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des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Infrastruktur Lesezeit 3 Min.

Sondervermögen: Für die Investitions­offensive fehlen Fachkräfte

Mit ihrem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen möchte die Bundesregierung den staatlichen Investitionsrückstand aufholen. Doch für pünktliche Züge und sanierte Schultoiletten braucht es neben Geld vor allem mehr Fachkräfte für Planung und Bau – und die fehlen schon heute.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mit ihrem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen möchte die Bundesregierung den staatlichen Investitionsrückstand aufholen. Der Großteil des Geldes dürfte in Bauinvestitionen fließen.
  • Für mehr Bauvorhaben braucht es auch mehr Arbeitskräfte – allerdings fehlten Ende 2024 bereits fast 75.000 qualifizierte Arbeitskräfte in Infrastrukturberufen.
  • Dieser Fachkräftemangel wird sich nur abschwächen, aber nicht gänzlich auflösen lassen. Um trotz zunehmender Aufträge mit den verfügbaren Arbeitskräften auszukommen, muss der gesamte Bauprozess effizienter und schneller werden.
Zur detaillierten Fassung

500 Milliarden Euro – eine Menge Geld, mit dem die Bundesregierung in den kommenden zwölf Jahren die Infrastruktur in Deutschland modernisieren und die Transformation der Wirtschaft vorantreiben möchte. Aus diesem Sondervermögen gehen 60 Prozent an den Bund, jeweils 20 Prozent fließen an die Länder und Kommunen sowie in den Klima- und Transformationsfonds.

Das Versprechen der Koalition: Die 500 Milliarden Euro sind ausschließlich für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und zum Erreichen der Klimaneutralität gedacht. Ein verheißungsvoller Plan – dass es so kommen wird, ist angesichts der im Bundeshaushalt geplanten Verwendung der Gelder allerdings fraglich, die Chancen des Sondervermögens drohen ins Leere zu laufen (siehe "Bundeshaushalt: Wo das Geld wirklich hinfließt"). Und selbst wenn der Bund das Geld zielgerichtet einsetzt, gibt es einige Stolpersteine:

Inflation. Das Sondervermögen wird die Nachfrage nach bestimmten Bauleistungen deutlich ankurbeln, insbesondere im Tiefbau. Doch viele Unternehmen sind bereits ausgelastet – es braucht also höhere Kapazitäten, um der steigenden Auftragsmenge gerecht werden zu können. Eine höhere Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot würde dagegen die Preise nach oben treiben. Das hätte weitreichende Folgen: Eine um jährlich 3 Prozentpunkte höhere Inflation würde über die zwölfjährige Laufzeit des Sondervermögens 100 Milliarden Euro real verpuffen lassen. Für das gleiche Geld könnte somit deutlich weniger gebaut werden.

Fachkräftemangel. Der Großteil des Sondervermögens dürfte in Bauinvestitionen fließen, vor allem in den Tiefbau. IW-Berechnungen auf Basis des aktuellen Bundeshaushalts zeigen, dass bis 2036 jährlich rund 18,8 Milliarden Euro im Tiefbau verbaut werden dürften – im Verhältnis zum aktuellen Bauvolumen ein Plus von rund 18 Prozent.

Für mehr Bauvorhaben braucht es auch mehr Arbeitskräfte. Das ist allerdings ein Problem – schließlich mangelt es an denen in Deutschland schon jetzt (Grafik):

Ende 2024 fehlten fast 75.000 qualifizierte Arbeitskräfte in Infrastrukturberufen.

Zahl der offenen Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte in Infrastrukturberufen in Deutschland ohne passend qualifizierte Arbeitslose Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Rein rechnerisch konnten Unternehmen in diesem Bereich – dazu gehören zum Beispiel alle Bau- und Baustoffherstellungsberufe – zuletzt gut jede zweite offene Stelle nicht besetzen. In den größten Engpassberufen – darunter Bauelektriker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker sowie Bauplaner – blieben sogar rund drei von vier offenen Stellen vakant (Grafik):

Für so viele offene Stellen in diesen Infrastrukturberufen gab es im Durchschnitt von Juli 2024 bis Juni 2025 bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Erschwerend kommt hinzu, dass jeder vierte Beschäftigte in Infrastrukturberufen aktuell 55 Jahre oder älter ist und somit innerhalb der kommenden zehn Jahre in Rente geht oder kurz davorsteht. Gleichzeitig bleiben bereits heute viele Ausbildungsplätze unbesetzt und die Zahl der Studienanfänger in entsprechenden Berufen sinkt.

Damit das Sondervermögen bestmöglich für zusätzliche Investitionen genutzt werden kann, muss die Politik Preissteigerungen vermeiden, den Personalaufbau in Infrastrukturberufen fördern und den gesamten Bauprozess effizienter gestalten.

Dass die Situation nicht noch angespannter ist, ist Frauen und internationalen Fachkräften zu verdanken. Die Zahl der in Infrastrukturberufen beschäftigten Zuwanderer stieg im Vergleich zu 2014 um rund 261.000, die von deutschen Frauen um 34.000. Dagegen arbeiteten fast 90.000 weniger deutsche Männer in entsprechenden Jobs.

Planung und Vergabe. Bevor der erste Spatenstich erfolgen kann, müssen Projekte ausgeschrieben und vergeben werden. Nach IW-Berechnungen müssten die öffentlichen Vergabekapazitäten um rund zwei Drittel steigen, damit die Milliarden auf den Baustellen ankommen. Auch dafür fehlt Personal. Zudem sind die Verfahren langwierig und bürokratisch.

Wie das Sondervermögen erfolgreich in Investitionen mündet

Damit das Sondervermögen nicht zu einem milliardenschweren Strohfeuer wird, muss die Politik also an einigen Stellschrauben drehen:

Preissteigerungen vermeiden. Die Bundesregierung sollte die Bauinvestitionen langsamer erhöhen als derzeit geplant und so der Bauwirtschaft Zeit geben, zusätzliche Kapazitäten aufzubauen. Zudem sollten die beteiligten Parteien möglichst langfristige Verträge schließen, die allen Seiten mehr Planungs- und Preissicherheit geben.

Personal aufbauen. Die deutsche Bildungspolitik sollte die gezielte Berufsorientierung an Schulen ausbauen, ebenso berufsbegleitende Weiterbildungsangebote. Fachkräfte aus dem Ausland sollten – zum Beispiel durch gezielte Abkommen mit Drittstaaten – aktiv angeworben und ihre Einwanderung dann schnell und digital abgewickelt werden.

Produktivität steigern. Der Fachkräftemangel wird sich nur abschwächen, aber nicht gänzlich auflösen lassen. Um trotz zunehmender Aufträge mit den verfügbaren Arbeitskräften auszukommen, muss der gesamte Bauprozess effizienter und schneller werden. Zentral dafür ist es, Bauplanung, Auftragsvergaben, Genehmigungsverfahren und Regulierungen radikal zu vereinfachen sowie die Digitalisierung konsequent voranzutreiben.

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