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Sparsamkeit ist angesagt

Von den 13 Flächenstaaten hat ausgerechnet der kleinste die größte Pro-Kopf-Verschuldung der Republik. Ums Sparen kommt die nächste saarländische Regierung daher nicht herum.

Kernaussagen in Kürze:
  • Von den 13 Flächenstaaten hat ausgerechnet der kleinste die größte Pro-Kopf-Verschuldung der Republik.
  • Das Saarland bleibt ein Industriestandort - der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung betrug im Jahr 2010 rund 26 Prozent.
  • Wichtige Zukunftsbranchen wie die Pharmaindustrie und die Elektrotechnik sind im Saarland unterrepräsentiert.
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Erich Honecker, Peter Hartz, Ilona Christen, Marc Ziegler – sie alle sind im kleinsten Flächenland der Bundesrepublik geboren. Während das Land an der Saar diese und viele andere bekannte Köpfe hervorgebracht hat, präsentiert es sich wirtschaftlich gesehen eher unauffällig (Grafik). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf entspricht mit 29.500 Euro ziemlich genau dem deutschen Durchschnitt. Den westdeutschen Mittelwert von 32.340 Euro verfehlt es aber deutlich. Denn wenn es um die Ansiedlung großer Konzernzentralen geht, kann Saarbrücken nicht mit Stuttgart, Frankfurt oder Düsseldorf konkurrieren. Außerdem fehlen namhafte Dienstleister, die das Sozialprodukt mehren.

Und so bleibt das Saarland im Kern ein Industriestandort:

Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung betrug im Jahr 2010 rund 26 Prozent; nur Baden-Württemberg kommt auf einen höheren Industrieanteil.

Anders als im Südwesten der Republik handelt es sich bei den Fabriken an der Saar aber teilweise um alte Industrien, in denen nach und nach die Lichter ausgehen. Im Bergwerk Saar zum Beispiel, das im Juli dieses Jahres schließt, waren zuletzt noch 3.000 Kumpel tätig. Auch die Zulieferindustrie wird mit der Schicht im Schacht schrumpfen.

Wichtige Zukunftsbranchen wie die Pharmaindustrie und die Elektrotechnik sind im Saarland unterrepräsentiert. Ein Lichtblick ist mit etwa 60.000 Beschäftigten die Gesundheitswirtschaft.

Auch der Fahrzeugbau ist lediglich mit einem Ford-Werk in Saarlouis vertreten, wo etwa 6.500 Beschäftigte arbeiten.

Ein auf den ersten Blick erfreuliches Kapitel ist die geringe Arbeitslosigkeit: Im Winter 2012 betrug die Arbeitslosenquote lediglich 6,8 Prozent, nach 11 Prozent im Jahr 2005.

Diese Entwicklung ist allerdings nur zum Teil arbeitsmarktpolitischen Erfolgen geschuldet. Denn es gibt – überspitzt formuliert – an der Saar bald keine Menschen mehr, die arbeitslos werden könnten. Die Bevölkerung schrumpft fast so schnell wie die der ostdeutschen Flächenländer. Seit 1966, als ein Höchststand von 1,13 Millionen erreicht wurde, hat die Zahl der Saarländer bereits um 10 Prozent abgenommen. Für das Jahr 2050 wird nur noch mit 750.000 Einwohnern gerechnet.

Einen Negativrekord hat das Saarland in puncto Schulden aufgestellt: Zum Jahresende 2011 stand es mit 11,5 Milliarden Euro in der Kreide, je Einwohner waren das 11.370 Euro – kein anderes Flächenland hat höhere Pro-Kopf-Schulden.

Die von der bisherigen CDU-Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer eingeleiteten Sparmaßnahmen stehen nun durch die vorgezogene Wahl am 25. März wieder auf der Kippe. Die SPD setzt zur Konsolidierung vor allem auf Steuererhöhungen, die das Land allein aber nicht durchsetzen kann – denn für die Einkommens- oder Vermögenssteuer ist der Bund zuständig.

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