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Soziologen sind die neuen Ingenieure

Wegen der vielen Flüchtlinge ist der Bedarf an Sozial­arbeitern, Streetworkern und Sozial­pädagogen in Deutschland enorm gestiegen – diese Berufe gelten mittlerweile als Engpassberufe. Keine andere Akademikergruppe hat derzeit bessere Beschäftigungschancen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen für Sozialarbeiter mit akademischem Abschluss hat sich zwischen Januar und Dezember 2015 mehr als verdoppelt
  • Tatsächlich dürfte der Engpass sogar noch weitaus größer sein, denn Unternehmen melden der Bundesagentur in der Regel lediglich ein Viertel aller offenen Akademikerstellen
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Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man junge Leute, die Soziologie studierten, bedauert: Denn wo sollten die wohl mal einen Job bekommen, der auch etwas mit dem Studium zu tun hatte?

Doch plötzlich ist alles anders. Aufgrund der vielen Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten nach Deutschland gekommen sind, werden Sozialwissenschaftler händeringend gesucht – als Heimleiter, die sich um die Betreuung der Asylsuchenden kümmern, als Streetworker, die Flüchtlinge bei Alltagsproblemen beraten, oder als Sozialarbeiter, die Hilfestellung bei Behördengängen und der Freizeitgestaltung geben. In den akademischen Sozial­berufen sind die Engpässe mittlerweile größer als bei den Ingenieuren, die lange Zeit an der Spitze der akademischen Engpassberufe standen (Grafik):

Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen für Sozialarbeiter mit akademischem Abschluss hat sich zwischen Januar und Dezember 2015 mehr als verdoppelt.

Tatsächlich dürfte der Engpass sogar noch weitaus größer sein, denn Unternehmen melden der Bundes­agentur in der Regel lediglich ein Viertel aller offenen Akademikerstellen – viele Arbeitgeber setzen bei ihrer Suche nach hochqualifizierten Mitarbeitern lieber auf Online-Jobbörsen, Zeitungsannoncen und auf persönliche Empfehlungen aus der Belegschaft.

Wie lange die akademischen Sozialberufe derart gefragt sein werden wie im Augenblick, ist offen. Zum einen hängt der Bedarf maßgeblich davon ab, wie sich die Situation in den Heimatländern der Flüchtlinge entwickelt – und wie viele der Zuwanderer in den kommenden Jahren zurückkehren können und wollen. Zum anderen ist auch die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung eine entscheidende Größe. Solange die Zahl derer, die in Deutschland Zuflucht suchen, hoch ist, sind auch fachlich qualifizierte Menschen gefragt, die die Integration begleiten können.

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