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Strom mit Grenzen

Die neue EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker hat die Energieunion zu einem der wichtigsten Vorhaben ihrer Amtszeit erklärt. Derzeit fließt jedoch nicht einmal der Strom ungehindert durch Europa.

Kernaussagen in Kürze:
  • Von der angestrebten Energieunion ist die EU noch weit entfernt
  • Derzeit fließt der Strom nicht ungehindert durch Europa
  • Es mangelt an Verbindungskapazitäten
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Mit der Energieunion hat sich die EU ambitionierte Ziele gesetzt: Es geht um mehr Sicherheit in der Ener­gieversorgung, um die Vollendung des Energiebinnenmarktes und eine energieeffiziente Wirtschaft. Zudem sollen der CO2-Ausstoß reduziert sowie Forschung, Innovationen und die Wettbewerbsfähigkeit intensiviert werden.

Die Vollendung des Energiebinnenmarktes ist einer der fünf Schwerpunkte der Energieunion: Der Energiefluss soll frei über die Grenzen hinweg möglich sein. Beim Strom zum Beispiel hätte das den Vorteil, dass die Versorger auf die günstigsten Kapazitäten zurückgreifen und die Preise tendenziell sinken.

Zudem könnten Verbrauch und Erzeugung besser in Einklang gebracht werden. Weil nicht überall in Europa zur gleichen Zeit gleich viel Strom erzeugt und verbraucht wird, könnte die überschüssige Energie eines Landes je nach Bedarf in ein anderes Land transportiert werden – was insbesondere wegen der wachsenden Bedeutung der erneuerbaren Energien eine immer wichtigere Rolle spielt.

Deutschland nutzt diese Möglichkeiten bereits rege (Grafik):

2014 exportierte die Bundesrepublik fast 75 Terawattstunden Strom – das waren rund 7 Prozent der deutschen Stromerzeugung und rund ein Drittel mehr als im Jahr 2011.

Umgekehrt hat Deutschland 2014 fast 40 Terawattstunden Strom importiert, sodass ein Exportüberschuss von fast 36 Terawattstunden bleibt. Der größte Nettoexporteur von Strom in der EU ist Frankreich mit fast 68 Terawattstunden. Den größten Importüberschuss hat Italien mit rund 44 Terawattstunden.

Das klingt zwar beeindruckend, aber für eine echte Energieunion hapert es an Verbindungskapazitäten. Deutschland zum Beispiel hat Importkapazitäten von rund 10 Prozent seiner Stromproduktion, in dieser Größenordnung können Kraftwerksausfälle durch Stromimporte ersetzt werden. Und 10 Prozent sind auch der minimale Verbundgrad, den die EU-Kommission umsetzen will – ein Wert, den unter anderem Italien, Großbritannien, Spanien und Polen noch nicht erreichen.

Förderprogramme sowie effizientere Genehmigungsverfahren für Stromtrassen sollen dieses Manko beheben. Damit das Ganze funktioniert, braucht die EU jedoch auch einheitliche Marktregeln, angefangen bei Fragen der Kapazitätssicherung bis hin zu Fördermodalitäten für erneuerbare Energien.

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