M+E-Strukturbericht (Teil 5) Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Standort Deutschland – hohe Qualität, hohe Kosten

Ob Unternehmen an einem Standort investieren oder nicht, hängt im Wesentlichen von dessen Attraktivität ab. Durch die Globalisierung und die härtere internationale Konkurrenz ist ein wettbewerbsfähiger Standort für Firmen noch wichtiger geworden als früher. Im internationalen Vergleich der Standortqualität steht Deutschland gut da. Doch hohe Kosten gefährden diese Position.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Attraktivität eines Standorts hängt von diversen Faktoren ab. Der IW-Standortindex berücksichtigt viele unterschiedliche Parameter, um die Qualität eines Standorts zu bestimmen.
  • Deutschland ist im Niveauranking Siebter, an der Spitze liegt die Schweiz.
  • Die neuen Wettbewerber holen allerdings auf: Im Dynamikranking liegt Rumänien vorn, gefolgt von China.
Zur detaillierten Fassung

Wie attraktiv ein Standort für Unternehmen ist, hängt von vielen Faktoren ab. Im IW-Standortindex werden unterschiedliche Parameter berücksichtigt, um die Qualität eines Standorts zu bestimmen. Die sechs abgebildeten Themenbereiche Governance, Infrastruktur, Wissen, Ressourcen, Kosten und Markt bestehen jeweils aus 14 Untergruppen, die wiederum durch 50 Einzelindikatoren definiert werden. Alle Werte fließen in einen Index ein. Der Mittelwert entspricht 100. In jedem der 44 untersuchten Länder, das einen höheren Indexwert aufweist, ist folglich die Standortqualität im Hinblick auf Produktions- und Investitionsbedingungen überdurchschnittlich hoch.

Niveauranking. Die Unternehmen der M+E-Industrie haben mit Deutschland einen Standort, der zur Spitzengruppe zählt (Grafik):

Die Bundesrepublik belegt im Niveauranking unter 44 Ländern den siebten Platz.

Niveauranking des IW-Standortindexes

Besonders in den Teilbereichen Infrastruktur und Governance kann der Standort Deutschland punkten. Eine bessere Platzierung im Ranking verhindert aber der Kostenfaktor. Deutschland belegt im Vergleich der 44 Staaten hier nur Rang 35. Ursache für das schwache Abschneiden sind neben den Energiekosten vor allem die hohen Arbeitskosten – auch in der Metall- und Elektro-Industrie. Nur in der Schweiz, Norwegen, Dänemark und Schweden fallen die Gesamtkosten noch höher aus. Weiter steigende Kosten würden den Standort Deutschland für Investoren unattraktiver machen.

Der Standort Deutschland gehört international zur Spitzengruppe. Hohe Kosten für Unternehmen gefährden diese Position jedoch.

Die Spitzenposition im Niveauranking nimmt – trotz hoher Kosten – die Schweiz ein. Hinter den Eidgenossen landen mit einigem Abstand Japan und die Niederlande. Auffällig ist, dass die traditionellen Industrieländer das Ranking dominieren und gegenüber den neuen Wettbewerbern einen deutlichen Vorsprung in fünf von sechs Teilbereichen haben. Aber klar ist: Gerade bei den Kosten können die Schwellenländer durch günstigere Angebote punkten.

China liegt deutlich zurück

Aufgrund der Defizite in den meisten Kernbereichen findet sich kein neuer Wettbewerber unter den Top 15. Malaysia belegt als bestes Land dieser Gruppe den
16. Platz. Neben Estland (Rang 21) ist es das einzige Land mit einem überdurchschnittlichen Wert im Standort­index. Schlechter schneidet unter anderem das Reich der Mitte ab:

China liegt mit einem Indexwert von 93,6 im Niveauranking nur auf Position 23.

Während die Volksrepublik in den Bereichen Ressourcen, Markt, Infrastruktur und Kosten (über-)durchschnittliche Werte erzielt, trüben Rückstände in Governance und Wissen das Gesamtbild.

Dynamikranking. Neben dem aktuellen Niveau hat das IW mit dem Standortindex auch die Entwicklungen von 2000 bis 2015 ermittelt. Im Gegensatz zum Niveauranking dominieren hier die neuen Wettbewerber. Die Erklärung für diesen Umstand ist einfach: Da die traditionellen Industriestaaten auf einem deutlich höheren Niveau agieren, sind für sie die Steigerungspotenziale entsprechend geringer.

Unter diesem Gesichtspunkt ist das Ergebnis für Deutschland gut (Grafik):

In der Bundesrepublik haben sich die Produktionsbedingungen für die M+E-Industrie zwischen 2000 und 2015 genauso entwickelt wie im Durchschnitt aller betrachteten Länder.

Dynamikranking des IW-Standortindexes

Die heimischen Unternehmen profitieren von einer hohen Dynamik im Teilbereich Wissen (Rang 12) im Vergleich zur direkten Konkurrenz. Ganz anders sieht es bei den Kosten aus. Wie viele traditionelle Wettbewerbsländer schneidet Deutschland auf diesem Gebiet nicht gut ab (Rang 36). Vor allem aber hat sich die Position des Standorts und damit auch jene der deutschen M+E-Industrie hier noch weiter verschlechtert.

Insgesamt ist das deutsche Ergebnis im Dynamikranking allerdings deutlich besser als das wichtiger Wettbewerber wie zum Beispiel Japans (Rang 27) und der USA (Rang 41). Südkorea auf Platz 9 und China als Zweitplatzierter konnten dagegen den Rückstand auf Deutschland verkürzen.

Sieger im Dynamikranking ist Rumänien, und auch Lettland, Bulgarien und Litauen konnten sich in den Top 5 platzieren. Insgesamt bleibt jedoch festzuhalten: Auch wenn sich die neuen Wettbewerbsländer dynamischer entwickeln, ist der Abstand zu den Etablierten immer noch sehr groß.

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