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Stoff für Diskussionen

Um Flüchtlingen zu helfen, haben dieses Jahr besonders viele Bundesbürger ihre Garderobe ausgemistet. Doch die Kleidernot in Deutschland ist kleiner als das Angebot an Spenden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bundesbürger spenden mehr Altkleider, als Hilfsorganisationen für Bedürftige in Deutschland brauchen.
  • Kommerzielle Altkleiderverwerter exportieren die alten Textilien größtenteils nach Osteuropa und Afrika.
  • Der Verkauf von Secondhand-Bekleidung schafft in Entwicklungsländern Arbeitsplätze.
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Von den 100.000 Tonnen Kleidung, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) jährlich via Kleiderkammer oder Container sammelt, ist etwa die Hälfte noch tragbar – und davon gehen gerade einmal 4.000 bis 5.000 Tonnen an Bedürftige in Deutschland. Der Rest wird an kommerzielle Verwerter verkauft, also jene Unternehmen, die hierzulande Zehntausende eigene Altkleidercontainer aufgestellt haben und den gesammelten Stoff größtenteils nach Osteuropa und Afrika exportieren. Im Unterschied zu den gewerblichen Entsorgern finanzieren Organisationen wie das DRK oder Oxfam mit ihren Einnahmen Hilfsprojekte.

Trotzdem haben viele Menschen Bauchschmerzen beim Kleiderspenden. Der Grund dafür ist, dass es immer öfter heißt, die Secondhand-Exporte würden die afrikanische Textilwirtschaft zerstören – Simbabwe hat die Einfuhr von Altkleidern inzwischen sogar verboten. Der Verband der gemeinnützigen Kleidersammler FairWertung kommt in seinem „Dialogprogramm Gebrauchtkleidung in Afrika“ jedoch zu anderen Ergebnissen: Demnach bildet der Verkauf von Altkleidern zum einen eine Wertschöpfungskette, die Arbeitsplätze bis ins kleinste Dorf schafft. Zum anderen kann die afrikanische Industrie die Grundversorgung mit Kleidung gar nicht sichern. Und beliebter als die billigen Synthetik-Shirts aus China sind die gebrauchten europäischen Baumwollsachen allemal.

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