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Soziale Dienstleistungen boomen

Der deutsche Arbeitsmarkt eilt von einem Rekord zum nächsten. In den vergangenen 20 Jahren sind 3,7 Millionen neue Jobs entstanden. Ein erheblicher Teil davon geht auf die sozialen Dienstleistungen zurück.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der deutsche Arbeitsmarkt präsentiert sich zurzeit in glänzender Verfassung. Seit Jahren entstehen neue Jobs und die Arbeitslosigkeit sinkt.
  • Die größten Zuwächse verzeichnen die sozialen Dienstleistungen, insbesondere das Gesundheits- und Sozialwesen.
  • Die sozialen Dienste müssen auch finanziert werden. Deswegen ist eine gut laufende Industrie wichtig.
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Der deutsche Arbeitsmarkt präsentiert sich zurzeit in glänzender Verfassung. Die Arbeitslosigkeit sinkt, und Jahr für Jahr entstehen Hunderttausende neue – überwiegend sozialversicherungspflichtige – Beschäftigungsverhältnisse.

Besonders erfreulich: Auch die Industrie, die aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Produktivitätszuwächse lange Zeit Beschäftigung verlor, legt wieder zu:

Allein in der Metall- und Elektro-Industrie sind in den vergangenen zehn Jahren 350.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Die meisten neuen Stellen zählt allerdings der Dienstleistungssektor. Ein traditioneller Jobmotor ist das Segment der unternehmensnahen Dienstleistungen, das von der Gebäudereinigung bis zur Forschung und Entwicklung reicht.

In Deutschland sind in den vergangenen 20 Jahren 3,7 Millionen Jobs entstanden, mehr als die Hälfte davon im Gesundheits- und Sozialwesen.

Die größten Zuwächse verzeichnen jedoch die sozialen Dienstleistungen. Dazu gehören die öffentliche Verwaltung, der Bereich Erziehung und Unterricht sowie das Gesundheits- und Sozialwesen. Auf diese Sparten entfielen fast zwei Drittel des gesamten Stellenzuwachses seit 1995. Insgesamt waren im Bereich der sozialen Dienste zuletzt mehr als zehn Millionen Menschen beschäftigt. Das schlägt sich in der Erwerbstätigenstatistik nieder (Grafik):

Im Jahr 2015 arbeiteten rund 26 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland in den sozialen Dienstleistungen.

Allerdings: Nicht alle Aktivitäten in diesen Branchen dienen unmittelbar sozialen Zwecken. So umfasst der Bereich Erziehung und Unterricht zum Beispiel auch die Fahrschulen.

Viele neue Jobs im Gesundheits- und Sozialwesen

Während die öffentliche Verwaltung langfristig Beschäftigung abgebaut hat, legte insbesondere das Gesundheits- und Sozialwesen zu. Dort sind binnen zwei Jahrzehnten 1,9 Millionen Arbeitsplätze entstanden.

Dass die Beschäftigung vor allem in jenen Bereichen stark zunimmt, in denen – wie im Sozialwesen – das Produktivitätswachstum unterdurchschnittlich ist, verwundert kaum. Denn Dienstleistungen am Menschen lassen sich – anders als zum Beispiel die Produktion von Autos – weniger stark automatisieren. Und auch die Tatsache, dass eine Gesellschaft mit steigendem Wohlstand mehr und mehr Dienstleistungen nachfragt, ist selbstverständlich.

Doch bei aller Freude über den Job-Boom in den sozialen Dienstleistungen: Die Bundesbürger können nicht allein davon leben, sich gegenseitig zu unterrichten oder gesund zu pflegen, sondern es müssen auch Konsumgüter produziert oder importiert werden.

Diese Produktion bildet die Basis des deutschen Wohlstands, könnte aber durch steigende Kosten für soziale Dienste überlastet werden. Deshalb darf man nicht vergessen, dass die sozialen Dienste auch finanziert werden müssen.

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