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Steuern: Entlastung von der Belastung

In ihren Wahlprogrammen versprechen die derzeitigen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD den Bundesbürgern weniger Steuern und Sozialabgaben. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat sich die Konzepte genauer angesehen und ausgerechnet, was dabei für verschiedene Haushaltstypen herauskommen würde.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Steuer- und Abgabenbelastung ist je nach Haushaltstyp seit 2010 um 1,5 bis 3,2 Prozent des Einkommens gestiegen.
  • Beide derzeitigen Regierungsparteien versprechen in ihren Wahlprogrammen steuerliche Entlastungen – für kinderlose Singles fallen diese nach Berechnungen des IW Köln jedoch eher spärlich aus.
  • Familien würden stärker profitieren – dabei zeigt die Union ein Herz für Geringverdiener, während die gutverdienenden Haushalte mit Kindern nach den SPD-Plänen besser abschneiden.
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Die Konjunktur läuft rund, der Arbeitsmarkt boomt, die Steuern sprudeln – sprich: Die Kassen sind voll. Ergo erwarten die Steuerzahler, dass ihnen der Staat künftig etwas mehr von ihren Bruttoeinkommen übrig lässt. Zu Recht, denn je nach Haushaltstyp ist die Steuer- und Abgabenbelastung seit 2010 um 1,5 bis 3,2 Prozent des Haushaltseinkommens gestiegen – am stärksten ausgerechnet für verheiratete und unverheiratete Paare mit Kindern.

Das IW Köln hat die Steuer- und Abgabenpläne der Regierungsparteien (Kasten unten) deshalb auch daraufhin untersucht, ob und wie stark sie diese zusätzlichen Belastungen abbauen würden. Zwei Beispiele:

Kinderlose würden von Union und SPD steuerlich nur leicht entlastet

Singles ohne Kinder. In den Einkommensklassen 22.000 Euro (Geringverdiener), 50.000 Euro (Mittelverdiener) und 75.000 Euro (Gutverdiener) müssen Singles derzeit zwischen 29,7 und 43,8 Prozent ihres Haushaltseinkommens ans Finanzamt und an die Sozialversicherungen abführen (Grafik) – das sind 1,6 bis 1,8 Prozent mehr als 2010.

Ein Vergleich der Steuerkonzepte von Union und SPD zeigt, dass Geringverdiener in beiden Fällen etwa gleich stark entlastet würden – um 0,9 beziehungsweise 1 Prozent ihres Bruttoeinkommens. Mittelverdiener dagegen würden von der SPD etwas stärker entlastet (1,8 Prozent) als bei der Union (1,4 Prozent). Gutverdiener wiederum schneiden im Unions-Konzept besser ab (1,5 Prozent) als bei der SPD (1 Prozent). Das heißt: Außer für Mittelverdiener im SPD-Modell bleiben die Entlastungen für alle Singles hinter den Zusatzbelastungen seit 2010 zurück.

Familien kommen in den Steuerplänen besser weg

Ehepaare mit zwei Kindern. Weil die Anpassung des Kindergelds geringer ausfiel als die nominalen Lohnsteigerungen, ist die Abgabenbelastung von Familien seit 2010 mit 1,9 bis 3 Prozent stärker gestiegen als die von kinderlosen Ehepaaren, die maximal 1,7 Prozent mehr abzuführen hatten. Allerdings ist das Abgabenniveau derzeit in allen drei Haushaltseinkommensgruppen für Paare mit Kindern deutlich niedriger als für kinderlose Paare.

Der Nachwuchs spielt in beiden Steuerkonzepten eine wichtige Rolle: Die SPD plant einen Kinderbonus, der verheirateten Eltern aber nur gewährt werden soll, wenn sie in das neue Ehegattensplitting-Modell wechseln (siehe IW-Kurzbericht 59/2017).

Verkehrte Welt: Bei der SPD sollen gutverdienende Familien steuerlich stärker entlastet werden als bei der CDU.

Die Union hat zwei Varianten für mehr Kindergeld und höhere Freibeträge im Köcher – ob die Variante A mit 217 Euro Kindergeld umgesetzt werden soll oder die Variante B mit 250 Euro, geht aus dem Wahlprogramm nicht eindeutig hervor. Das IW Köln hat beide durchgerechnet. Das Ergebnis (Grafik):

Geringverdiener werden in beiden Varianten von CDU/CSU stärker entlastet als im SPD-Konzept.

Allerdings schafft es die Union nur in der Variante mit 250 Euro Kindergeld, die zusätzlichen Belastungen zu kompensieren – mit einer Entlastung von 4,3 Prozent des Haushaltseinkommens wären die Zusatzbelastungen von 3 Prozent seit 2010 sogar mehr als ausgeglichen. Für Familien mit mittlerem Einkommen sind das SPD-Konzept und die Variante A der Union mit Entlastungen von jeweils 1,9 Prozent zwar gleichwertig, beide können aber die Mehrbelastungen seit 2010 nicht wettmachen.

Gutverdiener-Familien schneiden bei der SPD mit einer Entlastung von 2 Prozent deutlich besser ab als in der Variante A der Union mit 1,5 Prozent; die Entlastung ist sogar höher als die früheren Zusatzbelastungen. CDU/CSU schaffen das nur, wenn sie das höhere Kindergeld einführen.

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