Metallrohstoffe Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Sorgen um die Versorgung

Die Unternehmen in der rohstoffarmen Bundesrepublik sind komplett auf den Import von Metallen angewiesen. Eine zunehmend unbequeme Lage, denn der internationale Rohstoffhandel ist noch lange nicht frei und fair.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Unternehmen in der rohstoffarmen Bundesrepublik sind komplett auf den Import von Metallen angewiesen - eine zunehmend unbequeme Lage.
  • Rund 52 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes gehen von negativen Auswirkungen aus, falls ein Lieferant von metallenen Vorprodukten längerfristig ausfällt.
  • Nur drei von vier Unternehmen wissen, ob in ihrer Herstellung Seltene Erden benötigt werden.
Zur detaillierten Fassung

Nicht nur in Handys sind sie unentbehrlich, Metalle wie Kupfer, Stahl oder Kobalt stecken auch in vielen anderen Alltagsgeräten – vom Akkuschrauber bis zum Navi. Herzschrittmacher, Autos und Windräder kommen ebenfalls nicht ohne aus.

Viele dieser Produkte werden in Deutschland hergestellt, obwohl es hierzulande keine nennenswerte Förderung von Metallrohstoffen gibt:

Die deutsche Industrie muss die benötigten Metalle zu 100 Prozent importieren.

Die meisten Rohstoffe werden jedoch nicht direkt nach Deutschland eingeführt, sondern indirekt über die Zulieferer von Vorprodukten. Ein Lieferantenausfall hätte daher ernste Konsequenzen (Grafik):

Rund 52 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes gehen von negativen Auswirkungen aus, falls ein Lieferant von metallenen Vorprodukten längerfristig ausfällt.

Zu den Lieferrisiken kommt ein immenser Preisdruck: Seit 1999 stieg der Industriemetallpreisindex, der die wichtigsten Metalle für die deutsche Industrie erfasst, um das Zweieinhalbfache (Grafik).

Da all diese Rohstoffe importiert werden müssen, schränkt die Preisexplosion die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Firmen ein: So sieht sich rund die Hälfte der Betriebe benachteiligt gegenüber Wettbewerbern, die ihren Sitz in Rohstoffländern haben. Diese Konkurrenten profitieren nicht nur von niedrigeren Einkaufspreisen für Metallrohstoffe, sie müssen oft auch weniger Auflagen beachten, werden mittels Handelsschranken bevorteilt und tragen aufgrund der kürzeren Wege ein geringeres Transportrisiko.

Die deutsche Industrie hat auf diese Entwicklung bereits reagiert. Vor allem größere Unternehmen versuchen, ihre Rohstoffrisiken zu minimieren, indem sie langfristige Verträge mit mehreren Lieferanten abschließen. Außerdem wird ein Produkt heutzutage mit durchschnittlich 30 Prozent weniger Rohstoffen hergestellt als noch 1994.

Kleinere Betriebe tun sich allerdings noch schwer. Jedes vierte Klein­unternehmen in Deutschland unternimmt gegen Versorgungsrisiken gar nichts. Das mag auch daran liegen, dass manche Betriebe – unabhängig von ihrer Größe – nicht wissen, ob und welche Rohstoffe in ihren Produkten stecken: Jedes zehnte Unternehmen in Deutschland kann keine Angaben darüber machen, ob Leichtmetalle in seinen Vorprodukten oder in den eigenen Produkten verarbeitet werden.

Nur drei von vier Unternehmen wissen, ob in ihrer Herstellung Seltene Erden benötigt werden.

Doch nicht nur die Industrie kann dafür sorgen, dass für ihre Produktion genügend Rohstoffe verfügbar sind, auch der Politik kommt eine Schlüsselrolle zu. Zu ihren Aufgaben zählt es z. B., auf internationaler Ebene für einen freien und fairen Rohstoffmarkt einzutreten sowie die Forschungsförderung auszubauen, um die Rohstoffeffizienz, das Recycling sowie die Entwicklung neuer Fertigungsprozesse zu forcieren.

Hubertus Bardt / Hanno Kempermann / Karl LichtblauRohstoffe für die IndustrieGutachten

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de