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des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Rohstoffe Lesezeit 3 Min.

Straße von Hormus: Das kollektive Nadelöhr

Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die wichtige Seeverbindung durch die Straße von Hormus so gut wie unpassierbar. Davon sind nicht nur Gas- und Öltransporte betroffen, sondern auch Lieferungen anderer wichtiger Produkte und Rohstoffe. Das hat weitreichende Folgen für die globale Wirtschaft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Aufgrund der Blockade der Straße von Hormus bleiben nicht nur Öl- und Gastransporte auf dem Seeweg aus. Auch die Lieferungen anderer wichtiger Rohstoffe und Produkte sind eingeschränkt.
  • Besonders kritisch ist, dass viele Düngemittel durch die Meerenge transportiert werden müssen. Ihr Fehlen wird sich auf die Ernten im zweiten Halbjahr 2026 und im ersten Halbjahr 2027 auswirken. Für Deutschland sind die ausbleibenden Lieferungen mit chemischen Vorprodukten problematisch.
  • Gemeinsam mit der EU sollte sich die Bundesrepublik für eine langfristige Lösung am Golf einsetzen.
Zur detaillierten Fassung

Diskussionen um Spritpreise, Debatten über die Füllstände der Gasspeicher, die Möglichkeit, dass der Kerosinmangel zu Flugausfällen führt – seit Beginn des Iran-Kriegs dominiert in Deutschland die Sorge um Engpässe bei fossilen Brennstoffen. Aber nicht nur Öl- und Gastransporte auf dem Seeweg bleiben aufgrund der Blockade der zentralen Wasserstraße durch die Golfregion aus. Auch die Lieferungen anderer wichtiger Rohstoffe und Produkte sind eingeschränkt – teils in noch größerem Maß als für die fossilen Brennstoffe (Grafik): 

So viel Prozent der weltweiten Exporte dieser Güter stammen aus der Golfregion Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Ein genauerer Überblick:

Aluminium. Die Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) – das sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman, Bahrain und Kuwait – vereinen rund 9 Prozent der weltweiten Produktion von Primäraluminium auf sich.

Die Seeblockade behindert sowohl die Belieferung als auch den Abtransport des Aluminiums aus den Golfstaaten:

Die Länder des GCC produzierten im April 2026 rund 35 Prozent weniger Aluminium als im Vorjahresmonat.

Andere Weltregionen kompensieren derzeit den Produktionsausfall – allerdings zu höheren Kosten, die sich im höheren Weltmarktpreis für Aluminium widerspiegeln.

Düngemittel. Erdgasvorkommen und geringe Energiekosten machen den Golf zu einem günstigen Standort für die Produktion von Stickstoffdünger. Gut 40 Prozent der globalen Exporte von Harnstoff und rund 30 Prozent von Diammonium-Phosphat und Ammoniak kommen aus der Region.

Eine andauernde Blockade der Straße von Hormus hätte drastische Folgen für die globale Ernährungssicherheit. Verzögerte Düngemittellieferungen führen zu geringeren Ernten und einem niedrigeren Nahrungsmittelangebot im zweiten Halbjahr 2026 und im Jahr 2027. Besonders betroffen davon wären Afrika und Asien.

Die Verwerfungen in den Lieferketten durch die Blockade am Golf belasten auf Dauer die weltweite Produktion vieler Güter.

Schwefel. Als Nebenprodukt lässt sich Schwefel bei der Aufarbeitung von Erdöl und Erdgas gewinnen. Zu den weltweit größten Schwefelproduzenten gehören Katar und Saudi-Arabien.

Insgesamt stammen rund 25 Prozent der weltweiten Produktion und rund 50 Prozent der weltweiten Exporte von Schwefel aus der Golfregion.

Der Rohstoff wird in Form von Schwefelsäure in der Produktion von Metallen wie Kobalt, Kupfer und Nickel und in der Herstellung von Phosphatdünger eingesetzt. Zu den größten Importeuren von Schwefel aus den Golfstaaten zählen Marokko und Indonesien. Bleiben weiterhin die Lieferungen aus, drohen dort Produktionsausfälle, die wiederum die Herstellung von Autobatterien oder Lebensmitteln negativ beeinflussen können.

Helium. Katar ist mit einem Anteil von 35 Prozent einer der größten Heliumproduzenten. Auf der Exportseite liegt der Anteil mit 40 Prozent sogar noch höher, überwiegend beliefert Katar asiatische Länder und Europa. Das Edelgas ist vor allem für die Produktion von Halbleitern wichtig, aus denen wiederum Mikrochips hergestellt werden.

Chemische Vorprodukte. Wie umfangreich die Kettenreaktionen aufgrund der Blockade der Straße von Hormus sind, zeigt der Blick auf die chemischen Vorprodukte. Zu den aus Erdöl und Erdgas hergestellten Vorprodukten zählen Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP). Diese werden wiederum in der chemischen Industrie zu weiteren Vorprodukten – zum Beispiel zu Verpackungen oder zu Kunststoffteilen für die Automobilindustrie – weiterverarbeitet.

Rund 45 Prozent des globalen PE- und PP-Handels haben ihren Ursprung in der Golfregion.

Deutschland und Europa müssen jeweils etwa rund 30 Prozent ihres Bedarfs an PE und PP durch Importe decken. Diese stammten bisher überwiegend aus den Golfstaaten.Die Folgen der ausbleibenden Lieferungen sind bereits zu sehen: Der Anteil der Unternehmen mit Engpässen bei Vorprodukten stieg hierzulande von April bis Mai um 2 Prozentpunkte auf 15,9 Prozent. Besonders betroffen sind die chemische Industrie, die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren und die Elektroindustrie.

Zwar können höhere Preise und eine größere Zahlungsbereitschaft dazu führen, dass die Produktion sich an anderen Standorten in der Welt lohnt. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Verwerfungen in den Lieferketten durch die Blockade am Golf die weltweite Produktion vieler Güter auf Dauer belastet wird. Geringere Wachstumsprognosen – sowohl national als auch global – sind bereits Ausdruck davon.

Der Konflikt zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite muss daher im Interesse aller dringend dauerhaft beigelegt werden. Deutschland und die EU sollten sich verstärkt für eine langfristige Lösung einsetzen.

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