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Steine aus dem Weg räumen

Das deutsche Bildungssystem ist noch immer nicht durchlässig genug: Wer kein Abitur oder keine Fachhochschulreife hat und zunächst eine berufliche Ausbildung absolviert, muss anschließend etliche Hürden nehmen, bevor er studieren darf. Dies muss sich schon deshalb ändern, weil Deutschland kein Fachkräftepotenzial zu verschenken hat.

Kernaussagen in Kürze:
  • Absolventen einer dualen Ausbildung, die kein Abi haben, müssen in fast allen Bundesländern mindestens drei Jahre lang in ihrem Beruf arbeiten, bevor sie ein fachbezogenes Studium aufnehmen dürfen.
  • Im Jahr 2013 starteten daher in Deutschland lediglich rund 12.000 junge Menschen als beruflich Qualifizierte ohne Abitur oder Fachhochschulreife in ein Studium.
  • Das Bildungssystem muss also noch durchlässiger werden, zum Beispiel indem die Berufsschulen häufiger die Fachhochschulreife vermitteln.
Zur detaillierten Fassung

Für viele Jugendliche scheint die Sache klar: Karriere zu machen und gutes Geld zu verdienen, klappt am besten, wenn man studiert. Ein großer Teil derer, die nicht direkt das Abitur anpeilen, wechselt daher von der allgemeinbildenden an eine berufliche Schule, erwirbt dort die Fachhochschulreife und startet dann ins Studium.

Dies ist aber offenbar längst nicht für alle der richtige Weg. Denn rund 30 Prozent aller Bachelorstudenten brechen ihr Studium ab – in einigen technischen Studiengängen liegt die Quote sogar bei über 50 Prozent. Vermutlich wäre so mancher besser beraten gewesen, zunächst eine Berufsausbildung zu absolvieren, dadurch seine Neigungen und Stärken zu erproben und erst dann bei Bedarf ein Studium dranzuhängen.

Dieser Weg ist allerdings steinig. So müssen die Absolventen einer dualen Ausbildung, die kein Abi haben, in fast allen Bundesländern mindestens drei Jahre lang in ihrem Beruf arbeiten, bevor sie ein fachbezogenes Studium aufnehmen dürfen. Nur in Brandenburg und Rheinland-Pfalz beträgt diese Frist zwei Jahre. Ihr Studienfach frei wählen dürfen nur jene, die ihren Meister gemacht oder bestimmte Fortbildungsabschlüsse in der Tasche haben.

Aus diesem Grund ist die Zahl der Studenten, die ohne Abi über den Beruf an die Hochschulen kommen, noch immer überschaubar (Grafik):

Im Jahr 2013 starteten in Deutschland lediglich rund 12.000 junge Menschen als beruflich Qualifizierte ohne Abitur oder Fachhochschulreife in ein Studium – das waren gerade einmal 2,4 Prozent aller Studienanfänger.

Nimmt man auch noch andere Studienanfänger ohne formale Hochschulreife hinzu, verfügten zuletzt insgesamt 3,3 Prozent der Erstsemester hierzulande nicht über eine klassische Hochschulzugangsberechtigung. Damit wird das Potenzial der jungen Generation bei weitem nicht ausgeschöpft.

Weil Jugendliche nun einmal ganz unterschiedliche Talente haben und zu verschiedenen Zeitpunkten Bildungsentscheidungen treffen, aber auch aus Gründen der Fachkräftesicherung, muss der Schritt von der Berufsausbildung an die Hochschule künftig leichter gemacht werden. Dazu gehört vor allem die Abschaffung der Regelung, dass beruflich Qualifizierte nur nach mehrjähriger Berufserfahrung und nur innerhalb ihres erlernten Fachgebiets studieren dürfen. Dann könnten sich die Jugendlichen freier für eine duale Ausbildung entscheiden, weil sie wüssten, dass ihnen später immer noch alle Wege offenstehen.

Um das Bildungssystem durchlässiger zu gestalten, ist aber noch mehr zu tun. So sollten die Berufsschulen häufiger die Fachhochschulreife vermitteln, um den Azubis neue Optionen zu eröffnen. Und die Hochschulen könnten mehr Brückenkurse anbieten, zum Beispiel in technischen Studiengängen Ergänzungskurse in Mathematik, um den Studienerfolg beruflich qualifizierter Studenten zu fördern.

Einige Schritte in die richtige Richtung sind bereits getan. So ist in Hessen derzeit eine weitgehende Öffnung der Hochschulen für beruflich Ausgebildete in Vorbereitung.

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