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Studienabbrecher: Vom Hörsaal in die Ausbildung

Derzeit bricht fast ein Drittel aller Bachelorstudenten in Deutschland das Studium ab. Politik und Wirtschaft sind darüber zu Recht besorgt – dabei gäbe es Wege, die Situation zu verbessern. Einen Lichtblick gibt es bereits: Der Anteil derjenigen, die nach der Exmatrikulation direkt eine Ausbildung aufnehmen, ist deutlich gestiegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bezogen auf alle Absolventen des Jahres 2014 haben an den deutschen Universitäten 32 Prozent ihr Bachelorstudium vorzeitig aufgegeben.
  • Mehr als vier von zehn Abbrechern hatten 2014 ein halbes Jahr nach Verlassen der Hochschule eine Berufsausbildung aufgenommen.
  • Um die Abbrecherquoten zu verringern, sollten duale Studiengänge ausgebaut und Abiturienten besser über Karrierechancen durch eine berufliche Ausbildung informiert werden.
Zur detaillierten Fassung

Bezogen auf alle Absolventen des Jahres 2014 haben an den deutschen Universitäten 32 Prozent ihr Bachelorstudium vorzeitig aufgegeben, an den praxisorientierteren Fachhochschulen 27 Prozent. Damit liegen die Abbruchquoten deutlich höher als in der dualen Berufsausbildung. Dort wird zwar ebenfalls ein Viertel aller Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst, allerdings wechseln etwa zwei von drei Abbrechern lediglich in einen anderen Beruf oder Betrieb und schließen ihre Ausbildung dann erfolgreich ab.

Die Abbrecher haben ihr Studium nach durchschnittlich 4,7 Fachsemestern beendet – und damit viel Zeit und Geld verloren. Die Frage nach der beruflichen Perspektive stellt sich ihnen deshalb besonders drängend.

Zum Glück landen immer weniger Studienabbrecher in der Arbeitslosigkeit, wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt (Grafik):

Waren 2008 noch 15 Prozent der Studienabbrecher ein halbes Jahr später arbeitslos, so waren es 2014 nur noch 11 Prozent.

So viel Prozent der Studienabbrecher hatten ein halbes Jahr nach Exmatrikulation diesen Erwerbsstatus

Analog dazu ist der Anteil jener gestiegen, die nach dem Abbruch des Studiums eine Berufsausbildung anfangen:

Mehr als vier von zehn Abbrechern hatten 2014 ein halbes Jahr nach Verlassen der Hochschule eine Berufsausbildung aufgenommen. Im Jahr 2008 waren es nur zwei von zehn.

Rund ein Drittel der Abbrecher, die eine Berufsausbildung machen, entscheiden sich für eine schulische Ausbildung; zwei Drittel starten eine duale Ausbildung. Attraktiv ist der duale Weg auch deshalb, weil sich die Ausbildung für Studienabbrecher meist um ein Jahr verkürzen lässt.

Um die Zahl der Studienabbrecher zu verkleinern, sollte Schülern verstärkt die Ausbildung als Alternative zum Studium aufgezeigt werden.

Auf der anderen Seite nehmen Studienabbrecher etwas seltener als noch im Jahr 2008 eine Beschäftigung auf: Der Anteil ist von 35 auf 26 Prozent gesunken.

Wer bereits vor dem Studium eine Berufsausbildung abgeschlossen hatte, kehrt nach dem Studienabbruch problemlos in die Arbeitswelt zurück: Knapp zwei Drittel jener Personen waren ein halbes Jahr nach der Uni-Notbremse erwerbstätig. Studienabbrecher ohne vorherige Berufsausbildung absolvierten dagegen zu 52 Prozent eine Berufsausbildung.

Zu hoher Leistungsdruck im Studium

Doch warum brechen so viele ihr Studium ab? Auch darauf gibt die DZHW-Studie Antworten: Von den Studienabbrechern werden am häufigsten zu hohe Leistungsanforderungen als Grund genannt (30 Prozent), gefolgt von mangelnder Studienmotivation (17 Prozent) und dem Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit (15 Prozent).

Von jenen, die sich eine berufliche Alternative zum Studium wünschten, absolvierten 60 Prozent nach dem Abbruch eine Ausbildung, fast genauso hoch war der Anteil bei denjenigen, die als Abbruch-Hauptgrund angaben, einer praktischen Tätigkeit nachgehen zu wollen (Grafik).

Anteil der Personen, die nach abgebrochenem Studium eine Berufsausbildung machten bzw. berufstätig waren, in Prozent

Von der Gruppe der Abbrecher, die als Ursache die finanzielle Situation anführen, ist mehr als die Hälfte anschließend berufstätig. Für diese Gruppe war eine Ausbildung denn wohl auch aufgrund des – vorerst – geringen Verdienstes wenig attraktiv.

Ein halbes Jahr nach dem Studienabbruch sind gleichwohl jene besonders zufrieden, die sich für eine Ausbildung entschieden haben. Sie haben außerdem bereits weitere Karriereschritte fest im Blick – in Form von Fortbildungen zu Fachwirt, Meister und Co.

Die hohe Zufriedenheit der Spät-Azubis sorgt auch dafür, dass Studienaussteiger in vielerlei Hinsicht zufriedener sind als Akademiker – insbesondere mit den Arbeitsbedingungen und den Fortbildungsmöglichkeiten. Dagegen sind Hochschulabsolventen etwas häufiger mit der gesellschaftlichen Anerkennung ihres Berufs und mit dem Gehalt zufrieden.

Frühzeitig für die Ausbildung werben

Doch trotz dieser positiven Aspekte ist es natürlich nicht sinnvoll, dass so viele junge Menschen nach einigen Lebensjahren die Hochschule ohne Abschluss verlassen. Es gäbe wirksame Gegenmaßnahmen:

Umfassende Beratung an Gymnasien. Traditionell ist es Aufgabe der gymnasialen Oberstufe, Abiturienten auf ein Hochschulstudium vorzubereiten. Allerdings sollten die Gymnasien heutzutage – auch angesichts steigender Abiturientenzahlen – neutral über Studium und Berufsausbildung informieren.

Duale Studiengänge ausbauen. Dem Wunsch junger Menschen nach Praxisbezug könnte durch den weiteren Ausbau von dualen Studiengängen begegnet werden.

Über Karrierechancen informieren. Die Studentenzahlen an deutschen Hochschulen sind auch deshalb stark gestiegen, weil viele junge Menschen und deren Eltern die Karrierechancen nach einer beruflichen Aus- und Weiterbildung unterschätzen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt jedoch, dass mit einer „Höheren Berufsbildung“ – etwa zum Meister oder Techniker – häufiger Führungspositionen erreicht werden als mit dem Studium. Zudem sind die Einkommen konkurrenzfähig und die Zufriedenheit im Job ist gleich hoch wie bei Akademikern. Es gilt daher, mehr für den beruflichen Karriereweg zu werben. Die Unternehmen können dazu selbst einen wichtigen Beitrag leisten, beispielsweise durch Schulkooperationen.

Gerade kleine und mittlere Betriebe sollten darüber hinaus Studienabbrecher stärker als Kandidaten für freie Azubi-Plätze wahrnehmen und umwerben. Denn wie eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags zeigt, konnten die Firmen zuletzt 31 Prozent ihrer Lehrstellen nicht besetzen, vor zehn Jahren waren es nur 12 Prozent. Beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (kofa.de) erhalten die Unternehmen Hinweise, wie sie Studienabbrecher gezielt ansprechen können.

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