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Standards helfen weiter

Das Schulsystem in Deutschland hat ein Qualitätsproblem: Es entlässt zu viele Schüler ohne Ausbildungsreife. Daher ist die Einführung von schulischen Mindeststandards dringend notwendig.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Schulsystem in Deutschland hat ein Qualitätsproblem.
  • Das Minimum an Wissen und Fähigkeiten, das Schulabsolventen unabhängig von der besuchten Schulform mitbringen sollten, ist nirgends festgelegt.
  • In der Praxis machen nahezu alle Betriebe die Erfahrung, dass grundlegende Fähigkeiten nicht oder nur teilweise vorhanden sind.
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Ihre Rechtschreibung ist mangelhaft, sie können sich schriftlich nur schlecht ausdrücken und schon simple Rechenoperationen wie der Dreisatz bereiten ihnen Probleme: In den vergangenen zehn Jahren haben in Deutschland zwischen 150.000 und 220.000 Jugendliche nach der zehnten Klasse die Schule verlassen, ohne über die nötige Grundbildung zu verfügen.

Und das Paradoxe ist: Obwohl diese jungen Männer und Frauen kaum in der Lage sind, einfache Texte zu verstehen oder gar selbst kurze, verständliche Mitteilungen zu schreiben, haben viele einen Schulabschluss in der Tasche.

Wie kann das sein? Seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse vor zehn Jahren haben alle Bundesländer die Lehrpläne überarbeitet. Und in denen steht detailliert, was Schüler in welchem Schuljahr vermittelt bekommen sollen. Allerdings gibt es für diese Kompetenzen keine Priorisierung oder Hierarchie, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bemängelt:

Das Minimum an Wissen und Fähigkeiten, das Schulabsolventen unabhängig von der besuchten Schulform mitbringen sollten, ist nirgends festgelegt.

Dabei ergab eine Unternehmensbefragung durch das IW Köln, dass alle Betriebe mehr oder weniger das Gleiche von ihren Ausbildungsplatzbewerbern erwarten (Grafik). Als unverzichtbar gelten die mündliche Sprachbeherrschung, das Verstehen von einfachen Texten und die einwandfreie Anwendung der Grundrechenarten. Genauso wichtig ist den Unternehmen aber, dass Schulabsolventen über Sozialkompetenzen wie Leistungs- und Lernbereitschaft, Teamfähigkeit und gute Umgangsformen verfügen.

In der Praxis machen nahezu alle Betriebe jedoch die Erfahrung, dass diese grundlegenden Fähigkeiten nicht oder nur teilweise vorhanden sind. Das lässt sich nur ändern, wenn die Bildungspolitiker endlich einen Katalog an Mindeststandards vorlegen, der unverzichtbare Kompeten­zen von Schulabsolventen formuliert.

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