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Steigender Kostendruck

Seit dem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise laufen die Löhne dem Produktivitätsfortschritt davon. Dies wird sich langfristig in steigenden Preisen und einer schlechteren preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen niederschlagen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit dem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise laufen die Löhne dem Produktivitätsfortschritt davon.
  • Die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit derzeit 42 Millionen auf einem Rekordniveau.
  • Die Abkoppelung der Lohndynamik von der Produktivitätsentwicklung sorgt für steigende Lohnstückkosten.
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Ende der 1990er Jahre hat sich der lohnpolitische Kurs in Deutschland geändert. Die Tarifverträge wurden zunächst bei der Arbeitszeit und später auch bei den Löhnen schrittweise geöffnet, um mehr betrieblichen Gestaltungsspielraum zu gewinnen. Gleichzeitig hat eine lang anhaltende Phase angemessener Lohnabschlüsse begonnen.

Die Flexibilisierung und eine maßvolle Lohnpolitik haben sich ausgezahlt: Die Zahl der Arbeitslosen ist von 5 Millionen im Jahr 2005 auf aktuell 3 Millionen gesunken. Das lange Zeit rückläufige Arbeitsvolumen ist inzwischen wieder so hoch wie Mitte der 1990er Jahre.

Die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit derzeit 42 Millionen auf einem Rekordniveau.

Diese arbeitsmarktpolitischen Erfolge gingen zeitweise einher mit einem Anstieg des Niedriglohnsektors. Der Trend ist aber seit einigen Jahren gestoppt. Analysen zur Lohnschichtung zeigen sogar, dass die Zahl der Beschäftigten, die weniger als den künftigen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde verdienen, von 2011 bis 2012 um eine halbe Million zurückgegangen ist – und bis 2015 nochmals um etwa 1 Million sinken dürfte.

Ursache dafür ist, dass die Tariflohndynamik seit 2008 Fahrt aufgenommen hat und auch die tatsächlich gezahlten Bruttostundenlöhne seit 2011 im Durchschnitt kräftig zulegen. Dabei ist es zu einer deutlichen Abkoppelung des Lohns von der Produktivitätsentwicklung gekommen (Grafik).
Die einzelnen Perioden im Schnelldurchlauf:

  • Zwischen 2005 und 2008 entwickelten sich Löhne und Produktivität noch im Gleichklang.
  • Ab dem Jahr 2008 zogen die Löhne der Produktivität davon. Das lag an der Wirtschaftskrise. Sie hat die gesamtwirtschaftliche Produktivität 2008 und 2009 schrumpfen lassen. Damals legten die Tariflöhne weiter zu, wegen der Kurzarbeit ging der Output aber deutlich zurück.
  • In den Jahren 2010 und 2011 zog die Produktivität im Zuge des Aufschwungs kräftig an, sodass sich die Schere zunächst nicht weiter öffnete.
  • Seit dem Jahr 2012 legt die Produktivität aufgrund des schwächeren Wachstums aber wieder langsamer zu, während die Tariflohndynamik an Fahrt gewinnt. Laut Prognosen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird sich dies im laufenden Jahr fortsetzen.

Die Abkoppelung der Lohndynamik von der Produktivitätsentwicklung sorgt für steigende Lohnstückkosten. Die Unternehmen werden mittelfristig versuchen, dies auf die Preise überzuwälzen oder zu rationalisieren.

Vorerst dürfen sich die Beschäftigten darüber freuen, dass sie auch nach Abzug der Teuerung mehr in der Tasche haben – zumal die tatsächlich ausgezahlten Effektivlöhne derzeit stärker steigen als die Tariflöhne. Dafür sorgen übertarifliche Leistungen, Überstundenzuschläge oder Gewinnbeteiligungen. Dieser Trend dürfte sich 2014 fortsetzen.

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