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Spannender als die Meisterschaft

Der Poker läuft – wer wird die Spiele der Ersten und Zweiten Fußballbundesliga ab der Saison 2017/2018 live übertragen? Bis zum Start der Europameisterschaft am 10. Juni soll die Entscheidung gefallen sein.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Kartellamt hat ein Alleinerwerbsverbot durchgesetzt, sodass die Pakete A bis E von mehreren Bietern gekauft werden müssen.
  • Ein erfolgreicher Konkurrent des bisherigen Alleinanbieters dürfte sein Paket am ehesten über das Internet zeigen, will er zusätzliche Infrastrukturkosten für den Kunden niedrig halten.
  • Ein realistischer Ausgang des Bieterverfahrens: Der bisherige Alleinanbieter erwirbt alle Live-Pakete und nimmt die Internetkonkurrenz hin.
Zur detaillierten Fassung

Bisher hatte stets ein einziger Anbieter das Gesamtpaket erworben, zuletzt Sky. Nun hat das Kartellamt jedoch ein Alleinerwerbsverbot durchgesetzt, sodass die Pakete A bis E von mehreren Bietern gekauft werden müssen.

Zum Bundesligaspiel Borussia Dortmund gegen Bayern München schalteten in dieser Saison 1,87 Millionen Zuschauer live ein, zu den Quotenkiller-Duellen zwischen Ingolstadt und Wolfsburg sowie Leverkusen und Darmstadt dagegen weniger als jeweils 5.000 Fußballfans. Der Wert eines Pakets hängt also nicht nur vom Sendeplatz ab, sondern vor allem von der Attraktivität der beteiligten Mannschaften.

Die Sonntagsspiele des Pakets E beinhalten beispielsweise jene Mannschaften, die unter der Woche in der Europa League aktiv sind. Wer das sein wird, steht noch nicht fest. Im – aus Bietersicht – besten Fall sind es Zuschauermagneten wie Schalke oder Mönchengladbach, mit denen sich hohe Werbeeinnahmen erzielen lassen, im schlechtesten Fall Abtörner wie Leverkusen oder Wolfsburg. Da Bayern, Dortmund sowie die übrigen Champions-League-Starter höchstwahrscheinlich vorwiegend samstags – also in den Paketen B, C und D – zu sehen sein werden, schwankt deren möglicher Wert deutlich weniger.

Unter dem Strich erscheint mir aber nur ein Ausgang des Bieterverfahrens realistisch: Der bisherige Alleinanbieter erwirbt alle Live-Pakete und nimmt die Internetkonkurrenz hin.

Ein erfolgreicher Konkurrent des bisherigen Alleinanbieters dürfte sein Paket am ehesten über das Internet zeigen, will er die zusätzlichen Infrastrukturkosten für den Kunden niedrig halten, der sich dann zum Beispiel keinen zweiten Dekoder anschaffen muss. Besonders attraktiv ist daher für die Konkurrenz das Paket B, welches die Konferenzvariante des Pakets C enthält. Zu einem moderaten Preis im Internet übertragen, könnte dieses Paket massiv Kunden gewinnen und dem bisherigen Alleinanbieter arg zusetzen.

Unter dem Strich erscheint mir aber nur ein Ausgang des Bieterverfahrens realistisch: Der bisherige Alleinanbieter erwirbt alle Live-Pakete und beißt in den – nur auf den ersten Blick – sauren Apfel der Internetkonkurrenz. Die in diesem Fall fehlende Exklusivität bei der Übertragung des Pakets E und eines zusätzlichen Samstagsspiels ist ein geringer Preis, den der bisherige Alleinanbieter zahlen müsste.

Aber wer weiß? Wie im Fußball können auch Bieterverfahren mit einer Überraschung enden. Das Spiel ist aus, wenn der Schiri pfeift. Und der Abpfiff in diesem Spiel folgt spätestens Anfang Juni, wenn der Zuschlag erfolgt ist.

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