Stahl- und Aluminiumwaren: Wer von Trumps Zollpolitik profitiert
Aufgrund der hohen US-Zölle sind die Importe von einigen Waren aus Stahl und Aluminium in die Vereinigten Staaten stark zurückgegangen. Doch nicht alle Handelspartner sind davon gleichermaßen betroffen. Aus manchen ostasiatischen Staaten importieren die USA sogar deutlich mehr.
- Industriegüter, die zu einem erheblichen Teil aus Stahl oder Aluminium bestehen, werden, wenn sie die Grenze der USA überschreiten, seit August 2025 mit einem Zusatz-Zollsatz von 50 Prozent belegt.
- In der Folge sanken in den darauffolgenden zehn Monaten die US-Importe dieser Güter; auch aus Deutschland – nämlich um 10 Prozent, was einem Warenwert von knapp 1,2 Milliarden Dollar entspricht.
- Brüssel hat die USA aufgefordert, die hohen Importzölle Ende dieses Jahres zurückzunehmen. Für einige mobile Industriegüter wie Gabelstapler hat das bereits geklappt.
Traktoren, Kranwagen, Stahlrohre, Schraubenschneider und Spritzgusswerkzeuge: All diese Industriegüter bestehen zu einem erheblichen Teil aus Stahl oder Aluminium – und werden, wenn sie die Grenze der USA überschreiten, seit August 2025 mit einem Zusatz-Zollsatz von 50 Prozent belegt. In der Folge sind die US-Einfuhren von Stahl- und Aluminiumprodukten aus dem Kernbereich der Industrie – betrachtet werden im Folgenden Waren auf der Zehn-Steller-Ebene der US-Importstatistik – stark zurückgegangen:
Zwischen August 2025 und Mai 2026 sind die weltweiten US-Importwerte von Waren mit einem relevanten Anteil an Stahl und Aluminium, für die seit August 2025 ein Zusatzzoll gilt, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,5 Prozent gesunken.
Besonders groß war das Minus bei den US-Importen aus China (Grafik):
Von August 2025 bis Mai 2026 importierten die USA 33 Prozent weniger der betroffenen Stahl- und Aluminiumprodukte aus China als im Vorjahreszeitraum.
Das liegt daran, dass der effektive US-Zollsatz – also die tatsächlich gezahlten Zölle in Relation zu den Importen – auf die betroffenen Stahl- und Aluminiumwaren aus China im genannten Zeitraum knapp 48 Prozent betrug. Der effektive US-Zollsatz für diese Waren aus Deutschland lag bei vergleichsweise niedrigen 21 Prozent. Dennoch sanken in den betrachteten zehn Monaten auch die US-Importe dieser Güter aus Deutschland – nämlich um 10 Prozent, was einem Warenwert von knapp 1,2 Milliarden Dollar entspricht.
Die US-Importe von Stahl- und Aluminiumwaren aus China und der EU sind in den vergangenen Monaten stark gesunken, die Einfuhren aus einigen südostasiatischen Ländern dagegen haben deutlich zugenommen.
Auffällig ist, dass die USA trotz ihrer hohen Einfuhrzölle aus einigen südostasiatischen Ländern deutlich mehr der betroffenen Stahl- und Aluminiumwaren importierten als zuvor: So haben insbesondere die entsprechenden US-Importe aus Thailand zugenommen – um stolze 31 Prozent beziehungsweise rund 1,4 Milliarden Dollar. Dabei ist der effektive US-Zollsatz für diese Güter aus Thailand mit 23 Prozent auch nicht gerade niedrig. Ähnliches gilt für Vietnam: Obwohl der effektive US-Zollsatz für die betroffenen Stahl- und Aluminiumprodukte aus Vietnam 21 Prozent betrug, stiegen die US-Importe aus dem Land im genannten Zeitraum um 12 Prozent. Auch aus Malaysia, Indonesien und Kambodscha importierten die USA zuletzt mehr dieser Stahl- und Aluminiumgüter aus dem Kernbereich der Industrie.
Umgeht China den Zollaufschlag durch Umleitung seiner Waren?
Wie kann das sein? Die Vermutung liegt nahe, dass ein Teil des starken Zugewinns dieser Länder auf die Umleitung chinesischer Waren zurückzuführen ist. So könnte Peking den chinaspezifischen Zollaufschlag vermeiden. Damit dürfte der tatsächliche Rückgang der US-Importe von chinesischen Stahl- und Aluminiumprodukten geringer sein, als die bilateralen Handelsdaten zeigen.
Derweil hat Brüssel die USA aufgefordert, die hohen Importzölle auf Waren mit einem hohen Stahl- und Aluminiumanteil bis Ende dieses Jahres zurückzunehmen. Für einige mobile Industriegüter hat das bereits geklappt: Seit Juni gilt etwa für Gabelstapler, die aus EU-Staaten in die USA exportiert werden, nur noch ein Zollsatz von 15 Prozent – auf diese grundsätzliche Obergrenze hatten sich die USA und die EU vor gut einem Jahr im sogenannten „Turnberry Deal“ geeinigt. Länder wie China, die keinen Handelsdeal mit den USA geschlossen haben, müssen dagegen 25 Prozent Zollaufschlag für solche mobilen Industriegüter zahlen. Lediglich für einige Agrartechnikprodukte sowie Heizungs- und Klimaanlagen hat die US-Regierung im Juni den Zollsatz weltweit auf 15 Prozent gesenkt.