Familienunternehmen Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Sohn oder Tochter bevorzugt

Mehr als jedes dritte deutsche Großunternehmen wird von einer Familie geführt – und die möchte in der Regel, dass das so bleibt. Dies sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn für den Bundesverband der Deutschen Industrie und die Deutsche Bank.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mehr als jedes dritte deutsche Großunternehmen wird von einer Familie geführt – und die möchte in der Regel, dass das so bleibt.
  • Über vier Fünftel der Familienunternehmer möchten die Anteilsmehrheit in der Familie halten und keine Aktien ausgeben oder Anteile an Investoren veräußern.
  • Die industriellen Familienunternehmen investieren 4,6 Prozent des Umsatzes in FuE-Aktivitäten – im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt sind es nur 3,2 Prozent.
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In Deutschland gibt es ungefähr 4.400 Familienunternehmen mit jeweils mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Die oftmals über Generationen hinweg aufgebauten Firmen unterscheiden sich in einem Punkt grundlegend von anderen Unternehmen: Die Sicherung des Betriebs und seines Kapitalbedarfs hat für die Eigentümer Priorität. Hohe Ausschüttungen sind dagegen zweitrangig, sagen 94 Prozent der vom IfM befragten Unternehmer (Grafik).

Diese Haltung ist verständlich: Wer nicht ständig Quartalszahlen präsentieren muss, um Analysten und Aktionäre zufriedenzustellen, kann sich besser auf die Zukunft konzentrieren und langfristige Pläne schmieden.

Über vier Fünftel der Familienunternehmer möchten die Anteilsmehrheit in der Familie halten und keine Aktien ausgeben oder Anteile an Investoren veräußern.

Das Kapital für eine Expansion auf neue Märkte oder in neue Geschäftsfelder müssen diese Firmen daher anderweitig aufbringen – meist werden die Gewinne dazu verwendet.

Etwa 1.000 große deutsche Familienunternehmen gehören zu den sogenannten Hidden Champions. Sie zählen in ihrem Marktsegment – oft einer hoch spezialisierten Nische wie Spezialstecker oder Hochhausfassaden – zu den Top Drei in Europa oder der Welt.

Ohne innovative Produkte und Leistungen wäre dies nicht möglich. Deshalb stecken die größten Familienunternehmen viel Geld in die Forschung und Entwicklung (FuE):

Die industriellen Familienunternehmen investieren 4,6 Prozent des Umsatzes in FuE-Aktivitäten – im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt sind es nur 3,2 Prozent.

Eine Schicksalsfrage ist für jede Familienfirma, wer einmal das Staffelholz übernimmt. Ein geeigneter Nachfolger muss im Familienkreis gefunden, auf die große Aufgabe vorbereitet und von Kunden sowie Mitarbeitern akzeptiert werden.

Kommt in der Familie niemand für die Nachfolge infrage, kann auch ein Manager der zweiten Ebene oder ein „Fremder“ ausgewählt werden, um die Geschicke des Unternehmens unter den wachsamen Augen der Eigner zu bestimmen.

In knapp der Hälfte der 400 vom IfM befragten Firmen ist der Stabwechsel in der letzten Zeit erfolgt, oder er wird gerade vollzogen. Weitere 28 Prozent planen vorerst keine Neubesetzung, immerhin ein Viertel gibt an, dass die Nachfolgefrage bald geklärt werden muss.

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