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Stabiler als gedacht

Die europäische Gemeinschaftswährung hat ein Imageproblem. Immer wieder wird der Euro für massive Preissteigerungen und die Schuldenkrisen einiger Mitgliedsstaaten verantwortlich gemacht. Tatsächlich aber ist der Euro nach außen wie nach innen sehr stabil.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die europäische Gemeinschaftswährung: Immer wieder wird der Euro für massive Preissteigerungen und die Schuldenkrisen einiger Mitgliedsstaaten verantwortlich gemacht.
  • Zwischen Ende 2001 und Ende 2004 wertete der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 50 Prozent auf.
  • Trotz aller Aufs und Abs stürzte der Euro während der gesamten Krisenphase niemals ab. Er blieb durchweg über seinem Einstandsniveau von 1,18 Dollar.
Zur detaillierten Fassung

Es ist nicht zu leugnen: Das Ansehen des Euro war schon mal besser. Mit der Gemeinschaftswährung, die derzeit in 17 europäischen Staaten offizielles Zahlungsmittel ist und von elf Ländern bereits 1999 eingeführt wurde, können sich viele immer noch nicht so recht anfreunden. Die Euro-Skeptiker machen die gemeinsame Währung für unverhältnismäßige Preissteigerungen, die Schuldenkrise und weitere wirtschaftliche Miseren verantwortlich.

Dass beispielsweise Brot in den vergangenen Jahren teurer geworden ist oder dass in den südeuropäischen Ländern aktuell Millionen junger Leute keine Arbeit finden, lässt sich aber schlechterdings nicht auf die gemeinsame Währung zurückführen. Zwar halten sich solche populären Irrtümer rund um den Euro vor allem in Krisenzeiten hartnäckig, eine genauere Prüfung zeigt allerdings, dass die Gemeinschaftswährung tatsächlich ziemlich stabil und solide ist. Das gilt sowohl im Außen- wie im Innenverhältnis:

  1. Die Inflation in Deutschland war seit der Euro-Einführung 1999 ausgesprochen moderat (Grafik):

Seit Beginn der Währungsunion haben sich die Verbraucherpreise in Deutschland gerade einmal um durchschnittlich 1,6 Prozent pro Jahr erhöht. Demgegenüber betrug die Inflationsrate in den 1980er und 1990er Jahren, als noch mit D-Mark bezahlt wurde, im jährlichen Durchschnitt jeweils 2,6 Prozent.

Obwohl die Verbraucherpreise also seit der Euro-Einführung langsamer gestiegen sind als zu Zeiten der vermeintlich härteren D-Mark, hadert so mancher mit dem „Teuro“. Ursache dafür ist das Phänomen der wahrgenommenen oder auch „gefühlten“ Inflation. Sie berücksich­tigt das subjektive Empfinden der Konsumenten, indem sie die Kaufhäufigkeit von Waren mit ins Kalkül einbezieht.

Weil zum Beispiel Lebensmittel tagtäglich, Autos aber nur alle paar Jahre gekauft werden, nehmen die Verbraucher die Preisschwankungen bei Brot, Eiern und Gemüse viel stärker wahr als die beim Kauf eines Pkws. Auch regelmäßige größere Abbuchungen wie solche für Wohnungsmieten spüren sie vergleichsweise wenig. Kein Wunder also, dass die gefühlte Inflation meist höher ausfällt als die amtliche Inflationsrate.

Tatsächlich sind Mieten und viele langlebige Güter, die nur relativ selten neu angeschafft werden, seit der Euro-Einführung 1999 kaum teurer geworden: Die Preise für Möbel beispielsweise sind seitdem nur um jahresdurchschnittlich 0,9 Prozent gestiegen, Kraftfahrzeuge verteuerten sich um 0,8 Prozent und Bekleidung lediglich um 0,3 Prozent. Computer kosteten im Jahr 2012 sogar weniger als ein Sechstel dessen, was Verbraucher zu D-Mark-Zeiten bezahlen mussten.

  1. Der Außenwert des Euro hat sich gegenüber dem Dollar seit 1999 gut behauptet und liegt bereits seit Jahren bei rund 1,30 Dollar, also deutlich über dem Einstandskurs von 1,18 Dollar (Grafik).

Danach sah es allerdings in den ersten Jahren der neuen Währung nicht aus: Zwischen dem 4. Januar 1999, dem Euro-Einstand, und dem Herbst 2001 wertete der Euro zunächst stark ab. Ihren Tiefpunkt erreichte die Gemeinschaftswährung am 26. Oktober 2000 mit einem durchschnittlichen Tageskurs von 0,8252 Dollar. Die anfängliche Talfahrt des Euro lässt sich allerdings nicht nur auf das weltweite Misstrauen gegenüber der neuen Währung zurückführen, sie hatte auch ganz handfeste ökonomische Gründe: Ende der 1990er Jahre boomte die New Economy – und zwar hauptsächlich in den USA, die damals so viel Kapital anzogen, dass der Dollar beharrlich aufwertete.

Erst Anfang des Jahres 2002 drehte sich das Wechselkursverhältnis – nicht zuletzt dank des vertrauensbildenden Agierens der Europäischen Zentralbank:

Zwischen Ende 2001 und Ende 2004 wertete der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 50 Prozent auf.

Dies setzte allerdings die Exporteure, die Kunden im Dollarraum belieferten, unter Druck – schließlich wurden die deutschen Ausfuhren dort plötzlich immer teurer. Anders stellte sich die Situation in der Eurozone dar: Aufgrund der Gemeinschaftswährung konnte hier nun keine Einzelwährung mehr auf- oder abwerten. Weil Deutschland besonders viel Handel mit Euro-Nachbarn betreibt, hatte dies folgenden positiven Effekt: Zwischen Ende 2001 und Ende 2004 wertete der Euro aus deutscher Sicht gegenüber 41 wichtigen Handelspartnern – also solchen innerhalb und außerhalb des Euroraums – insgesamt nur um rund 13 Prozent auf.

Zwar verlangsamte dies das Wachstum der deutschen Exporte, doch zu einem deutlichen Einbruch der Ausfuhren kam es glücklicherweise nicht, denn das hätte die damals herrschende Stagnation sicherlich noch verschärft.

Zwischen 2005 und Mitte 2008 schwankte der Euro-Dollar-Wechselkurs munter – am 15. November 2005 fiel er kurzzeitig auf 1,1667 Dollar und damit knapp unter seinen Einstandskurs. Die bald darauf einsetzende Erholung führte den Euro bis Mitte 2008 auf sein bisheriges Rekordhoch: Am 15. Juli 2008 notierte er bei 1,5990 Dollar.

Die globale Finanzkrise und die Euro-Schuldenkrise führten erneut zu erheblichen Kursschwankungen. Vor allem die Diskussion um Griechenlands Staatsdefizit ließ den Euro bis zum Juni 2010 auf 1,22 Dollar absacken. Mit dem Aufspannen des Euro-Rettungsschirms kam es zu einer längeren Erholungsphase, bis im Sommer 2011 wiederum eine längere Abwertungsperiode einsetzte. Auslöser dafür war das Überspringen der Schuldenkrise auf Italien und Spanien. Der Prozess kehrte sich erst wieder nachhaltig um, als die Europäische Zentralbank im Sommer 2012 das klare Signal gab, die Eurozone nicht auseinanderbrechen zu lassen (vgl. Seite 1-2).

Trotz aller Aufs und Abs stürzte der Euro während der gesamten Krisenphase niemals ab. Er blieb durchweg über seinem Einstandsniveau von 1,18 Dollar.

Dieses Vertrauen in die Gemeinschaftswährung lässt sich darauf zurückführen, dass es zwar umgangssprachlich eine „Euro-Krise“ gibt, tatsächlich aber nicht der Euro selbst in der Krise steckt, sondern einige Länder der Eurozone ein Schulden- und Wettbewerbsfähigkeitsproblem haben.

In der Bundesrepublik ist die Haltung zum Euro deshalb recht eindeutig: Laut einer Forsa-Umfrage vom April 2013 wollen 69 Prozent der Deutschen den Euro behalten – und nur 27 Prozent zurück zur D-Mark.

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