahr 2016 durchschnittlich 3.999 Euro brutto, ein ausgebildeter Autobauer sogar 4.795 Euro brutto. Eine ausgebildete Kindergartenerzieherin kam dagegen lediglich auf 3.235 Euro brutto und ein ausgebildeter Mitarbeiter im Krankenhaus auf 3.381 Euro brutto.

In der M+E-Industrie sind die Tariflöhne seit 2000 deutlich schneller gestiegen als in anderen Branchen.

Die IG Metall hat demnach allen Grund, dafür zu sorgen, dass die gut bezahlten Industriearbeitsplätze in Deutschland bleiben und nicht ins kostengünstigere Ausland abwandern. Zudem stellt sich die Frage nach dem künftigen lohnpolitischen Kurs:

Werden die Lohnunterschiede zwischen der Industrie und dem Dienstleistungssektor immer größer, dann werden insbesondere die sozialen Berufe für Arbeitnehmer immer uninteressanter.

Bereiche wie der öffentliche Dienst müssten bei der Lohnentwicklung nachziehen, um auf Dauer attraktiv zu bleiben. Dies ist aber schwierig, da es im Dienstleistungssektor geringere Produktivitätssteigerungen gibt als in der Industrie. Dadurch ist der Verteilungsspielraum in den meisten Dienstleistungsbranchen für Lohnerhöhungen kleiner als im Verarbeitenden Gewerbe.

Lohnsteigerungen, die über den Produktivitätsfortschritt hinausgehen, müssten über Preiserhöhungen finanziert werden. Wo Preise administrativ festgelegt werden, wären auch steigende Gebühren oder höhere Beiträge zu Pflege- und Krankenversicherung die Folge. Diese Preiserhöhungen schwächen die Kaufkraft aller Arbeitnehmer.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de