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Geopolitik Lesezeit 3 Min.

Strategische Chancen für die EU mit den Golfstaaten

Die EU muss sich angesichts eines fortschreitenden Protektionismus im Welthandel und diverser geopolitischer Spannungen nach zusätzlichen Partnern umsehen. Mit den Golfstaaten sollte Brüssel nicht nur auf ein Freihandelsabkommen hinarbeiten, sondern auch die strategischen Vorteile einer engeren Zusammenarbeit in den Blick nehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Unter dem Irankrieg und seinen wirtschaftlichen Folgen leiden sowohl die EU als auch die Golfstaaten.
  • Beide Seiten sind für ihr Geschäftsmodell auf stabile Partnerschaften angewiesen. Daher ist eine engere Kooperation erstrebenswert.
  • Die EU sollte aber angesichts bereits weitgehend liberalisierten Handelsbeziehungen mit den Golfstaaten vor allem eine strategische Partnerschaft anstreben. Für die EU würden sich so neue Handelswege öffnen und wichtige Partner für erneuerbare Energien kämen hinzu.
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Der 28. Februar 2026 war in verschiedener Hinsicht eine Zäsur. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat sowohl wirtschaftlich als auch politisch weitreichende Konsequenzen. Der Seeweg durch die Straße von Hormus ist seither mehr oder weniger unpassierbar. Das wirkt sich massiv auf die Weltmarktpreise für fossile Energien sowie auf die Versorgung der Welt mit Düngemitteln aus.

Da der Iran in der Folge des Angriffs bilateral die Staaten der Golfregion mit Raketen beschossen hat, ist deren Image als sichere Urlaubsregion, Investitionsstandort und logistisches Drehkreuz beschädigt. Außerdem sind die Golfstaaten mit dem Vorgehen ihres Partners aus Amerika sicherlich nicht komplett einverstanden.

Für Deutschland und die EU bleibt in diesem Konflikt nur die Zuschauerrolle. Mit dessen Folgen – hohen Energiepreisen, Verknappung von Öl, Gas und Kerosin – müssen sie dennoch fertig werden. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs sind dabei die jüngsten einer ganzen Reihe von geopolitischen Verwerfungen, mit denen die Staatengemeinschaft aktuell zu kämpfen hat.

Kooperation mit den Golfstaaten kann sich rentieren

Mit den Mercosurländern, mit Indien und mit Australien hat die EU kürzlich Freihandelsabkommen geschlossen und sich so handelspolitisch bereits strategisch neu aufgestellt, um resilienter zu werden. Nun sollte sie ihr Augenmerk auch auf die Golfstaaten lenken. Dass sich ein solches Abkommen rentieren kann, zeigt ein Blick auf die EFTA-Staaten Norwegen, Schweiz, Island und Liechtenstein, die bereits seit 2014 entsprechende Verträge mit dem Golf-Kooperationsrat (GCC), bestehend aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Oman, Bahrain und Kuwait, haben (Grafik):

Die Exporte der EFTA-Staaten in die Golfregion stiegen nach Inkrafttreten ihres Freihandelsabkommens um jahresdurchschnittlich 3 Milliarden Dollar – ein Plus von 34 Prozent.

Waren im Wert von so vielen Milliarden Dollar handelte der GCC mit diesen Ländergruppen jahresdurchschnittlich, in Preisen von 2017 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Im Vergleichszeitraum sanken die EU-Exporte von 98 Milliarden Dollar auf 93 Milliarden Dollar im Jahresschnitt. Auf der Importseite ist die Diskrepanz sogar noch größer.

Eine enge strategische Partnerschaft mit den Golfstaaten kann sich für die EU aus mehreren Gründen lohnen.

Das Abkommen der EFTA-Länder mit den Golfstaaten kann für die EU als Referenzrahmen dienen. Allerdings ist zum einen zu beachten, dass die EFTA-Staaten mit Norwegen einen eigenen starken Akteur im Energiesektor in ihren Reihen haben und daher andere Waren im Fokus dieser Handelsbeziehungen stehen. Zum anderen sind die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem GCC zu einem guten Teil bereits liberalisiert, sodass der Effekt eines zollfreien Warenverkehrs nicht so stark ausfallen könnte wie für die EFTA-Staaten.

Für die EU sind die Vorteile eines reinen Handelsabkommens daher begrenzt. Vielmehr muss es eine enge strategische Partnerschaft sein, die sich für die EU aus mehreren Gründen lohnen kann:

Erneuerbare Energien. Die Golfstaaten investieren verstärkt in regenerative Energien, um ihren eigenen Bedarf damit zu decken und gleichzeitig ihr Wirtschaftsmodell zu diversifizieren. Gerade hinsichtlich des grünen Wasserstoffs, den die Golfstaaten in großen Mengen herstellen wollen, könnte sich für Europa eine Kooperation auszahlen.

Geopolitik. Sowohl der GCC als auch die EU brauchen stabile Partnerschaften für ihr Wirtschaftsmodell. Außerdem könnten beide gemeinsam auf der internationalen Ebene übereinstimmende politische Interessen wie offene Märkte und die regelbasierte Ordnung mit mehr Nachdruck durchsetzen.

Für die Golfstaaten hätte eine engere Bindung an die EU noch einen weiteren Vorteil: Sie könnten ihren industriellen Sektor import- wie exportseitig stärker diversifizieren. Momentan dominiert China diesen Markt (Grafik):

Mehr als die Hälfte des Werts der elektrischen Maschinen und Geräte, die die Golfstaaten 2024 importierten, entfiel auf chinesische Produkte.

So viel Prozent der Importwerte der Golfstaaten in diesen Produktgruppen stammten im Jahr 2024 aus diesen Ländern und Regionen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Auch für Importe von Maschinen und mechanischen Geräten sowie Fahrzeugen führt für die Golfstaaten bisher kein Weg am Reich der Mitte vorbei. Das Problem: China betreibt durch umfangreiche staatliche Subventionen und die Unterbewertung seiner Währung Yuan Marktverzerrung. Ein fairer und berechenbarer Wettbewerb im internationalen Handel ist so nicht möglich.

Auf diesen setzen allerdings die Golfstaaten, schließlich ist die Globalisierung entscheidend für die Umsetzung ihres Strategiewechsels. Das gilt insbesondere für Saudi-Arabien, das aufgrund seiner wachsenden Rolle innerhalb der G20-Staaten und des Umbaus seiner Wirtschaft auf verlässliche Partner auf Augenhöhe angewiesen ist. Die EU könnte genau diesen Rahmen auf wirtschaftlicher und politischer Ebene bieten.

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