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Streiken bis zum Umfallen

Im vergangenen Jahr wurde so häufig gestreikt wie schon lange nicht mehr. Bundesweit gingen mehr als eine Million Arbeitstage verloren. Davon entfiel allein die Hälfte auf den mehrwöchigen Arbeitskampf bei der Deutschen Post. Insgesamt verbuchte der Dienstleistungssektor fast neun von zehn Ausfalltagen. Regional waren der Norden und Hessen überdurchschnittlich stark betroffen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2015 fielen rund 1,1 Millionen Arbeitstage durch Streiks aus.
  • Am häufigsten gestreikt wurde im Norden Deutschlands.
  • Im laufenden Jahr drohen keine Großkonflikte.
Zur detaillierten Fassung

Die amtliche Streikstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) basiert auf den Meldungen bestreikter Arbeitgeber. Sie müssen der BA Arbeitskämpfe anzeigen. Dabei unterscheidet die Statistik zwischen normalen Streiks und Aussperrungen sowie Bagatellstreiks. Normale Streiks und Aussperrungen liegen vor, wenn in einem Betrieb mindestens zehn Arbeitnehmer beteiligt waren und der Ausstand mindestens einen Tag dauerte – oder wenn die Arbeitsstreitigkeiten einen Verlust von mehr als 100 Arbeitstagen verursachten.

Mit 1,1 Millionen ausgefallenen Arbeitstagen war 2015 das konfliktreichste Jahr seit 1992.

Die Statistik informiert über die Zahl der bestreikten Betriebe, die Zahl der Streikenden und der ausgefallenen Arbeitstage. Die Daten werden nach Wirtschaftszweigen und Bundesländern differenziert.

Demnach fielen 2015 rund 1,1 Millionen Arbeitstage aus. Das vergangene Jahr war damit das konfliktreichste seit 1992. Damals gingen mehr als 1,5 Millionen Arbeitstage verloren.

Dass die Streiks 2015 eskalierten, ist zwei Großkonflikten geschuldet: Zum einen wollte ver.di bei der Deutschen Post die Auslagerung der Paketzustellung auf Regionalgesellschaften verhindern. Zum anderen führte die Dienstleistungsgewerkschaft einen verbissenen Arbeitskampf für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungswesen.

Die beiden mehrwöchigen Konflikte verursachten zusammen rund 750.000 Ausfalltage, davon schätzungsweise 550.000 bei der Deutschen Post und 200.000 bei Kindergärten und Kitas.

Der Norden streikt häufiger

Nach Bundesländern aufgeschlüsselt, fielen zuletzt in Nordrhein-Westfalen und in Bayern die meisten Arbeitstage aus. In NRW waren es gerundet 229.000 und in Bayern 197.000 Streiktage. Die wenigsten Arbeitsausfälle verbuchten Thüringen (11.000), Mecklenburg-Vorpommern (14.000) und das Saarland (15.000).

Gemessen an der Zahl der Beschäftigten im jeweiligen Bundesland, wurde in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern am häufigsten gestreikt, dahinter rangiert Hessen (Grafik).

Die Spitzenstellung der Nordländer dürfte mit dem Poststreik zusammenhängen, dort hat ver.di die Verteilzentren offenbar besonders ins Visier genommen. In Hessen dagegen haben die Schwerpunktstreiks in Kitas und im öffentlichen Dienst die Arbeitskampfbilanz verhagelt.

Ob die Tarifauseinandersetzungen auch in Zukunft immer härter geführt werden, lässt sich nicht so einfach sagen. Dafür spricht, dass sich im Dienstleistungssektor bislang noch nicht die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Streiks beiden Seiten schaden.

Dienstleistungsgewerkschaften wollen sich profilieren

Hinzu kommt, dass Besitzstände aus Zeiten monopolartiger Marktstrukturen vehement verteidigt werden und die Spartengewerkschaften vor allem ver.di unter Erfolgsdruck setzen. Schließlich sieht die Dienstleistungsgewerkschaft im Arbeitskampf eine Möglichkeit, neue Mitglieder zu werben.

Im laufenden Jahr drohen allerdings keine Großkonflikte. Bisher gab es nach Angaben der Gewerkschaften nur rund eine Million Streikteilnehmer, vor allem im öffentlichen Dienst sowie in der Metall- und Elektro-Industrie. Dadurch fielen mindestens 200.000 Arbeitstage aus. Die Chemie hat sich in der vergangenen Woche hingegen friedlich geeinigt.

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