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„Studenten mit Auslandserfahrung müssen sich besser verkaufen“

Lohnt sich ein Auslandsaufenthalt während des Studiums? Auf jeden Fall, findet Hanns Sylvester, Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD und Projektverantwortlicher der Studie „Die Aufnahme von Hochschulabsolventen mit Auslandserfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt“.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bis 2020 soll jeder zweite Hochschulabsolvent studienbezogene Auslandserfahrungen gesammelt haben.
  • Zurzeit trifft dies auf 35 Prozent aller deutschen Studenten zu.
  • Knapp 7 Prozent dieser Studenten absolvieren einen kombinierten Studien- und Praktikumsaufenthalt im Ausland.
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Würdigen Arbeitgeber es angemessen, wenn Absolventen schon während des Studiums im Ausland waren?

Wenn Arbeitgeber Absolventen mit Auslandserfahrung bereits eingestellt haben, schätzen sie es sehr, dass diese Mitarbeiter ihre Arbeiten meist effektiver und effizienter bewältigen. Unsere Studie zeigt aber auch, dass es im Rekrutierungsprozess noch Defizite gibt: Gerade zu Beginn, im formalen Selektionsprozess, wird der Auslandsaufenthalt noch nicht entsprechend gewürdigt.

Wo im Ausland und was gemacht

Die Studie hat ergeben, dass Arbeitgebern allgemeine Kompetenzen bei Bewerbern wichtiger sind als im Ausland erworbene Fähigkeiten wie Fremdsprachenkenntnisse oder interkulturelle Kompetenz. Sollten Studenten einfach in Deutschland bleiben und schneller studieren?

Nein, das ist die verkehrte Schlussfolgerung. Studenten mit Auslandserfahrung müssen lernen, sich im Vorstellungsprozess entsprechend darzustellen und zu erläutern, wo sie schon im Ausland gearbeitet haben, mit wie vielen Nationalitäten sie bereits in einem Team waren, welche Arbeitssprachen gesprochen wurden und was sie im Ausland konkret gemacht haben. All dies müsste von den Studenten deutlicher vermittelt werden. Wenn das verstärkt praktiziert wird, wird über kurz oder lang auch die interkulturelle Kompetenz im Auswahlverfahren an Bedeutung gewinnen.

Noch wird der Auslandsaufenthalt von Hochschulabsolventen im Rekrutierungsprozess zu wenig gewürdigt – über kurz oder lang wird die interkulturelle Kompetenz im Auswahlverfahren aber an Bedeutung gewinnen.

Sie mahnen aber auch die Arbeitgeber, dass sie dem studienbezogenen Auslandsaufenthalt mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

Die Arbeitgeber sind da schon recht entgegenkommend und bewerten Auslandserfahrungen und praktische Erfahrungen höher als das Einhalten der Regelstudienzeit. Es gibt also bereits die Bereitschaft, außerhalb der rein curricularen Leistung weitere Leistungen und Kompetenzen der Bewerber anzuerkennen und wertzuschätzen.

Sie haben herausgefunden, dass Arbeitgeber ein Praktikum im Ausland höher einschätzen als einen Studienaufenthalt. Sollten Studenten im Ausland also lieber arbeiten, statt zu studieren?

Ein Auslandsstudium erweitert auf jeden Fall die Fachkompetenzen – und das wird von den Arbeitgebern auch begrüßt. Dass sie es aber auch schätzen, wenn ein Kandidat schon in betrieblichen Hierarchien oder Teams gearbeitet hat, ist verständlich. Im Idealfall sollten Studenten im Ausland also sowohl einen Studienaufenthalt wie auch ein Praktikum absolvieren.

Jeder dritte deutsche Student sammelt studienbezogene Auslandserfahrungen

Bis 2020 soll jeder zweite Hochschulabsolvent studienbezogene Auslandserfahrungen gesammelt haben. Wie viele Studenten tun dies bereits?

Zurzeit trifft dies auf 35 Prozent aller deutschen Studenten zu.

Und wie viele davon machen beides, also sowohl im Ausland studieren als auch ein Praktikum dort absolvieren?

Einen kombinierten Studien- und Praktikumsaufenthalt im Ausland absolvieren knapp 7 Prozent dieser Studenten. Knapp 8 Prozent gehen ausschließlich für ein Praktikum und 83 Prozent für einen reinen Studienaufenthalt in ein anderes Land.

 

Dieses Interview wurde zuerst am 5.7.2016 auf iwd.de veröffentlicht.

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