Ökodesign 06.04.2017 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Stoffe, Lacke, Fahrradanhänger

Möglichst ressourcenschonende Produkte zu entwickeln, kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern kann den Unternehmen auch helfen, Kosten zu sparen. Bislang wagt sich aber nur die Hälfte der Industriefirmen in Deutschland auf dieses Feld – und die wenigsten von ihnen mit Nachdruck.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ökodesign ist eine Möglichkeit für Unternehmen, schon bei der Entwicklung von Produkten Ressourcen zu sparen.
  • In Deutschland achtet zwar gut jedes zweite Unternehmen auf eine solche umweltfreundliche Produktgestaltung, die meisten allerdings nur in geringem oder mittlerem Maß.
  • Unternehmen, für die Ökodesign zentral ist, arbeiten daran oft auch hochdigitalisiert.
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Die berühmten – vor 24 Jahren erfundenen – Schweizer Freitag-Taschen aus gebrauchten LKW-Planen haben wohl die Erfolgsgeschichte des Ökodesigns schlechthin geschrieben. Doch: „Ecodesign ist mehr als energieeffiziente Kühlschränke und Taschen aus Recyclingmaterial“, heißt es auf der Webseite des Bundespreises Ecodesign.

Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählt etwa der österreichische Bekleidungs- und Taschenhersteller QWSTION mit einem Regenmantel aus Bio-Baumwolle, der durch seine Webart regendicht ist, aber ohne chemische Beschichtung auskommt. Der Chemiekonzern BASF wiederum wurde für einen Autolack prämiert, der die wärmenden Infrarotstrahlen des Sonnenlichts reflektiert und so die Innenraumtemperatur von Autos um bis zu 4 Grad niedriger hält. Dadurch muss die Klimaanlage nicht so stark hochgefahren werden, was wiederum Sprit spart und die CO2-Emissionen vermindert.

Ein drittes Beispiel: Auch ein komplett aus Kunststoff gefertigter Solarkollektor kann Ökodesign sein – und zwar nicht nur, weil er hilft, aus erneuerbaren Energien Wärme zu erzeugen, sondern auch, weil er viel ressourcenschonender und energiesparender zu produzieren ist als vergleichbare Kollektoren aus Kupfer und Aluminium.

„Ziel von Ökodesign ist, den Material- und Energieverbrauch sowie die Schadstoffe und Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg zu minimieren.“

Kurz gesagt: Beim Ökodesign geht es darum, dass Industrieerzeugnisse so umweltfreundlich wie möglich sind. Diese Anforderung bezieht sich zum einen auf den Gebrauch und zum anderen auf die Herstellung und die Entsorgung. Ziel ist, den Material- und Energieverbrauch sowie die Schadstoffe und Emissionen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu minimieren. Dazu müssen Produkte:

  • besonders langlebig sein,
  • sich gut auseinandernehmen und in ihre einzelnen Bestandteile trennen lassen
  • sowie recycelbar und/oder leicht zu reparieren sein.

Wenn ein Produkt dann auch noch so praktisch und multifunktional ausgelegt ist wie der 2015 ebenfalls mit dem Bundespreis Ecodesign ausgezeichnete Lastenanhänger fürs Fahrrad, unterstützt es überdies den grünen Lebensstil seines Nutzers.

Die Europäische Union forciert diese Idee seit 2005 mit der Ökodesign-Richtlinie (Kasten). Angewendet werden darf sie allerdings nur auf Produkte, die bestimmte Mindestanforderungen etwa in puncto Verkaufsmenge erfüllen. Zunächst erstreckte sich die EU-Richtlinie nur auf Energiebetriebenes wie Waschmaschinen und Kühlschränke. Inzwischen bezieht sie auch Produkte ein, die für den Energieverbrauch relevant sind. Das gilt beispielsweise für Fenster, die besonders wenig Wärme entweichen lassen, und Duschköpfe, die den Durchlauf von warmem Wasser begrenzen.

Deutsche Unternehmen halten sich beim Ökodesign zurück

Unabhängig von der Ökodesign-Richtlinie nutzen in Deutschland bislang recht wenige Unternehmen die Idee des Ökodesigns, um ihre Materialeffizienz zu steigern:

Rund 37 Prozent der im Rahmen des IW-Zukunftspanels befragten Industriefirmen sagen, an ihren Produkten ließe sich mithilfe von Ökodesign kein Material sparen.

Dies betrifft vor allem kleinere Betriebe. Weitere 9 Prozent der Unternehmen achten noch nicht auf umweltfreundliches Produktdesign und 21 Prozent tun dies nur in geringem Maß. Das erscheint zumindest vor dem Hintergrund erstaunlich, dass eine verbesserte Materialeffizienz nicht nur die Umwelt schont, sondern auch Produktionskosten verringern kann.

Bei jenen 12 Prozent der Unternehmen, die Ökodesign großschreiben, fällt vor allem eins auf (Grafik):

Vier von zehn Herstellern mit einem starken Fokus auf Ressourcenschonung in der Produktentwicklung setzen auf eine gute digitale Vernetzung, um dieses Ziel zu erreichen.

Damit sind sie überdurchschnittlich fortschrittlich aufgestellt. Denn von denjenigen Unternehmen, die Ökodesign nur mäßig oft oder kaum einsetzen, hat lediglich jedes neunte beziehungsweise keins seine interne und externe digitale Vernetzung forciert.

Dass ressourcenschonendes Produktdesign und Digitalisierung oft Hand in Hand gehen, hat vor allem einen Grund: Wenn ein Hersteller mit seinen Lieferanten und Kunden digital verbunden ist, hilft ihm das, Innovationspotenzial zu heben und seine Prozesse und Produkte zu optimieren.

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